Bis hierher hat Gott geholfen
15.05.2026 Kirche, WohlenJubiläumsausstellung «100 Jahre reformierte Kirche Wohlen»: Start am Sonntag
Am 12. September 1926 fand die Schlüsselübergabe für die neu erstellte reformierte Kirche Wohlen statt. Christine und Martin Bruggisser haben deren Geschichte in ...
Jubiläumsausstellung «100 Jahre reformierte Kirche Wohlen»: Start am Sonntag
Am 12. September 1926 fand die Schlüsselübergabe für die neu erstellte reformierte Kirche Wohlen statt. Christine und Martin Bruggisser haben deren Geschichte in einer Ausstellung und einer Jubiläumsbroschüre dokumentiert.
Walter Minder
Christine und Martin Bruggisser: «Die Geschichte der reformierten Kirche beginnt aber bereits rund 100 Jahre früher.» 1840 bis 1842 wurde die Wegverbindung zwischen Wohlen und Bremgarten durch überwiegend reformierte Arbeiter aus dem Kanton Zürich für das Befahren durch Pferdefuhrwerke angepasst. In Bremgarten untergebracht, wurde ihnen ein Raum für den sonntäglichen Gottesdienst zur Verfügung gestellt. Auch nach deren Rückkehr 1842 nach Zürich wurde der Raum weiterhin für Gottesdienste benützt und 1845 entstand daraus eine reformierte Kirchgemeinde, zu der auch Wohlen gehörte.
Christine Bruggisser: «Im Laufe der Jahre entwickelte sich in Wohlen der Wunsch nach einer eigenen reformierten Kirche.» Ab 1905 wurden für die Gründung eines Kirchenbauvereins Kollekten gesammelt, was 1911 umgesetzt werden konnte.
1912 erschien ein erstes anonymes Chiffre-Inserat «Bauplatz gesucht» des Kirchenbauvereins, am 5./6. Oktober ergab ein Basar im Casino Wohlen «zugunsten eines reformierten Kirchenbaues» einen Ertrag von rund 9000 Franken. Im März 1915 betrug das Vermögen des Vereins dank Spenden, Mitgliederbeiträgen und Hinterlassenschaften rund 26 000 Franken, sodass im November ein Inserat «Der Kirchenbauverein Wohlen und Umgebung sucht Bauterrain» publiziert werden konnte. Als der Arzt Roman Müller den 16 500 Quadratmeter grossen Hübelacker gegenüber dem Bahnhof anbot, entschied sich der Kirchenbauverein 1916 für dessen Kauf.
1. Weltkrieg bremst die Pläne
Vom Juli 1914 bis November 1918 sorgte der 1. Weltkrieg auch für wirtschaftliche Probleme, doch der Kirchenbauverein verlor das Ziel einer reformierten Kirche nicht aus den Augen. Martin Bruggisser: «Im Bericht von der Generalversammlung vom 8. Mai 1921 ist festgehalten, dass die Kirchgemeinde Bremgarten die schweizweite Reformationskollekte 1920 in der Höhe von 99 000 Franken zugunsten eines Kirchenneubaus in Wohlen bekommt.» Ein angesichts der damals grassierenden Maul- und Klauenseuche sehr hohes Sammelergebnis. Damit nahm das Projekt wieder Fahrt auf, 1922 gewann der Zürcher Emil Schäfer den Architekturwettbewerb. Da die budgetierten Baukosten die verfügbaren Mittel aber deutlich überschritten, musste Architekt Schäfer immer wieder über die Bücher. Im August 1924 wurde die vierte Projektvariante von der Generalversammlung des Kirchenbauvereins «gottlob endlich bewilligt». Am 20. Juni 1925 fand die Grundsteinlegung unter dem Motto «Bis hierher hat Gott geholfen – er wird auch weiterhelfen» statt, für den Bau standen insgesamt 200 000 Franken zur Verfügung.
Eröffnungsgottesdienst am 17. Mai
Am Eröffnungsgottesdienst der Jubiläumsausstellung vom Sonntag, 17. Mai, 9.45 Uhr, mit Pfarrerin Sabine Herold erfahren Besucherinnen und Besucher von Christine und Martin Bruggisser noch mehr über den langen Weg der reformierten Kirche Wohlen, bis erstmals fünf Glocken aus der Aarauer Glockengiesserei H. Rüetschi erklingen konnten. Oder warum bis 1933 nur drei Zifferblätter ohne Uhrwerk von der Turmuhrenfabrik Mäder aus Andelfingen montiert waren. Und wie umfassend die Renovation des Innenbereichs 1974/1975 ausgeführt worden ist. Die Jubiläumsausstellung präsentiert auf sechzehn von Martin Bruggisser mit informativen Dokumenten, Bildern und Texten gestalteten Sagex-Platten die Gründungsgeschichte der reformierten Kirche Wohlen.
Sie ist jeweils zugänglich bis Ende November im Rahmen der Gottesdienste. Auch die von Christine Bruggisser recherchierte Festschrift – beide engagieren sich seit 2024 ehrenamtlich für das Jubiläumsprojekt – liegt dann auf.


