Peter Füglistaler, ehemaliger Direktor Bundesamt für Verkehr, in Wohlen aufgewachsen.
Nichts spaltet die Schweiz so sehr wie die Frage der Zuwanderung. Sichert uns eine offene Schweiz den Wohlstand? Oder führt dies zur ...
Peter Füglistaler, ehemaliger Direktor Bundesamt für Verkehr, in Wohlen aufgewachsen.
Nichts spaltet die Schweiz so sehr wie die Frage der Zuwanderung. Sichert uns eine offene Schweiz den Wohlstand? Oder führt dies zur Überfremdung?
Im Juni stimmen wir darüber ab, ob eine 10-Millionen-Schweiz die Lösung aller Probleme ist oder ins Chaos führt. An vorderster Front kämpft die SVP mit ihrem Präsidenten, mit der unvermeidlichen Hellebarde in der Hand, für die Begrenzung. Ein besonderer Dorn in seinen Augen sind Menschen, welche aus wirtschaftlicher Not in der Schweiz ein Auskommen suchen. Sie sind schuld für alles, was in der Schweiz nicht gut läuft.
Der SVP-Präsident bewirtschaftet mit seiner Familie einen Bauernhof in Oberiberg. Er kann dies tun und findet noch Zeit, in Bern obe Politik zu treiben, weil wir ihn solidarisch mit viel Entwicklungshilfe unterstützen. Wir nennen das in der Schweiz einfach Direktzahlungen. Gäbe es diese nicht, müsste er seine Kinder nach Zürich hinunter schicken, damit sie etwas Geld verdienen und zu Hause als Last entfallen. Wenn sie endlich einen Hilfsjob gefunden haben, könnten weitere Familienmitglieder nach Zürich nachziehen. Zurück bliebe der alte Bauer mit der Hellebarde in der Hand und finanziell abhängig von den Überweisungen seiner Kinder aus dem fernen Zürich.
Ich finde es erstaunlich, dass jemand, der so von unserer Solidarität lebt, so ganz und gar unsolidarisch ist. Die Schweiz kann sich die Unterstützung von Menschen leisten, weil sie eine starke Wirtschaft hat, die einen grossen Teil des Geldes im Ausland verdient. Dazu braucht die Schweiz Arbeitskräfte und die findet sie immer weniger im Inland. Seit vielen Jahren ist die Schweiz mit diesem Rezept gut gefahren, kennt Wohlstand, gute Schulen und Spitäler und eine AHV mit 13. Rente.
Wer eine heile Schweiz will, muss zu ihren Stärken Sorge tragen: demokratische Rechte, eine liberale Wirtschaftspolitik und die Solidarität. Wohlstand gibt es in der Schweiz nur, wenn alle drei Elemente gepflegt und erhalten werden. Wer die Wirtschaft einschränkt und die Solidarität infrage stellt, wird bald seine heile Schweiz entschwinden sehen.
Sagen wir Nein zu einer unsolidarischen Schweiz, welche sich Hellebarde schwingende Bergbauern nicht mehr leisten mag.