Den Durchblick hat er immer noch
28.04.2023 MuriVor 30Jahren gründete Andy Ludin sein eigenes Optikergeschäft – bald gibt er es weiter
Er war der erste Augenoptiker in Muri. Damals führte er noch eine Filiale von «Zimprich & Renckly». 30 Jahre sind vergangen, seit er den Schritt in ...
Vor 30Jahren gründete Andy Ludin sein eigenes Optikergeschäft – bald gibt er es weiter
Er war der erste Augenoptiker in Muri. Damals führte er noch eine Filiale von «Zimprich & Renckly». 30 Jahre sind vergangen, seit er den Schritt in die Selbstständigkeit wagte. Andy Ludin ist mittlerweile 67-jährig. Die Übergabe an seinen langjährigen Mitarbeiter Jeremias Würsch ist aufgegleist und wird nun schrittweise vollzogen.
Annemarie Keusch
Es ist diese Vielfalt, die Andy Ludin immer wieder erwähnt. «Mit einem Landwirt über den Milchpreis sprechen und nachher mit einem Professor über Fragen, die ihn im Alltag beschäftigen, oder mit Alt-Bundesrätin Doris Leuthard über Politik.» Es ist eines der Beispiele, die er nennt. «Diese Bandbreite ist einmalig. Vom kleinen Kind bis zum Greis, alle kommen sie in unser Geschäft. Querbeet durch die Gesellschaft, das gefällt mir.» Er arbeite gerne, sagt Andy Ludin. Es ist der einzige Grund, weshalb er dies auch immer noch tut. Denn pensioniert wäre Ludin, seit zwei Jahren. Reduzieren, das war der Plan. Umgesetzt hat ihn Andy Ludin aber nicht so konsequent, wie er wollte. Die 60 Prozent einzuhalten, gelinge nicht immer. Und es soll weiter retourgehen.
Schon 42 Jahre lang ist Ludin Optiker in Muri. Warum er sich für diesen Beruf entschied? «Ich brauchte selbst als Kind eine Brille. Das war der Anfang», sagt er. Von seinem Götti habe er später ein Mikroskop geschenkt bekommen. Noch später interessierten ihn die naturwissenschaftlichen Fächer. «Kenntnisse in Physik und Geometrie sind eine Voraussetzung für diesen Beruf», sagt Ludin. Reflexionswinkel und Strahlengänge wollen beispielsweise berechnet sein.
Nach Muri ausgewichen, weil es in Wohlen schon Optiker gab
Ludin ist eingefleischter Angliker. Er lebt im Haus, das er als Bub mit seinen Eltern und Geschwistern bezog. «Seither bin ich nie mehr gezügelt», sagt er. In Anglikon und Wohlen ist sein Lebensmittelpunkt. Muri ist seit 42 Jahren sein Arbeitsort. «In Wohlen gab es schon viele Optiker», erklärt er. Und die Firma «Zimprich & Renckly», bei der Ludin die Lehre absolvierte, eröffnete 1981 eine Filiale in Muri. Ludin führte diese zwölf Jahre lang. «Damals war ich der einzige Augenoptiker im Dorf.» Am 1. April 1993 machte er sich selbstständig. Kurze Zeit blieb er ein Ein-Mann-Unternehmen, mittlerweile bilden drei Augenoptiker das Team. «Wir machen alle alles.» Anpassungen von in der Schweiz nach Mass gefertigten Kontaktlinsen, Gläser schleifen, Augen prüfen, Linsen ausmessen, Büroarbeit, Kundenberatung. «Das ermöglicht es uns, unser Geschäft an sechs Tagen pro Woche offen zu haben. Etwas, was mir sehr wichtig ist», sagt Ludin. Vor allem deshalb, weil die meisten Linsen und Brillen bei Wochenendaktivitäten kaputtgehen. «Da wollen wir am Montag für unsere Kunden da sein.»
Von diesen Kundinnen und Kunden hat Ludin in den 30 Jahren Selbstständigkeit ganz viele gewonnen. «Seit Corona ist der Kundenstamm nochmals explodiert», sagt Ludin. Und dies, obwohl es in Muri mittlerweile vier Optiker gibt. Mit einen Grund sieht Ludin im Homeoffice, das viele seit der Pandemie praktizieren. «Dann gehen sie auch in der Region zum Optiker und nicht in der Stadt, wo sie vorher arbeiteten.» Ihn freuts natürlich, vor allem wenn auch junge Leute auf die Qualität setzen, die sie bieten. «Der Konkurrenzkampf mit den günstigeren Mitbewerbern im Internet ist aber nicht einfach.»
Seit 70er-Jahren auch ein Modeaccessoire
Andy Ludin setzt auf Fachkräfte, auf Qualität, auf Kunststoffbrillengestelle, die eben nicht aus Plastik, sondern aus Zellulose sind, auf Metallbrillengestelle, die ausschliesslich aus Titan gefertigt werden, auf Schweizer Gläser. «Ich weiss, das macht unsere Brillen nicht günstig. Aber wir bieten keinen Luxus an.» Es ist das Handwerk, das ihn fasziniert. Die Technik. Die speziellen Fälle. «Linsen aus Massenproduktion sind nicht das Spannende. Interessant wirds, wenn es über das Durchschnittliche hinausgeht.» Dann wird der Beruf des Optikers auch ein wenig zum Handwerker. Dann kommt Erfahrung zum Tragen, die sich Ludin in den 30Jahren als Selbstständiger angeeignet hat.
Leidenschaft fürs Kochen und für Antiquitäten
Brillen sind längst nicht mehr nur da, um besser zu sehen. Sie sind ein Modeaccessoire geworden. «Seit den 70er-Jahren. Vorher war die Brille wie eine Prothese, es gab einfach ein Modell und Mode war noch überhaupt kein Thema.» Der modische Aspekt ist der, der ihn am wenigsten packt, aber einer, der eben auch dazugehört.
Andy Ludin ist 67-jährig. Und die Welt des Optikers ist nicht die einzige, die ihn fasziniert. Seit Jahren handelt er mit Antiquitäten – die Einrichtung in seinem Geschäft am Südklosterrain verräts. Vor allem alte Teppiche und Uhren haben es ihm angetan. Dass er sein Geschäft damit eingerichtet hat, habe aber auch Nachteile. «Immer wieder verkauften mir Kundinnen und Kunden Ware. Es kam so weit, dass ich mittlerweile in Wohlen einen Raum dafür gemietet habe.» Ludin ist zudem Mitglied eines Männerkochclubs, das Kochen ist eine weitere Leidenschaft.
Entsprechend wichtig war es ihm, trotz nicht nachlassender Begeisterung für Beruf und Kundschaft laufend kürzerzutreten. Zumal er mit Jeremias Würsch und Mischa Lüscher zwei langjährige Mitarbeiter an seiner Seite hat, denen er vertraut. «Dass ich das Geschäft nun an Jeremias Würsch weitergeben kann, das freut mich sehr, vor allem für unsere Kundinnen und Kunden», sagt Ludin. Wann die Übergabe erfolge, sei noch nicht klar. «Klar ist aber, dass es weitergeht mit dem Geschäft.»

