Der Kleinbus ist zu teuer
22.05.2026 Bremgarten, Verkehr«Gmeind» am 11. Juni: Die lange geplante Altstadt-Buslinie wird vom Stadtrat zur Ablehnung empfohlen
Seit Jahren wird sie in Bremgarten von Teilen der Bevölkerung gefordert. Eine verbindende Buslinie durch die Altstadt. Nach einer eingehenden Prüfung ...
«Gmeind» am 11. Juni: Die lange geplante Altstadt-Buslinie wird vom Stadtrat zur Ablehnung empfohlen
Seit Jahren wird sie in Bremgarten von Teilen der Bevölkerung gefordert. Eine verbindende Buslinie durch die Altstadt. Nach einer eingehenden Prüfung kommt das Geschäft nun vors Volk. Dieses hat an der Gemeindeversammlung das letzte Wort.
Marco Huwyler
Im vergangenen Herbst sind sie durchs Städtli getingelt. Verschiedene Bustypen, wie man sie sich im Rathaus hätte vorstellen können. Als potenzielle Ortsbusse durch die an sich fahrverbotene Altstadt haben sie getestet, wie es denn ginge mit der Wendigkeit durch die Gässchen, die seit 32 Jahren eigentlich verkehrsfrei sind.
Ein Zustand, der Unannehmlichkeiten für jene mit sich bringt, die hier wohnen. Die Wege zur nächsten öffentlichen Beförderungsmöglichkeit sind zuweilen lang – und werden mittelfristig gar noch länger. Wenn die neue ÖV-Drehscheibe beim Bahnhof Bremgarten dereinst umgesetzt ist und der Obertorplatz auch verkehrsfrei wird, verlängern sich die Distanzen für die Altstadtbewohner zum nächsten Bushalt weiter.
Allein mit den Kosten
Dessen ist man sich in Bremgarten seit Jahren bewusst. «Die Fusswege mit teils über 500 Metern sind zu lang», sagt Stefan Walder, Abteilungsleiter Bau. Und dementsprechend nahm man sich im Rathaus des Begehrens auch an, das von betroffenen Einwohnern kam. Eine Bremgarter Buslinie, welche Ost und West, Oberstadt und Unterstadt verbindet. Mitten durch das Städtli, so die Idee, sollte Abhilfe schaffen.
Der Stadtrat hat seit 2022 ein Konzept erarbeitet und weiterverfolgt. Als Bestvariante stellte sich nach längerer Evaluation die Verlängerung der Linie 338 (Ortsbus Zufikon) heraus. Diese sollte demnach vom Obertorplatz bis in die Unterstadt zur Kaserne weitergeführt werden und beim Pegasus-Kreisel wenden. «Wir haben vieles durchgerechnet, probiert, geprüft und getestet», sagt Stadtammann Stephan Troxler. «Wirklich ernsthaft, in verschiedenen Varianten und bis ins Detail.» Die Versuche seien durchaus auch vielversprechend gewesen, findet auch Walder. «Wir haben einen passenden Bustyp gefunden, bestmögliche Haltestellen festgelegt und auch bereits einen möglichen Fahrplan ausgearbeitet, der passen würde.» Bloss sind da noch die Kosten. Sowie die Beteiligungen daran. Und hier zeigte sich – Bremgarten stünde ziemlich allein da und könnte im Gegenzug kaum mit nennenswerten Einnahmen rechnen.
1,44 Millionen
So war man in Zufikon gerne bereit, der Linienverlängerung seines bisherigen Ortsbusses zuzustimmen. An den Mehrkosten beteiligen möchte man sich beim Nachbarn allerdings nicht. Und während besagte Linie bislang vom Kanton finanziert wird – weil dieser die Notwendigkeit als gerechtfertigt ansieht – sähe dies bei einem Altstadt-Bus anders aus. Mit bloss 30 000 Franken würde man sich in Aarau am Pilotprojekt beteiligen, das in den nächsten drei Jahren nötig würde. Bei Gesamtkosten von rund 1,44 Millionen Franken, «ein wahrhaft läppischer Beitrag», wie Stefan Walder findet. «Geradezu haarsträubend», erachtet er die kantonale Haltung hierzu, wenn man bedenke, dass sich der Kanton eigentlich die Förderung des ÖV auf die Fahne geschrieben hat. «Auf diesem Weg geht das ganz bestimmt nicht», sagt Walder sichtlich enerviert.
Bescheidenes Potenzial
Wobei der Kanton durchaus seine berechtigten Argumente hat, die auch im Bremgarter Stadtrat anerkannt werden. «Das Potenzial möglicher regelmässiger Nutzer ist bescheiden», gibt Troxler zu. Man habe das Ganze hochgerechnet. Es sind bloss 30 bis 40 Personen pro Tag, welche die verlängerte Linie potenziell nutzen würden. Bei einer Frequenz im 30-Minuten-Zyklus viel zu wenig, um einen einigermassen rentablen Betrieb zu gewährleisten. «Es gäbe wohl zahlreiche Leerfahrten durch die Altstadt», sagt Walder. Und weil das Ganze eine Weiterführung des Zufiker Ortsbusses wäre, käme eine Reduktion des Angebots auf die Stosszeiten auch nicht infrage. «Das wäre sonst für die übrige Strecke der Linie 338 ein Leistungsabbau, die niemand wollen würde.»
Schweren Herzens
Alles in allem kommt der Stadtrat so zum Schluss, dass eine Kleinbuslinie durch die Altstadt momentan nicht zu akzeptablen Konditionen umsetzbar ist – weil sie schlicht zu teuer wäre. Die 1,44 Millionen Franken müsste Bremgarten grösstenteils selbst tragen. Eine Investition, die noch nicht einmal eine dauerhafte Verbesserung wäre, sondern bloss der Aufwand für ein Pilotprojekt im Zeitrahmen von drei Jahren mit ungewissem Ausgang. Durchaus schweren Herzens hat man sich daher entschieden, das Geschäft zur Ablehnung zu empfehlen. Den Entscheid darüber überlässt man aber dem Stimmvolk.



