Tristesse anstatt Markttreiben
22.05.2026 WohlenStrassensperren und Marktstände nur auf einer Seite der Bünzstrasse: Der Mai-Markt löste viel Kritik aus
Einst war er ein blühender Treffpunkt für Gross und Klein. Nun gab der Mai-Markt auf der Bünzstrasse ein trauriges Bild ab. Die ...
Strassensperren und Marktstände nur auf einer Seite der Bünzstrasse: Der Mai-Markt löste viel Kritik aus
Einst war er ein blühender Treffpunkt für Gross und Klein. Nun gab der Mai-Markt auf der Bünzstrasse ein trauriges Bild ab. Die Sicherheit geht vor: Sperren auf den Eingangsstrassen, nur Marktstände auf einer Strassenseite. Das führt zu Tristesse und verunmöglicht ein buntes Markttreiben.
Daniel Marti
Die Sicherheit nimmt bei diversen Grossanlässen in Wohlen inzwischen einen besonderen Stellenwert ein. Beim Chlausauszug im vergangenen Dezember und beim Fasnachtsumzug im Februar wurden erstmals diverse Eingangsstrassen mit Lastwagen gesperrt. Beide Anlässe werden jeweils von Tausenden Zuschauerinnen und Zuschauer besucht. Darum steht die Sicherheit im Mittelpunkt.
Nun sind auch beim Mai-Markt an der Bünzstrasse erstmals spezielle Fahrzeugsperren errichtet worden. Zudem wurden die Marktstände nur in einer Einerreihe zugelassen. Der eigentlich beliebte Mai-Markt ist so zu einem unattraktiven Anlass verkommen – mit unzufriedenen Marktfahrern und Besuchern.
Auch in Zukunft mit Fahrzeugsperren
Der Frühlingsmarkt lockte nicht viele Personen an. Aber die Neuerungen (Fahrzeugsperren und die einseitige Aufreihung der Marktstände) gaben Anlass zu Kritik. Warum wurden denn diese Massnahmen getroffen? Und ist das allenfalls der neue Massstab in Zukunft? Der Gemeinderat gibt Auskunft, das Ressort Sicherheit gehört zum Aufgabenbereich von Gemeindeammann Roland Vogt. Die Massnahmen werden «durch die Regionalpolizei situativ entschieden», antwortet der Gemeinderat. Und der Blick in die Zukunft ist unmissverständlich formuliert: «Bei Anlässen mit hoher Besucheranzahl, die auf öffentlichen Strassen stattfinden, werden auch in Zukunft Fahrzeugsperren in Betracht gezogen. Diese Massnahmen sind nötig, da es vermehrt Fahrzeuglenker gibt, die sich nicht an die Fahrverbote halten.» Und bei einem grossen Besucherandrang müsse die Bünzstrasse «zwingend verkehrsfrei bleiben».
Und warum durften die Marktstände nur noch auf einer Strassenseite aufgestellt werden? Die Verkleinerung des Marktes stehe im Zusammenhang «mit dem Sicherheitsaspekt sowie der Gewährleistung einer Rettungsgasse», so der Gemeinderat weiter. «Um dies sicherzustellen, wurde der Markt verkleinert respektive konnte die Bünzstrasse nur noch einseitig genutzt werden.»
Repol mit Fusspatrouillen
Die Märkte an der Bünzstrasse – im Mai und im Oktober – weisen zwar eine grosse Tradition auf. Aber der Aufwand für die Organisation scheint immer grösser und umfassender zu werden. Der sicherheitspolizeiliche Aufwand der Regionalpolizei für die Durchführung eines Marktes an der Bünzstrasse nimmt also laufend zu. So hat die Regionalpolizei während des ganzen Tages zwei Patrouillen im Einsatz. «Diese zirkulieren zu Fuss am Markt und im Fahrzeug um den Markt. Die Fusspatrouillen wurden nötig, da insbesondere Fahrräder, E-Trottinetts und E-Bikes sich nicht an die Fahrverbote hielten», schreibt die Kommunikationsstelle der Gemeinde. «Und es gab vermehrt Reklamationen durch Marktbesucher und Marktfahrer.»
Auch das Team des Werkhofs ist jeweils im Einsatz. Es signalisiert die gesamte Umleitung. «Diese wird am Morgen früh, bevor die Marktfahrer zufahren, aufgestellt.» Ebenfalls werden die vermieteten Marktstände aufgestellt, sie gehören der Gemeinde Wohlen. Nach dem Markt wird die Bünzstrasse gereinigt und alles für den Verkehr wieder hergestellt.
Ressourcen reichen nicht mehr – Marktchefin beigezogen
Die Regionalpolizei Wohlen leistet also einiges, damit der Markt auf der Bünzstrasse überhaupt durchgeführt werden kann. Gleichzeitig ist die Repol oft überlastet – und sie sucht zudem Personal. Vor diesem Hintergrund könnte die Mitorganisation des Marktes doch ausgelagert werden. Ist das allenfalls ein Thema im Gemeindehaus? Der Gemeinderat antwortet: «Die Verantwortlichkeit liegt nach wie vor bei der Regionalpolizei. Da die personellen Ressourcen jedoch nicht mehr ausreichen, wurde dieses Jahr eine erfahrene Marktchefin zur Unterstützung beigezogen.» Immerhin.
Und noch ein Kritikpunkt: Es ist bekannt, dass es sehr oft betreffend Einund Ausfahrten der Anwohner – speziell übers Bärengässli und die Tiefgarage beim Isler-Areal – zu Reklamationen kommt. Dieses Problem hat man anscheinend in den Griff bekommen. Beim jetzigen Markt sei «explizit darauf geachtet» worden, dass die Einfahrten zum Isler-Areal und in die Tiefgarage für Anwohner frei geblieben sind. «Und das Bärengässli bleibt auch in Zukunft gesperrt», dies aus sicherheitspolizeilichen Aspekten.
Lohnt sich das noch?
Der Mai-Markt wurde speziell abgeriegelt, nur auf einer Seite durften Stände aufgestellt werden, und er war aus diesen Gründen auch um einiges kleiner als beispielsweise im vergangenen Oktober. Für den diesjährigen Mai-Markt wurden tatsächlich weniger Marktfahrer zugelassen, wie die Kommunikationsstelle bestätigt.
Da drängt sich die entscheidende Frage förmlich auch: Lohnt sich der Aufwand noch für die wenigen Marktstände und für einen «Märt», der seine Attraktivität immer mehr verliert? Bei dieser Frage lässt sich der Gemeinderat nicht aus der Reserve locken. Die offizielle gemeinderätliche Antwort lässt jedenfalls keine Schlüsse zu: «Da der Markt erstmals in dieser Form durchgeführt wurde, gilt es nun, ihn zu analysieren und den damit verbundenen Aufwand abzuwägen.»
Marktkonzept massgebend
Warum funktionierts beim Christchindli-Märt?
Beim grossen Christchindli-Märt in Bremgarten funktioniert alles, auch mit Marktständen auf beiden Strassenseiten. Und warum sei das in Wohlen beim viel kleineren Mai-Markt nicht möglich, möchte eine Leserbriefschreiberin wissen. Wo liegen die Unterschiede? Und was meint der Gemeinderat zu diesem Vergleich?
«Dem Gemeinderat steht es nicht zu, Auskünfte über die Organisation von Märkten ausserhalb seiner Zuständigkeit zu erteilen», lässt dieser verlauten. Grundsätzlich sei für die Durchführung von solchen Anlässen ein auf die jeweilig vorliegenden Begebenheiten ausgerichtetes Markt- und Sicherheitskonzept zu erstellen. Der Gemeinderat habe zudem keinerlei Kenntnisse über das Markt- und Sicherheitskonzept für den Christchindli-Märt in Bremgarten.
«Die einseitige Aufstellung der Marktstände an der Bünzstrasse für den Frühlingsmarkt in Wohlen steht im direkten Zusammenhang mit dem Sicherheitsaspekt sowie der unabdingbaren Gewährleistung einer Rettungsgasse auf dieser Strasse», so der Gemeinderat. --dm



