Wenn Lücken keine Ruhe lassen
04.08.2026 Wohlen, KulturProduzentin Helena Dali zu Gast im Open-Air-Kino
Familiengeschichten sind wertvoll. Doch wie ist es, wenn niemand sie erzählen möchte oder kann? Die Filmemacherin Helena Dali ging auf die Spurensuche bei der Familie Dubler und fügte einzelne Puzzleteile im ...
Produzentin Helena Dali zu Gast im Open-Air-Kino
Familiengeschichten sind wertvoll. Doch wie ist es, wenn niemand sie erzählen möchte oder kann? Die Filmemacherin Helena Dali ging auf die Spurensuche bei der Familie Dubler und fügte einzelne Puzzleteile im Film «Eine Fabrik in Katalonien» zusammen.
Monica Rast
«Ich freue mich, eine Geschichte bildlich zu sehen», meint ein Kinobesucher als er durch den Eingang des Open-Air-Kinos tritt. Andere zeigen Interesse am Stammbaum der Dublers und einige sind «gwundrig» auf die Familiengeschichte. «Ich komme heute, um herauszufinden, ob ich mit Dublers verwandt bin», erwähnt eine Besucherin beiläufig.
Für den Film «Eine Fabrik in Katalonien» wurden vorgängig fleissig die Werbetrommeln gerührt. Und es hat sich gelohnt. Über 250 Personen besuchen die Vorführung. «Ich habe erst gestern in der Sommerbar noch vom Film erzählt», lacht Daniel Renggli, Präsident des Filmklubs Wohlens.
Er war es auch, der die Familiengeschichte erneut nach Wohlen brachte. «Ich wusste, dass das Schweizer Strohmuseum Jubiläum hatte, und habe die Organisatoren des Kinos, das Strohmuseum und Helena Dali zusammengebracht.» Renggli war von Anfang an von der Geschichte fasziniert und vom Film begeistert. «Ich schaue ihn mir heute zum dritten Mal an.»
Für die Filmproduzentin ist die Zusammenarbeit mit dem Schweizer Strohmuseum und dem Filmklub eine gelungene Sache. «Man muss für einen solchen Film um Aufmerksamkeit buhlen», meint Helena Dali und ist froh über das Interesse an ihrer Produktion. Neben Wohlen wurde der Film unter anderem auch in Genf gezeigt. Dort war das Interesse anderer Natur. Die Zuschauer waren eher Akademiker und sahen im Film eher eine politisch-geschichtliche Aufarbeitung. In Wohlen hingegen steht eher der lokale Bezug im Vordergrund, was ebenso wichtig ist.
Vergangenheit und Gegenwart
Auch für diejenigen, die in keiner Weise eine Verbindung zum Inhalt spüren, ist der Film spannend und unterhaltsam. Helena Dali hat es geschafft, Vergangenheit und Gegenwart bewusst verschmelzen zu lassen und eine Neugierde beim Zuschauer zu entfachen, die bis ans Ende des Films anhält.
Die Produzentin hat sich insbesondere für den Ursprung, warum jemand auswandert, interessiert und sich gefragt, warum nicht mehr darüber erzählt wird.
«Je weniger ich weiss, umso grösser wird das Interesse», erklärt die Filmemacherin ihre Motivation. «Es hiess nur, dass Cäsar Dubler eine Fabrik hatte.» Für Helena Dali ist eine Fabrik ein Sinnbild von Fortschritt und Ausbeutung, mit einem Patron und Arbeit ohne Perspektive. Schon deshalb wollte sie mehr über die Fabrik in Katalonien erfahren. «Und da die Erzählkultur in der Familie Dubler gefehlt hatte, nahm ich mich des Themas an.»
Sie entschied sich für Cäsar Dubler, weil einiges an Archivmaterial vorhanden war. Nicht zuletzt im Schweizer Strohmuseum und von Lokalhistoriker Daniel Güntert. Zudem konnte die Filmemacherin einige Familienmitglieder für ihr Projekt gewinnen. «Ich musste zuerst wissen, wie die Familie Dubler aufgestellt war», erinnert sie sich.
Keine Biografie, sondern eine Unternehmergeschichte
2020 fing sie mit der Recherche an und tauchte immer tiefer in die Geschichte ihres Partners Gregor Binkert ein, der ein Enkel von Cäsar Dubler ist. Sie durchforstete haufenweise Akten, las persönliche Briefe, sah sich Urkunden und Baupläne der Fabrik an. Dies alles wird im Film gezeigt und fasziniert alle Zuschauer gleichermassen. Ein Zeugnis der Kanti Wohlen oder das Dienstbüchlein von Cäsar Dubler werden ebenso gezeigt, wie Briefe zwischen Cäsar und seiner Mutter vorgelesen werden.
Ein Puzzleteil nach dem anderen findet seinen Platz. Die Protagonisten Andreas Dubler – Sohn von Rodolfo Enrique «Tito» Dubler (1929–2016), Veronika Henkes – Tochter von Rosa María «Rosi» Henkels-Dubler (1928– 2002), Gregor und Christoph Binkert – Söhne von Margarita Berta «Margrit» Binkert-Dubler (1926–2018) wurden von Beginn weg miteinbezogen. Entstanden ist ein Gesamtbild aus einer Unternehmer-, Lebens- und politischen Geschichte. «Im Film gibt es Verlierer und Gewinner und tiefgreifende Erlebnisse», meint Helena Dali. Cäsar Dubler bleibt auch nach dem Tod in Katalonien, während andere Familienmitglieder in die Schweiz zurückkehrten. Für Helena Dali ist klar: Dublers Familiengeschichte ist nicht zu Ende erzählt. Für ihren Teil bekommt sie einen grossen Applaus von den Anwesenden und einer meinte sogar: «So eine spannende Familiengeschichte hat nicht jeder.»


