Weitaus mildere Töne
27.03.2026 Wohlen, Region Unterfreiamt, BüttikonIB Wohlen lud zur Infoveranstaltung in Büttikon – wirklich kontroverse Diskussionen blieben aus
Die strategische Führung bleibt beim Gemeinderat, die operativen Themen der Elektra Büttikon übernimmt aber die IBW Energie AG. Diese Neuerungen ...
IB Wohlen lud zur Infoveranstaltung in Büttikon – wirklich kontroverse Diskussionen blieben aus
Die strategische Führung bleibt beim Gemeinderat, die operativen Themen der Elektra Büttikon übernimmt aber die IBW Energie AG. Diese Neuerungen sorgten in Büttikon in den letzten Monaten für ganz viel Diskussionsstoff. Am Informationsabend indes blieb es ruhig.
Annemarie Keusch
Eine kritische Frage kam dann doch noch. «Sie zählen ganz viele Vorteile auf, die die erweiterte Zusammenarbeit mit der IBW Energie AG mitbringt, wo sind die Nachteile?» Mit solchen Fragen musste gerechnet werden, nachdem an den letzten beiden «Gmeinden» die Emotionen auch wegen der neuen Elektra-Betriebsführung hochgingen. Dass der Gemeinderat nicht vorher informierte, sondern die Bevölkerung vor vollendete Tatsachen stellte, das störte nicht nur wenige. Entsprechend waren es wieder viele Leute, die sich an diesem Informationsabend in der Turnhalle einfanden. Die IBW Energie AG lud zusammen mit dem Gemeinderat dazu ein.
Um das zu machen, was die Bevölkerung forderte – um zu informieren. Auch wenn die erweiterte Zusammenarbeit längst beschlossene Sache ist.
Simon Zubler, Geschäftsführer der IBW Energie AG, schmunzelt als Reaktion auf die Frage nach den Nachteilen. «Natürlich machen wir die Betriebsführung nicht gratis.» Wofür es denn die Elektra überhaupt noch brauche, wollte ein anderer Büttiker wissen. «Natürlich, Sie könnten die Elektra verkaufen. Aber das ist ein politischer Entscheid. Viele Gemeinden entscheiden sich dagegen, weil sie weiterhin das strategische Sagen haben wollen.» Auch diese Antwort erfolgt pragmatisch, ruhig, sachlich. Emotionen kommen an diesem Abend gar keine auf. Vielmehr sind es Detailfragen, die gestellt werden. Zu Tarifen, zu Herkunftsnachweisen.
Zusammenarbeit seit Jahrzehnten
Und dabei zeigt sich, was Simon Zubler anfangs mit steigender Komplexität gemeint hat. «Mit dem neuen Energiegesetz kamen viele neue Vorgaben hinzu», führte er aus. Höherer Aufwand für die Digitalisierung, mehr Komplexität in der Tarifberechnung – es sind zwei Beispiele von vielen. «Zusammengefasst: Der Aufwand steigt stetig.» Spezialisiertes Know-how und Fachleute seien gefragt. «Das ist nicht klassische Aufgabe einer Gemeindeverwaltung», ergänzte Zubler. Speziell bei einer Gemeindegrösse von Büttikon nicht. Die IBW Energie AG bringe auch im Bereich von Dienstleistungen für andere Gemeinden viel Erfahrung mit. Und Zubler betont: «Der Gemeinderat Büttikon hat sich früh mit diesem Thema auseinandergesetzt. Auch andere Gemeinden treten mittlerweile mit entsprechenden Anfragen an uns heran.»
Zubler hält zudem fest, dass die IBW und die Gemeinde Büttikon, respektive die Elektra, seit Jahren und Jahrzehnten zusammenarbeiten. Seit 1974 übernimmt die IBW die Netzplanung und Konzeptarbeiten, seit 1987 die Installationskontrollen und seit 2000 liest sie per GPS die Geo- und Netzinformationen als Dienstleistung ein. «Was jetzt passierte, ist eine Erweiterung.» Neu übernimmt die IBW für die Elektra Büttikon die Geschäftsführung, das Rechnungswesen, den Regulierungsprozess, den Betrieb und Unterhalt des Netzes, die Energieverrechnung, den Pikettdienst und das Messwesen. «Alles immer in enger Absprache mit dem Gemeinderat», betont Zubler dabei.
Weltlage lässt Preisanstieg befürchten
Und er hält fest: «Strategische Entscheide fällt die IBW keine, das tut weiterhin der Gemeinderat.» Was die IBW eingibt, sind Empfehlungen. «Wir unterstützen den Gemeinderat fachlich und personell», fasst es Zubler zusammen. Dazu gehört auch, Fragen und Anliegen aus der Bevölkerung aufzunehmen. Die IBW Energie AG hat extra für die Büttiker Bevölkerung eine Kontaktstelle eingerichtet.
2024 wars, als der Strompreis in Büttikon förmlich explodierte. Dass der Grund für die lange sehr emotional geführte Diskussion auch darin zu finden ist, liegt auf der Hand. Dass der Strompreis dank der Betriebsführung der IBW Energie AG sinken wird, das will aber auch Simon Zubler nicht versprechen. «Die Lage hatte sich zwar beruhigt, aber mit den neusten Entwicklungen im Nahen Osten sieht es bereits wieder anders aus.» Ihre erste Rechnung, die zwar von der IBW erstellt und versandt, aber an die Gemeinde einbezahlt wird, erhält die Büttiker Bevölkerung im April. «Quartalsweise», erklärt Zubler. Ab dem zweiten Quartal kann gewünscht werden, ob die Rechnung einen stattdessen per PDF oder per E-Bill erreichen soll. Simon Zubler betont indes: «Wir sind zuversichtlich, die anstehenden Herausforderungen meistern zu können. Die Erfahrung und das Wissen dazu sind da.»
Elektrakommission
Gemeindeammann Thomas Berger nutzte den Infoanlass dazu, um nochmals auf die Elektrakommission aufmerksam zu machen. Diese wird sich zu verschiedenen Themen rund um die Elektra einbringen. «Es sind nach wie vor Leute gesucht, die sich in dieser Kommission engagieren.» --ake

