Weil es eben doch nicht so passte
19.06.2026 Porträt, Kirche, MuriAls Nicht-Priester nicht einfach
Karl Scholz verlässt den Pastoralraum Muri und Umgebung: Abschiedsgottesdienst am Sonntag
Er kam, um zu bleiben. Nun geht Karl Scholz dennoch. Er blickt zurück auf 3,5 Jahre im Pastoralraum Muri und ...
Als Nicht-Priester nicht einfach
Karl Scholz verlässt den Pastoralraum Muri und Umgebung: Abschiedsgottesdienst am Sonntag
Er kam, um zu bleiben. Nun geht Karl Scholz dennoch. Er blickt zurück auf 3,5 Jahre im Pastoralraum Muri und Umgebung.
Annemarie Keusch
Dass er die falsche Person für die Leitung des Pastoralraums Muri und Umgebung ist, das würde Karl Scholz nicht sagen. «Vielleicht ist der Zeitpunkt falsch», ergänzt er. Vielleicht ist die Zeit noch nicht reif. Für einen Nicht-Priester, der einen Pastoralraum leitet. Scholz beschritt damit in Muri neues Terrain und stiess damit auch auf Widerstände. «Traditionen sind hier noch stärker verankert als in anderen Regionen», sagt er und meint das überhaupt nicht ausschliesslich negativ. «Es ist ein Schatz, der vielerorts verloren gegangen ist.» Gleichzeitig sehnen sich auch in diesem Pastoralraum viele nach Fortschritt, nach alternativen Gottesdienstformen. «Es ist ein Spagat, der nicht einfach zu schaffen ist.»
Dreieinhalb Jahre sind vergangen, seit Diakon Karl Scholz als neuer Leiter des Pastoralraums Muri und Umgebung vorgestellt wurde. Nun verlässt er die Region wieder, hat aber in der kurzen Zeit einiges an Spuren hinterlassen und Diskussionen ausgelöst. Was ihm beim Abschied wichtig ist: zu danken. «Es gibt viele Menschen, die diesen Pastoralraum mittragen und mit ganzem Herzen dabei sind.» Das Team natürlich, aber auch Gläubige. Er betont: «Ich verlasse Muri ganz ohne Groll.»
Nach nur 3,5 Jahren verlässt Karl Scholz den Pastoralraum Muri und Umgebung wieder
Der erste Pastoralraumleiter, der nicht Priester ist. Karl Scholz stand im Pastoralraum Muri und Umgebung keine einfache Aufgabe bevor. «Zumal hier Traditionen viel stärker verwurzelt sind als anderswo.» Am Sonntag, 21. Juni, 19 Uhr, wird Scholz in der Klosterkirche verabschiedet. «Ich gehe mit einem warmen Herzen.»
Annemarie Keusch
So war es nicht geplant. Das gibt Karl Scholz unumwunden zu. Als er vor dreieinhalb Jahren als neuer Leiter des Pastoralraums Muri und Umgebung vorgestellt wurde, plante er, länger zu bleiben. Schon seit letztem Sommer ist klar, dass er geht. Offiziell per Ende Juli, verabschiedet wird er diesen Sonntag. «Manchmal passt es eben doch nicht so, wie es anfänglich aussah», fasst Scholz zusammen. Er wählt seine Worte mit Bedacht. Auf die Füsse treten, das will er niemandem. Verbrannte Erde zu hinterlassen, das entspricht nicht seiner Natur. «Es war nicht immer einfach, als Nicht-Priester und Pastoralraumleiter alle Ansprüche unter einen Hut zu bringen.» Scholz erwähnt, dass Traditionelles in Muri und im ganzen Pastoralraum stark verankert ist. «Und das ist etwas Wunderbares. Es ist ein Schatz, der vielerorts bereits verloren gegangen ist.»
Dennoch sind da eben auch andere Bedürfnisse, etwa nach einer offeneren Kirche, alternativen Gottesdienstformen. «Die Bandbreite ist gross und das ist gut so», sagt Karl Scholz. Was er dabei bedauert: «Dass es mir nicht gelungen ist, tragfähigere Brücken zu bauen.» Dabei will er nicht von mangelnder Akzeptanz sprechen. «Ich habe mich von ganz vielen Menschen hier sehr akzeptiert gefühlt.» Und gerade im Seelsorge-Team habe sich ein starkes Miteinander entwickelt. «Obwohl wir alle sehr unterschiedlich sind. Das ist ein Glück für den Pastoralraum, weil so viele der unterschiedlichen Bedürfnisse abgeholt werden können.»
«Es ist gut, wie es ist»
Zu gehen, das fällt Karl Scholz nicht leicht. «Ich fange nicht gerne etwas an und stehe nachher nicht dafür gerade.» Er meint etwa die Umfrage, die der Pastoralraum lanciert hat, die Konzilsabende, die er zusammen mit Philipp Galizia organisiert hat. «Dabei sind viele gute Grundlagen entstanden, mit denen das Team weiterarbeiten kann.» Der Entscheid, den Pastoralraum zu verlassen, fiel in Absprache mit dem Bistum vor rund einem Jahr. «Ich wollte und will nicht, dass wegen mir ein Druck entsteht.» Das diene der Sache nicht und tue ihm nicht gut. «Es war nie mein Ziel, dass ich als Person so stark Emotionen auslöse. Natürlich tut das weh, weil ich es eben nie wollte. Aber ich gehe nicht mit einem Groll. Ich gehe mit warmem Herzen.»
Rückblickend spricht Karl Scholz von einer «ausserordentlich lehrreichen Zeit». Der grosse Pastoralraum mit den teils sehr unterschiedlichen Pfarreien.
Die Leitungsposition als erster Nicht-Priester. «Es war ein Crashkurs, manchmal mit Betonung auf Crash.» Das Leiten eines Pastoralraums brauche viel Zeit und Energie. «Mehr, als sich das Bistum dies vorstellt», spricht er Klartext. Dabei sei es aber wichtig, dass die Führung nicht in die Richtung einer Firma geht. «Jede Religionsgemeinschaft braucht Nähe, das ist unabdingbar.» Scholz ist überzeugt, dass die kirchlichen Behörden in Zukunft noch mehr gefordert sein werden. «Ich wünsche mir, dass die Gläubigen ihnen dabei Vertrauen entgegenbringen.» Gleiches gelte für das Team, das im Pastoralraum Muri und Umgebung weiterarbeitet – ad interim unter der Leitung von Priester Julius Dsouza. «Ich hoffe, sie erhalten die nötige Unterstützung, um den Spagat zu schaffen.» Den Spagat, mit dem die Kirche weltweit kämpft. Den Spagat zwischen Tradition und Fortschritt.
Liebe zur barocken Musik
In den dreieinhalb Jahren hat Karl Scholz Spuren hinterlassen. «Das müssen andere beurteilen», meint er und lacht. «Es war es nur schon wert, hier tätig gewesen zu sein, wenn sich der Pastoralraum dadurch auf einen Weg gemacht hat, den er sonst vielleicht noch nicht beschritten hätte.» Den Weg der verstärkten Partizipation. Scholz spricht wieder die Umfrage, das Pastoralraum-Konzil an. «Natürlich, auch das führte zu Kritik. Aber in der heutigen Zeit ist es wichtig, die Meinungen der Leute einzuholen – gerade in der Kirche.» Vielleicht helfe sein Abschied gar dabei, diesen Weg miteinander zu gehen.
Bereut, nach Muri gekommen zu sein, das hat Karl Scholz nie. «Vielleicht habe ich hie und da bereut, nicht in Solothurn geblieben zu sein, im gemachten Nest.» In Muri habe ihm vieles gefallen. «Ich liebe barocke Musik. Es ist der Hammer, was in der Klosterkirche diesbezüglich geboten wird.» Als sehr schön empfinde er auch, dass in Muri und im Pastoralraum die Kirche selbstverständlich zum Ort gehöre. «Vor allem aber habe ich hier viele liebevolle Menschen kennengelernt. Meine Familie konnte tiefe Freundschaften knüpfen. Ich könnte nicht sagen, dass ich mich hier nicht heimisch gefühlt habe.» Entsprechend werde er die Menschen vermissen. Menschen, die mit ganzem Herzen dabei sind, die Vertrauen und Offenheit ausstrahlen. Am Sonntag hat er Gelegenheit, sich von ihnen zu verabschieden.
Vorerst wohnt er weiterhin in Merenschwand
Dann zieht Karl Scholz weiter. Künftig wird er in Ebikon im Pastoralraum Rontal tätig sein und diesen leiten. Vorerst bleibt die Familie in Merenschwand wohnhaft. Scholz’ Sohn ist mittlerweile in der Lehre. Mittelfristig ist aber ein Umzug in die Region Rontal geplant. «Natürlich ist das für meine Familie nicht einfach. Und vielleicht liegt auch da einer der Gründe, weshalb ich nicht schon früher gesagt habe, dass ich nicht der Richtige für diesen Ort bin oder der Zeitpunkt nicht der richtige ist.» Mittlerweile hat er das erkannt und die Konsequenzen daraus gezogen. «Das ist für den Pastoralraum, für das Seelsorgeteam, für meine Familie und damit für mich am förderlichsten», ist er überzeugt.


