Mehr als nur eine Übung
03.07.2026 MuriSirenenheulen ums Spital Muri
Die Stützpunkt-Feuerwehr Muri+ übte den Ernstfall
Wichtige Erkenntnisse für den Ernstfall – das erwartet man von einer Feuerwehrübung. Insbesondere in einer komplexen Situation, wie sie das Spital Muri bietet.
Um 19.08 Uhr geht der Notruf ein. Aus dem dritten Stock kommt dunkler Rauch. Es ist Übungsrauch, der einen Brand im Spital Muri simuliert. Wenige Minuten später sind die ersten Einsatzkräfte vor Ort. Sie besammeln sich vor der Notfallstation, laufend stossen weitere dazu. Der Einsatzleiter verschafft sich einen ersten Überblick: Wo genau brennt es? Wie kommen die Helfer dorthin? Und vor allem: Befinden sich noch Personen in den Räumen?
Rasch sind die verschiedenen Teams koordiniert, klare Anweisungen verteilt. Der Funkkontakt steht, die Truppen schwärmen aus. Eine erste Nachalarmierung erfolgt um 19.20 Uhr. Während an der Zufahrtsstrasse der Verkehr bereits umgeleitet und weitere Einsatzfahrzeuge eingewiesen werden, wird an der Nordseite des Gebäudes die Drehleiter in Stellung gebracht.
«Wir gehen rein!»
Der Atemschutztrupp betritt das Gebäude. Mit schwerer Ausrüstung steigt die Mannschaft zügig zum Brandherd in der dritten Etage. Ein Retter verletzt sich dabei, er blutet. Ein anderer befragt die Stationsleitung zu den anwesenden Personen. An der Front bereiten die Retter den Zutritt zur Kernzone vor. Sie fixieren eine Rückwegsicherung, checken ihre Schutzkleidung und prüfen den Zugang zum Brandraum. Hinter der verglasten Brandschutztür herrschen extreme Hitze und schlechte Sicht. Um 19.27 Uhr folgt das Kommando: «Wir gehen rein!»
Daneben steht einer der fünf Übungsleiter. Kopfschüttelnd macht er sich Notizen. Es wird klar: Diese Situation wird noch zu reden geben. --sca
Stützpunkt-Feuerwehr Muri+ am Spital Muri: Hochmoderne Technik trifft auf professionelles Handwerk
Den Umbau einer Station am Spital Muri nutzte die Feuerwehr, um den Ernstfall zu üben. Das Szenario lieferte wertvolle Erkenntnisse.
Was sich für die Einsatzkräfte vor Ort als hochkomplexer Einsatz darstellt, ist das Ergebnis sorgfältiger Planung. Der simulierte Schadenplatz: eine Station im dritten Stock. Sie befindet sich zurzeit im Umbau und ist darum nicht mit Patienten belegt. «Deshalb bot sich diese Übung an», verrät Thomas Strebel. Der ehemalige Kommandant der Stützpunkt-Feuerwehr Muri+ ist als technischer Leiter für die gesamte Brandschutzanlage des Betriebs verantwortlich. Sein Hauptaugenmerk gilt heute der internen Technik. «Wir überprüfen, ob im Ernstfall alles reibungslos funktioniert», erklärt er das Ziel des Probelaufs aus Sicht des Spitals.
Automatisierte Sicherheit
Läuft alles wie gewünscht, sendet die Auslösestelle als Erstes ein Signal an die interne Brandmeldezentrale, auf deren Display der genaue Brandort angezeigt wird. Von dort werden systematisch die gesamte Rettungskette aktiviert und automatisierte Vorkehrungen getroffen. So schliessen sich beispielsweise die Brandschutztüren und das System fährt alle Lifte ins Erdgeschoss und schaltet sie ab.
Um 19.22 Uhr sind bereits zwei Patienten aus dem Feuer gerettet, vier weitere werden noch vermisst. «Wo bleibt der Lüfter?», ruft ein Feuerwehrmann in Vollmontur energisch in sein Funkgerät. Wenige Minuten später zieht der Atemschutztrupp das erste Brandopfer aus dem Rauch: eine Übungspuppe, markiert als «tote Person».
Die Triage im Krisenfall
Es ist naheliegend zu denken, dass die Erstversorgung der Betroffenen eines Spitalbrands im eigenen Haus erfolgt. Liliana Agrella, Fachspezialistin Katastrophenvorsorge und Krisenmanagement am Spital Muri, erklärt: «Die Alarmierung erfolgt automatisch über die Sanitätsnotrufzentrale. Dort werden die Patienten je nach Ausmass und freien Kapazitäten in die umliegenden Spitäler triagiert.» So kann es durchaus vorkommen, dass ein Spital im Brandfall auch «eigene» Opfer aufnimmt.
Agrella ist Mitglied im Krisenstab des Spitals Muri, welcher mehrmals pro Jahr tagt und sich mit jedem erdenklichen Szenario beschäftigt. «Dabei stehen wir in engem Austausch mit der Feuerwehr», sagt sie. Die Übung wird im Nachgang zusammen mit allen Beteiligten gründlich analysiert.
Bilanz eines herausfordernden Einsatzes
Um kurz vor 20 Uhr, keine Stunde nach der Alarmierung, ist die Übung beendet. Felix Wyss, ehemaliger Vizekommandant und Ausbildungschef, versammelt die über 80 freiwilligen Feuerwehrfrauen und -männer zum Debriefing. Unter den Helmen treten feuerrote Gesichter mit schweissnassen Haaren hervor. Literweise wird Wasser verteilt und gierig getrunken.
Vizekommandant Tobias Jeger und die Verantwortlichen des Spitals ziehen Bilanz. Während die Mannschaft mit dem Retablieren beginnt, zeigt sich Thomas Strebel zufrieden: «Auf der technischen Seite hat alles geklappt.» Auch die Mitarbeiter des Spitals – sie fungierten bei diesem Szenario primär als Statisten – teilen ihre Erkenntnisse. Im Anschluss werden diese im Kader rund um Kommandant Roman Strebel besprochen – unter Ausschluss von Dritten.
Es ist ein herausforderndes, nicht alltägliches Ereignis, welches am Spital Muri beübt wurde. Jeger resümiert: «Die Motivation der Mannschaft ist top, das Handwerk sitzt.» Und Wyss ergänzt: «Wir nehmen viele wertvolle Erkenntnisse mit. Genau dafür üben wir.» --sca




