Caroline Doka, freischaffende Jorunalistin, in Wohlen aufgewachsen, lebt heute in der Nähe von Basel.
Aqua Rainbow
Gestern bin ich Maserati gefahren. Einen türkisblau schillernden, richtig coolen Schlitten. Mir ...
Caroline Doka, freischaffende Jorunalistin, in Wohlen aufgewachsen, lebt heute in der Nähe von Basel.
Aqua Rainbow
Gestern bin ich Maserati gefahren. Einen türkisblau schillernden, richtig coolen Schlitten. Mir ging das Herz auf, obwohl ich mit Autos nichts anfangen kann. Aber stopp: Ich wollte von einer ganz anderen Reise erzählen.
Jener im Iran vor ein paar Jahren. Die Menschen, ihre Gastfreundschaft, Herzlichkeit und Verwurzelung mit der Jahrtausende alten Kultur haben mich tief berührt. Dank Reza, einem iranischen Architekten, lernte ich die persischen Weltkulturgüter mit dem Herzen sehen, etwa den Golestan-Palast in Teheran und den 40-Säulen-Palast Tschehel Sotun in Isfahan. Als ich in jenem zauberhaften persischen Garten stand und sich die 20 filigranen, hohen Zedernholzsäulen im Wasserbecken spiegelbildlich verdoppelten, war es um mich geschehen. In der Sheikh-Lotfollah-Moschee in Isfahan, einem anderen Meisterwerk der persischen Architektur, schickte ich flüsternd Worte den spiralförmigen, türkisfarbenen Fliesenbordüren entlang zur Kuppel empor. Wie durch ein Wunder konnten sie am anderen Ende des Raumes empfangen werden.
Seit Kriegsbeginn fehlt jeder Kontakt zu Reza. Dafür berichten die News von der Zerstörung der Weltkulturgüter. Der Golestan-Palast, der 40-Säulen-Palast und möglicherweise auch die Sheikh-Lotfollah-Moschee wurden beschädigt. Wird den iranischen Menschen nun auch noch ihr kulturelles Erbe genommen? Die Barbarei zehrt unerwartet heftig an mir.
Da kommt Moritz mit seinem Superschlitten gerade richtig. Er ist Autojournalist, der Maserati ein Testwagen. Niedrig gebaut, aerodynamisch, extravagant. Die Schmetterlingstüren öffnen sich elegant nach oben. «Steig ein, Mama», sagt er, und seine Augen funkeln mit dem schimmernden Aqua-Rainbow-Blau des Sportwagens um die Wette. Ich gleite auf den Sitz, wir brausen los. Was für ein Sound. Es tönt, als rotze der Auspuff seine Lebensfreude hinaus. Fasziniert betrachte ich im Rückspiegel die klaren, fliessenden Linien bis zum Heck. Anmut und Ästhetik schenken mir eine plötzliche Leichtigkeit.
Doch Formen und Farbe erinnern mich an die türkisfarbenen Bordüren der Moschee in Isfahan. Da drückt Moritz sanft aufs Gaspedal, ich lausche dem rohen Sound des Auspuffs, lasse mich auf die Spritztour ein und gebe der Schwere keine Chance.