Bereit fürs Klosterjubiläum
15.05.2026 MuriAn der GV der Pflegi Muri ging es unter anderem um den Stand der Sanierungsmassnahmen
Der Verein Pflegi Muri lud zur Generalversammlung – erstmals an einem Dienstag. Themen waren unter anderem das anstehende Klosterjubiläum und die Weichenstellungen für ...
An der GV der Pflegi Muri ging es unter anderem um den Stand der Sanierungsmassnahmen
Der Verein Pflegi Muri lud zur Generalversammlung – erstmals an einem Dienstag. Themen waren unter anderem das anstehende Klosterjubiläum und die Weichenstellungen für die Zukunft.
Thomas Stöckli
«Den Bewohnerinnen und Bewohnern ist es sehr wohl unter dem ‹Pflegi›- Dach», sagt Margit Schneider, Direktorin der Pflegi Muri. Eine Behauptung, die sie untermauern kann. Etwa mit der hohen Auslastung der insgesamt 226 Betten. Die Quote liegt bei fast 96 Prozent. Noch aussagekräftiger ist, wie lange die Leute bleiben. «In der Gerontopsychiatrie und auf der geschützten Demenzabteilung haben wir kaum Wechsel», so Schneider.
Digitalisierung bringt Chancen und Gefahren
Kein Grund, um in den Verwaltungsmodus zu wechseln. So beschäftigt sich die Pflegi Muri derzeit intensiv mit dem Bewohnerzimmer der Zukunft. «Die Digitalisierung macht auch vor uns nicht halt», so Margit Schneider. «Jetzt gilt es kluge und richtige Entscheidungen zu treffen für die Zukunft.» Ein entsprechender Masterplan für die kommenden drei Jahre stehe. So gelte es bis 2028 sicherzustellen, dass flächendeckend ein stabiles W-Lan zur Verfügung stehe. In einem nächsten Schritt werde es darum gehen, den Bewohner-Ruf zu digitalisieren.
Kritisch sei man dagegen bei Überwachungs-Tools. Da müsse man abwägen, was wirklich im Sinne der Patientensicherheit sei. «Die Bedürfnisse unserer Bewohnerinnen und Bewohner bleiben auch in Zukunft im Zentrum unseres Handelns», versichert Margit Schneider. «Meine 24 Stunden» heisst das entsprechende Konzept. Das gilt nicht nur für Ausflüge in den Zoo, aufs Schiff oder im Seitenwagen eines Töffs, sondern auch für fortlaufende Projekte wie «Care Farming», mit sinnstiftenden Aufgaben auf dem Bauernhof, und vor allem für den gelebten Alltag. Das zeigt sich auch im Organigramm, wo neu eigene Bereiche für Betreuung und Pflegeentwicklung aufgeführt sind.
Mangel an Fachkräften macht sich bereits bemerkbar
Sorge tragen muss man nicht nur den Bewohnerinnen und Bewohnern, sondern auch den Mitarbeitenden. Dessen ist man sich in der Pflegi-Leitung bewusst. Entsprechend viel Wert legt die Institution auf ihre Attraktivität als Arbeitgeberin. Dazu gehören Möglichkeiten der Selbstbestimmung und der Mitwirkung. Es zeichne sich ab, so Margit Schneider, «dass in zehn Jahren im Aargau 3500 Mitarbeitende im Pflegebereich fehlen werden.»
Der Fachkräftemangel hat sich schon in der Betriebsrechnung des vergangenen Jahres ausgewirkt. «75 Prozent des Ertrags investieren wir ins Personal, nicht in die schönen Gärten», so Christoph Käppeli, Finanzverantwortlicher im Vorstand des Vereins Pflegi Muri. Beim Personalaufwand wurden nun gegenüber dem Vorjahr Mehrkosten von 1,9 Millionen Franken verbucht. Als Grund nennt die Direktorin auf Nachfrage personelle Ausfälle, die durch Springerinnen und Springer kompensiert werden mussten. Künftig sollen solche Engpässe vermehrt intern gelöst werden können, zeigt sie sich optimistisch.
Unter diesen Umständen überrascht es allerdings nicht, dass trotz «hervorragender Belegung», so Käppeli, keine ausgeglichene Betriebsrechnung präsentiert werden konnte. Konkret resultiert ein Minus von 193 000 Franken. Das werde durch das Abschneiden des Vereins allerdings fast kompensiert: Er schrieb ein Plus von 182 000 Franken. «Der Pflegi geht es gut», fasst Käppeli zusammen.
Schnapszahl-Jubiläum einer bewährten Zusammenarbeit
Erstmals überhaupt hat der Verein Pflegi Muri an einem Dienstag zur Generalversammlung eingeladen. «Das ist ein Versuch», so Präsident Franz Hold. Offenbar ein erfolgreicher: Während letztes Mal – an einem Freitag – 38 Stimmberechtigte in den Dachsaal fanden, waren es diesmal 56. In seinem Jahresbericht liess Hold unter anderem die Premiere des Frühlingsfests Revue passieren. «Toll, dass so viele Familien gekommen sind», hielt er fest und nutzte die Gelegenheit, auf die zweite Auflage hinzuweisen, die am 30. Mai stattfindet. Weiter rief der Vereinspräsident die Kooperation mit dem Arztdienst des Spitals Muri in Erinnerung. Diese bewähre sich nun seit 55 Jahren. «Das war damals revolutionär», blickt er aufs Jahr 1971 zurück, als das Modell aufgegleist wurde, «und es funktioniert nach wie vor. Das ist bemerkenswert.»
Den Hauptteil seines Jahresrückblicks widmete Hold allerdings den Vorbereitungsarbeiten im Hinblick aufs nächstjährige Klosterjubiläum. Fast ein ganzes Jahr sei das Gebäude eingerüstet gewesen. Die Fassade wurde ausgebessert und neu gestrichen, praktisch 1:1 mit der damaligen Originalfarbe. Gleichzeitig wurden 404 Fenster ersetzt, stilecht, mit um 60 Prozent verbesserter Wärmedämmung, jedes einzelne massgefertigt.
Eine Million Franken Zustupf von Bund und Kanton
Thomas Räber, Immobilienexperte im Vorstand, ging noch etwas mehr ins Detail. So sei die grosse Herausforderung gewesen, die Fenster bei laufendem Betrieb zu ersetzen. «Wir waren zuerst skeptisch», gibt er unumwunden zu. Die Mitarbeitenden hätten die Bewohnerinnen und Bewohner allerdings gut vorbereitet. So haben schliesslich viele die Bauarbeiten als Erlebnis genossen.
Abgeschlossen sind ferner die Neugestaltung des Durchgangs zum Nordklosterrain und die Aussensanierung des Verbindungsbaus. «Wir haben bisher 2,7 Millionen Franken für die Sanierungsmassnahmen ausgegeben», so Räber. Weitere 483 000 Franken kommen noch dazu. Mit total 3,2 Millionen Franken wird man deutlich unter den ursprünglich angedachten 3,9 Millionen bleiben. Wobei der Bund und der Kanton noch insgesamt eine Million beisteuern. «750 000 Franken wurden bereits ausgezahlt», sagt Räber.
Für 2026 sind die Fassadensanierung des Stöckli-Gehrer-Hauses und diverse Umgebungsarbeiten eingeplant. Eine neue Beleuchtung wird zudem künftig nachts vor allem die Klosterkirche in Szene setzen, aber auch den Nord- den Mittel- und den Südteil der eindrücklichen Westfassade. Die neue Beleuchtung spart gezielt die Fenster aus. Und sie braucht nur noch halb so viel Strom wie die bisherige.
Vorstand nach Rücktritt aufs Minimum reduziert
Baulich scheint somit alles auf Kurs fürs Kloster-Jubiläumsjahr. Darüber hinaus wird der Handlungsbedarf allerdings nicht ausgehen. Räber spricht unter anderem die bald 25-jährige Küche an. Zudem steigt der Modernisierungsbedarf der Wohngruppen im Hauptgebäude.
Der Vorstand wird die kommenden Aufgaben vorerst in der statutarisch zulässigen Minimalbesetzung von sechs Personen angehen. Zum Schluss der Versammlung hat Franz Hold nämlich Sybille Wild, 2021 gewählt und einzige Frau im Gremium, mit Dank aus dem Vorstand verabschiedet. «Wir nehmen uns Zeit, Ihnen neue Mitglieder für den Vorstand vorzustellen, so der Präsident.

