Thomas Stöckli, Redaktor.
Keiner denkt gern an ihn. Doch manchmal drängt er sich ganz unvermittelt und ungefragt in unsere Wahrnehmung. Der Tod. Wenn wir eine lieb gewonnene Person verlieren. Endgültig.
In die ...
Thomas Stöckli, Redaktor.
Keiner denkt gern an ihn. Doch manchmal drängt er sich ganz unvermittelt und ungefragt in unsere Wahrnehmung. Der Tod. Wenn wir eine lieb gewonnene Person verlieren. Endgültig.
In die Trauer mischen sich unweigerlich Gedanken zur Vergänglichkeit der eigenen Existenz. Man zieht Zwischenbilanz. Was war? Was hätte sein sollen? Wie soll es weitergehen? Die Australierin Bronnie Ware hat als Palliativpflegerin jahrelang todkranke Menschen begleitet. Was sie dabei lernte, hielt sie 2012 in ihrem Buch «5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen» fest. Klare Erkenntnis Nummer eins von Sterbenden sei demnach: «Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mir selbst treu zu bleiben, statt so zu leben, wie andere es von mir erwartet haben.» Weiter wurde bereut, die Erwerbsarbeit überbewertet, Gefühle unterdrückt, Freundschaften zu wenig gepflegt und sich selbst nicht mehr Freude gegönnt zu haben.
Die Erkenntnisse vermögen kaum zu überraschen. Und doch regen sie an, eigene Prioritäten zu hinterfragen. Was ist mir wichtig im Leben? Manche versuchen, diese Frage mit einer «Bucket List» zu beantworten. Der Begriff ist von der englischen Redewendung «kick the bucket» abgeleitet, was so viel heisst wie «den Löffel abgeben». Eine solche «Löffelliste» führt Dinge auf, die man in der verbleibenden Lebenszeit noch tun, erleben oder erreichen möchte. Vorlagen gibt es zuhauf. Etwa mit Schweizer Sehenswürdigkeiten, vom Creux du Van, dem «Grand Canyon der Schweiz», über die Altstadt von Bellinzona bis zum kristallklaren Partnunsee an der österreichischen Grenze.
Man kann allerdings auch kleiner anfangen. Mit einem Ausflug zum mystischen Erdmanndlistein, einer Velotour der Reuss entlang oder einer Wanderung auf den Hasenberg, wo der Aussichtsturm mit Wetterglück einen Blick bis Zürich und in die Alpen ermöglicht. Doch egal wo, wichtiger ist, mit wem. Erfüllung bringt das Zusammensein mit den Menschen, die man gernhat, die einem guttun. Die Endlichkeit macht die gemeinsame Zeit besonders wertvoll. Entsprechend gilt es, das Miteinander zu feiern, solange es möglich ist. Nicht aus Angst vor dem Tod, sondern aus Freude am Leben.