Sich ohne Angst behandeln lassen
27.09.2022 WohlenIm sanierten Chappelehof wird nächsten Sommer eine Kinderzahnarztpraxis eröffnet
Zahnärzte gibt es in Wohlen bereits einige. Aber eine Praxis ausschliesslich für Kinder, die gibt es noch nicht. Nina Arnold und Ursula Schwyzer schliessen diese Lücke. Sie wissen, dass die Kleinsten eine besondere Behandlung benötigen.
Chregi Hansen
Sie kennen sich seit der Schulzeit im Gymnasium. Sie haben beide Zahnmedizin studiert und sich in den vergangenen Jahren auf die Behandlung von Kindern spezialisiert. Und sie hatten immer den Traum, gemeinsam eine Praxis zu eröffnen. Nun geht der Traum in Erfüllung.
Ab Spätsommer 2023 führen Nina Arnold und Ursula Schwyzer im Chappelehof gemeinsam die eigene Kinderzahnarztpraxis mit vier Behandlungsräumen. «Wir kümmern uns um die Zähne der Kleinen, behandeln aber auch Jugendliche», erklärt Arnold. Aus Erfahrungen wissen die beiden Zürcherinnen, dass viele Kinder Angst haben vor einem Zahnarztbesuch. Dem will die neue Praxis mit ihrer Ausstattung Rechnung tragen. Die Kinder sollen sich wohlfühlen. So hängt beispielsweise über dem Behandlungsstuhl ein Fernseher zur Ablenkung. Und während bei den «normalen» Zahnärzten das Lachgas aus der Praxis verschwunden ist, wird dieses Mittel bei Kindern durchaus noch angewendet.
Breites Spektrum
Zu Beginn werden die vier Behandlungsräume kaum voll ausgelastet sein. «Wir wollen klein anfangen und langsam wachsen», erklären die beiden Inhaberinnen. Angeboten wird das ganze Spektrum von der Zahnreinigung bis zur Behandlung unter Narkose. Zudem suche man die Zusammenarbeit mit den bestehenden Angeboten, etwa im Bereich der Kieferorthopädie oder der Chirurgie. Aber nicht nur die Behandlung ist ein wichtiges Thema, sondern auch die Prophylaxe. «Viele haben das Gefühl, die Milchzähne seien nicht so wichtig, die fallen ja sowieso raus. Aber sie sind wichtige Platzhalter in der Wachstumsphase. Und wenn sie gesund sind, so sind es auch die nachwachsenden Zähne», erklärt Schwyzer.
Ganz viel Erfahrung
Beide Frauen verfügen über viel Berufserfahrung. Die 40-jährige Nina Arnold hat in Zürich studiert und arbeitet heute in zwei privaten Praxen in Sins und Horgen, wo sie sich auf die Behandlung von Kindern und Jugendlichen spezialisiert hat. Dazu ist sie Vertrauenszahnärztin im Kanton Aargau. Ursula Schwyzer hat Zahnmedizin in Madrid studiert, kehrte dann aber wieder in die Schweiz zurück und arbeitet heute in der Schulzahnklinik in Zürich. Beide haben sich im Bereich Kinder und Jugendliche stetig weitergebildet. Und beide möchten in der neuen Klinik zu Beginn in einem 80-Prozent-Pensum tätig sein.
Arnold lebt in Zürich, Schwyzer in Kilchberg. Wie kommen die beiden Zürcherinnen dazu, ausgerechnet in Wohlen eine Praxis zu eröffnen? «Mein Lebenspartner stammt aus Wohlen, ich habe einige Zeit hier gelebt», berichtet Arnold. Zudem fehle eine solche Praxis in der Gemeinde. «Wir sind dann auf den Chappelehof gestossen, er ist für unsere Zwecke ideal», ergänzt Schwyzer. Hier können sie während der Sanierung ihre Wünsche anbringen. Noch befindet sich die Praxis erst im Rohbau. Aber die beiden Zahnärztinnen freuen sich, wenn sie dann mit der Einrichtung beginnen können.
Wunsch nach Kinderarzt konnte (noch) nicht erfüllt werden
Froh über diese Lösung ist auch Paul Huwiler, der Präsident des Vereins St. Leonhard. Es war immer klar, dass die Räume oberhalb des Saales nach der Sanierung nicht mehr für Wohnzwecke genutzt werden. «Wenn unten bei einem Konzert die Post abgeht, kann man oben nicht ruhig schlafen», so Huwiler. Für eine andere Nutzung wurden verschiedene Lösungen geprüft, wobei es etliche Einschränkungen gab. Denn der Chappelehof steht in der Zone für öffentliche Bauten, was die Nutzung stark beschränkt. Gewerbliche Räume sind nicht möglich, sondern nur Geschäftsräume oder Praxen von öffentlichem Interesse. «Eine Kinderzahnarztpraxis dient der medizinischen Grundversorgung und wurde daher vom Gemeinderat gutgeheissen, das freut uns sehr», erklärt Huwiler.
Gerne würde der Verein den neuen Chappelehof in ein Kompetenzzentrum für Kinder verwandeln. So wurde auch das bestehende Mietverhältnis für die Mütter- und Väterberatung verlängert. Und noch immer hofft man, dass neben den beiden Kinderzahnärztinnen auch noch ein «normaler» Kinderarzt oder -ärztin gefunden wird. «Wir haben dazu verschiedene Gespräche geführt, und das Projekt war, in Zusammenarbeit mit dem Kantonsspital Baden, schon recht weit fortgeschritten. Leider hat Baden nun andere Pläne», bedauert Huwiler. Man sei aber zuversichtlich, dass auch für die neuen Räume noch Mieter gefunden werden. «Vorerst freuen wir uns über den Abschluss eines langfristigen Mietvertrages mit der Kinderzahnarztpraxis Wohlen AG. Sie ist für Wohlen und die gesamte Region ein Gewinn», so Huwiler.

