Als Mensch und Schwinger einmalig
08.05.2026 SportZum Tod von Stefan Strebel: Die schillerndste Persönlichkeit des Freiämter Schwingsports ist verstorben
Das Freiamt und die Schwingwelt werden durch die Schocknachricht des Todes von Stefan Strebel erschüttert. Der Villmerger stirbt unerwartet im Alter von ...
Zum Tod von Stefan Strebel: Die schillerndste Persönlichkeit des Freiämter Schwingsports ist verstorben
Das Freiamt und die Schwingwelt werden durch die Schocknachricht des Todes von Stefan Strebel erschüttert. Der Villmerger stirbt unerwartet im Alter von 49 Jahren an Herzversagen. Strebel war eine der grössten Persönlichkeiten des Freiamts.
«Es ist etwas vom Grössten», sagt Stefan Strebel Mitte März 2026 dieser Zeitung. Er hat an jenem Tag an der ESV-Abgeordnetenversammlung sein Amt als höchster Schwinger der Schweiz offiziell abgegeben und wurde zum Ehrenmitglied des Eidgenössischen Schwingerverbandes (ESV).
Für ihn war es ein würdiger Schlusspunkt unter seine sensationelle und unvergleichbare Karriere im Schwingsport, die total 40 Jahre dauerte.
Schon früh drückt sein Talent durch, als 11-Jähriger gewinnt er 11 von 18 Schwingfesten in der Nachwuchskategorie. Sein Weg geht weiter steil nach oben. 1995 ist Strebel als 18-Jähriger erstmals als Aktiver am Eidgenössischen (ESAF) dabei. 1998 in Bern, 2001 in Nyon und 2004 in Luzern holt er sich den Kranz am Eidgenössischen.
Als Aktivschwinger holt er total 49 Kränze und drei kantonale Festsiege (AG in den Jahren 2000 und 2004, BL im Jahr 2000). Strebel ist damit der erfolgreichste Freiämter Schwinger in der 101-jährigen Vereinshistorie. Sein Sieg am Aargauer Kantonalen 2004 in Hägglingen beschrieb er als «eines der grössten Highlights».
2005: Ein Ende und ein Start
Sein letztes Schwingfest bestritt er 2005, natürlich an seinem Heimfest, dem Guggibad-Schwinget. «Jener Tag war das Ende meiner Aktivkarriere, aber der Startschuss für meine Funktionärslaufbahn», sagt Strebel im Jubiläumsbuch des SK Freiamt.
Der Villmerger war ein geradliniger Mann, mit klaren Worten und klarem Plan. Und diesen Plan, wie er die Karriereleiter emporsteigen kann, verfolgte er minutiös, mit viel Fleiss und grossem Engagement. Strebel beginnt als Funktionär bei seinem Heimatklub, dem SK Freiamt. Als Jungschwingertrainer prägte er die heutigen Eidgenossen des Klubs massgeblich. Später hinterliess er auch als Technischer Leiter des Nordwestschweizerischen Schwingerverbandes seine Spuren – erst beim Nachwuchs, dann bei den Aktiven. 2020 wurde er Technischer Leiter des Eidgenössischen Schwingerverbandes. Er wurde also der höchste Schwinger der Schweiz. Diesen Job führte er mit allergrösstem Einsatz und stets zum Wohle des Schwingsports aus. Seine direkte Art und seine klaren Worte sorgten dafür, dass er als Schwingerboss auch Kritik einstecken musste. Doch Strebel wusste damit umzugehen und blieb sich auch in stürmischen Zeiten stets treu. «Alles aufgegangen, ich bin stolz», sagt er, als er vor wenigen Wochen zum ESV-Ehrenmitglied wird.
Harte Schale, weicher Kern
Der Villmerger hatte starke menschliche Eigenschaften. Er war ein feinfühliger Typ, der die Menschen gut einschätzen konnte. Er hatte Biss, riesigen Ehrgeiz, war durchhaltend und willensstark. Loyalität und Empathie gehörten ebenfalls zu seinen grossen Stärken. Auch sein Sinn für Humor war eine Bereicherung bei jedem Gespräch. Er war ein Mensch, in dessen Gegenwart man sich wohlfühlte. Und: Er «kitzelte» gerne, wie er es selbst betitelte. Heisst: Er war herausfordernd, konnte auch provozierend wirken. Er blieb dabei stets fair. Kurz gesagt: Strebel hatte eine harte Schale, aber einen weichen Kern.
Beruflich machte er eine Lehre zum Metzger, blieb danach stets in der Fleisch- und Gastronomiebranche. Er arbeitete bei namhaften Unternehmen wie Kneuss oder Bell. Von 2016 bis 2019 war er Geschäftsführer der Braunwalder AG in Wohlen, wurde später CEO der Traitafina AG in Lenzburg. Strebel war auch beruflich ein ehrgeiziger und erfolgreicher Mann. 20 Jahre Aktivschwinger, 20 Jahre Funktionär. Strebel hat alles erreicht, was man in der Welt des Schwingens erreichen kann. Seine Karriere ist genau so, wie er auch als Mensch war: einmalig und sensationell.
«Im Reinen mit mir»
Nachdem er Mitte März 2026 sein Amt offiziell abgegeben hatte, sagte Stefan Strebel: «40 Jahre reichen. Fertig Schwingsport. Ich werde keine Ämter mehr annehmen. Für mich ist das Vergangenheit. Ich habe viel geleistet, ich bin geehrt worden, jetzt bin ich frei und kann ohne Druck geniessen. Ich bin im Reinen mit mir.» Am Guggibad-Schwinget im April packte er als Vereinsmitglied an und stand am Grill. Damit bewies er weitere Stärken von ihm: seine Bodenständigkeit und seine Liebe zur Heimat.
Am letzten Mittwoch folgt die schockierende Nachricht, die kaum in Worte zu fassen ist und ganz viele Menschen unendlich traurig macht: Stefan Strebel stirbt an Herzversagen. Er hinterlässt zwei Kinder und seine Frau Fabienne. Unsere Gedanken sind bei den Hinterbliebenen, denen wir unser tiefstes Mitgefühl aussprechen. --spr

