Der «Flashmob» als Lieblingsszene
27.05.2026 Muri, KulturHeimspiel für Selma Trost mit «Plitsch Platsch forever!» im Kino Mansarde
Im Film spielt Selma Trost eine Nebenrolle, bei der Vorführung im Kino Mansarde stand sie vor Heimpublikum im Rampenlicht. Mit Regisseurin Natascha Beller und Co-Darsteller Aaron ...
Heimspiel für Selma Trost mit «Plitsch Platsch forever!» im Kino Mansarde
Im Film spielt Selma Trost eine Nebenrolle, bei der Vorführung im Kino Mansarde stand sie vor Heimpublikum im Rampenlicht. Mit Regisseurin Natascha Beller und Co-Darsteller Aaron stellte sie sich vor und nach dem Film den Fragen von Karin Buess sowie dem Publikum.
Thomas Stöckli
Als «Summer-Abentür für die ganz Familie» wird er beworben, der Schweizer Familienfilm «Plitsch Platsch forever!». Und in ihm steckt auch ganz viel Freiamt: Michèle Rohrbach, aufgewachsen am Mutschellen, spielt die Stadtpräsidentin des fiktiven Orts Rotwil, der unter anderem mit Ansichten von Bremgarten aufwartet. Und dann ist da noch Selma Trost. Die junge Murianerin verkörpert Célestine, ein Mädchen der Kindergruppe, die sich gemeinsam für den Erhalt ihrer Dorfbadi einsetzt.
Renommierter Filmpreis aus Schweden
Selma ist es zu verdanken, dass der Film überhaupt in Muri gezeigt wird: «Schon im November habe ich einen Brief ans Kino Mansarde geschrieben: Ich fände es cool, wenn der Film im Dorf laufen würde.» Weltpremiere feierte «Plitsch Platsch forever!» im März in Malmö. Am dortigen Jugend- und Kinderfilm-Festival BUFF lockte der Film in zwei Vorführungen insgesamt 800 Kinder in den Saal. «Es war sehr unruhig», blickt Regisseurin Natascha Beller zurück und lacht. Offenbar vermochte ihr Werk dennoch zu überzeugen, so wurde der Streifen mit dem Barnfondens Prize ausgezeichnet.
«Plitsch Platsch forever!» handelt von einer unrentablen Dorfbadi, die dem Mammon geopfert werden soll. Es ist ein Film über Freundschaft, aber auch über persönliche Initiative und generationenübergreifenden Zusammenhalt. Und so viel vorweg: Es wird nicht gelingen, den idealisierten Anfangszustand zu bewahren. Die Charaktere machen eine Entwicklung durch, lernen – zuweilen auf die harte Tour –, worauf es wirklich ankommt, und öffnen sich dadurch für Veränderungen.
Lebenserfahrung aus dem Altersheim
Dabei ist «Plitsch Platsch forever!» bei Weitem nicht «nur» ein Kinderfilm. Die jungen Protagonisten dürfen sich zunehmend über Unterstützung aus dem Stadthaus freuen. Darüber hinaus zapfen sie wiederholt die Lebenserfahrung aus dem Altersheim an. Da sind etwa der schrullige «Herr Chapuisat», liebenswert verkörpert durch Patrick Frey, und die griesgrämig wirkende «Frau Hunziker» (Olga Strub), die sich als einstige Vorkämpferin für Frauenrechte entpuppt. «Ich habe mein Leben lang gekämpft, ich mag einfach nicht mehr», erteilt sie den Kindern zuerst eine Abfuhr, steht ihnen dann aber doch zumindest mit Rat zur Seite: «Macht Lärm, sorgt dafür, dass man euch hört.»
Und wie sie Lärm machen: Der «Flashmob», eine überraschende Tanz-Choreografie in selbst genähten maritimen Kostümen, verschafft dem Anliegen der Jugend endlich das erhoffte Gehör. «Das ist meine Lieblingsszene», sind sich die Regisseurin und die Jungdarstellerin aus Muri einig. «Ich war als zweifarbiger Fisch verkleidet», sagt Selma. «Und überall, wo ich durchging, blieb eine Spur aus Pailletten zurück», ergänzt sie lachend. Es ist der Höhepunkt einer ganzen Serie von Plänen, die Jung und Alt gemeinsam entwickelt haben, um das Bad zu erhalten, die Betriebskosten zu senken und die Bevölkerung gegen die Überbauungsabsicht des Stadtrats zu mobilisieren.
«Für was würden Sie persönlich sich einsetzen?», fragt Karin Buess, Programmchefin des Kinos Mansarde, die Talkgäste. «Ich fände es cool, wenn einmal pro Woche ein Kinobesuch als Schulfach eingeführt würde», so Natascha Beller. Selma hat derweil Visionen für den grossen Rasen-Sportplatz in Muri: «Da könnte man ein kleines Riesenrad aufstellen und einen Mini-Europapark betreiben.»
Casting und Nässe als Herausforderungen
Gefilmt wurde im letzten Sommer über 30 Drehtage, verteilt auf sieben Wochen – wobei sich der Grossteil auf die Sommerferien konzentrierte. Um die Arbeitstage für die Kinder kurz halten zu können, wurde mit zwei Kameras gedreht. Und so sonnig, wie es im Film erscheint, sei es selten gewesen, stellt die Regisseurin klar. Angesichts des regnerischen Sommers und der vielen Aussenaufnahmen sei ein flexibler Drehplan gefragt gewesen.
«Die grösste Herausforderung war das Casting», verrät Natascha Beller im Talk. Aus gegen 500 Bewerbungen galt es, die geeigneten Darstellerinnen und Darsteller herauszusieben. «Selma hat das beste Bewerbungs-Video geschickt», so die Regisseurin. «Die Cousine meiner Mutter hatte den Casting-Aufruf gesehen», so die junge Murianerin. Weiter spricht Selma über die Harmonie unter den Kindern am Set, über die Schwierigkeit, an der Kamera vorbeizublicken, ohne hineinsehen zu dürfen, und über die Vielzahl an Aufgaben in einem Filmteam.
Die Erfahrungen haben sie offenbar bestärkt: «Ich möchte auf jeden Fall wieder in Filmen mitspielen», ist für Selma klar.
Der Film
Der Familienfilm «Plitsch Platsch forever!» handelt vom Mädchen Pola und dessen bester und einziger Freundin Polly. Pollys Eltern betreiben ein Café in der örtlichen Badi.
Aus Spargründen wird diese durch den Gemeinderat geschlossen. Polly und ihre Eltern ziehen deshalb weit weg. Um ihre Freundin zurückzuholen, möchte Pola die Badi retten. Zusammen mit Rosalie, einer Mitschülerin, startet sie eine Petition für die Rettung der Badi – und erlebt dabei allerhand.
Der Film wurde unter anderem in Bremgarten gedreht und wird seit Mitte April in Schweizer Kinos gezeigt.

