Felix Bingesser, ehemaliger Sportchef des «Blick», wohnt in Waltenschwil.
Am Samstag fand in Wohlen das Fest der Kulturen statt. Ein netter Anlass mit sympathischen Menschen. Der Gemeinderat lächelt in corpore in die Kameras. ...
Felix Bingesser, ehemaliger Sportchef des «Blick», wohnt in Waltenschwil.
Am Samstag fand in Wohlen das Fest der Kulturen statt. Ein netter Anlass mit sympathischen Menschen. Der Gemeinderat lächelt in corpore in die Kameras. Toleranz und Integrationsbemühungen sichern auch Wählerstimmen über das eigene Lager hinaus.
Einen Bratwurststand oder ein Raclette-Stübli gibt es nicht. Zumindest kulinarisch ist eine Kultur bei diesem Fest der Kulturen zu kurz gekommen.
Dass rund 24 Stunden später die Hochrechnung über die Initiative «10-Millionen-Schweiz» publiziert wird und das Freiamt in dieser Frage einhellig für diese Initiative gestimmt hat, gibt dem Wochenende einen etwas ironischen Touch. Mit Schaum vor dem Mund wurde in den Wochen zuvor Wahlkampf betrieben. Als stünde das Abendland am Abgrund, als ginge es um nichts weniger als um Sein oder Nichtsein der Eidgenossenschaft. Der Gedanke sei erlaubt: Wenn alle Frau Gwerders, Frau Stöcklis, Frau Meiers oder Frau Hubers in diesem Land plötzlich sieben Kinder gebären würden, dann wäre man selbst in Unteriberg nicht auf die Idee gekommen, eine menschliche Obergrenze in die Verfassung zu schreiben.
Auch in unserer Region kennt man den Dichtestress höchstens von den heissen Tagen in den Badis am Hallwilersee.
Diese Argumentation ist so scheinheilig wie die Sorge um die Umwelt. Wer sich ehrlich macht, der steht dazu, dass es eine Abstimmung gegen die Überfremdung des Landes war. Ausgetragen auf dem Rücken der Arbeitsmigranten, die Wachstum und Wohlstand auch in unserer Region sichern. Ja, die Welt verändert sich, das Land verändert sich. Das Freiamt ist auch nicht mehr das Freiamt meiner Jugend. Aber vielleicht ist es das Freiamt unserer Kinder. Für die ist eine multikulturelle Gesellschaft von Kindesbeinen an Alltag.
Trotzdem habe auch ich Ja gestimmt zu einer Initiative, die nicht überzeugt. Weil man sich von der Politik in der Frage der Migrations- und Asylpolitik nicht ernst genommen fühlt. Weil eine Umsetzung beschlossener griffiger Massnahmen nicht umgesetzt wird. Weil die Politik immer wieder verwässert, was ein berechtigtes Anliegen der Menschen ist. Weil der zaudernde Bundesrat Beat Jans mit seiner laschen Asylpolitik eine der grössten Fehlbesetzungen ist, seit der Politbetrieb im Jahre 5000 vor Christus in Athen erfunden wurde.