Der Stern leuchtet bald nicht mehr
05.05.2026 Wohlen, Essen und TrinkenDas Wirtepaar Rita Seiler und Remus Lochmann hört Ende Jahr im «Sternen» auf Das ist ein herber Verlust für Wohlens Beizenlandschaft. Rita Seiler und Remus Lochmann beenden nach 18 Jahren ihre Wirtetätigkeit. «Wir übergeben den Betrieb mit einem guten Gefühl, aber auch mit einem weinenden Auge», sagt das Wohler Kult-Wirtepaar. Sie erinnern sich an unvergessliche Momente.
Stefan Sprenger
«Wer den ‹Sternen› übernimmt, der spinnt», hiess es 2008. Vor ihnen war der Wirt – ein Metzger – nur ein halbes Jahr da. Doch Rita Seiler und Remus Lochmann gingen das Wagnis ein. Und sie spinnen nicht, höchstens im positiven Sinn. Der Notar Alois Lütolf (selig) machte Rita Seiler damals auf ein Inserat in der Zeitung aufmerksam. Der «Sternen» suchte einen neuen Wirt. «Das wär doch was für dich», meinte Lütolf. Fast ein Dutzend neue Wirte wollen das Lokal übernehmen. Aber Rita Seiler und ihr Partner Remus Lochmann erhalten den Zuspruch der Ortsbürgergemeinde Wohlen.
Verliebt im «Ibarus», Besuch vom Bundesrat
Lochmann ist in Olten aufgewachsen, war früher als selbstständiger Videofotograf und Eventmanager tätig. Rita Seiler, eine Bauerstochter aus Römerswil (Luzern), kam 1984 der Liebe wegen nach Wohlen – und war kurze Zeit im «Isebähnli» im Service tätig. Zwischen 1986 und 2008 dann im «Central». Verliebt haben sie sich 2006 im «Ibarus» in Wohlen, während eines Spiels der Fussball-WM. Zwei Jahre später sagt das Paar Ja zum «Sternen».
Am 4. April 2008, exakt um 4.04 Uhr (nachmittags), öffnen sie die Türen. «Dann hat es ‹geräbelt›», wie Lochmann lachend sagt. Ihnen wurde die Bude eingerannt. Auch, weil viele Gäste des «Central» Rita Seiler folgten. Am Wochenende mussten sie sich erstmals sammeln und die Menü-Karte fertigstellen. Was in den 18 Jahren danach folgt, ist ein kleines Beizen-Märchen. tag und Sonntag geschlossen. «Ein Erfolgsmodell», sagt Lochmann. Denn so blieb das Wirtepaar stets zufrieden und motiviert.
Sie erinnern sich an lustige Anekdoten: Bundesrat Ueli Maurer schaute sich einst ein Frauenfussballspiel in den Niedermatten an und kam in den «Sternen». Doch es war der letzte Tag vor den Ferien und es gab nur «Schnihochzufrieden», sagt Lochmann. Die Freiämter Bundesrätin Doris Leuthard war gar mehrmals zu Gast – und half Rita Seiler sogar beim Service aus.
Ob Jazz-Night, Chlausauszug, Wochenmarkt oder ein ganz normaler Dienstagabend: Der «Sternen» leuchtete hell in der Wohler Beizenlandschaft. Bis heute. Doch er leuchtet bald nicht mehr. Nach 15 Jahren kamen erstmals endet. «Unser Entscheid, dass wir nun gehen, ist nicht aus wirtschaftlichen Gründen entstanden», sagt das Paar. Die Belastung sei hoch. Es gebe gar ungewöhnlich viele Bankette und abendfüllende Events. «Wir wissen auch nicht, warum», sagen sie. Vermutlich, weil sie ihren Job einfach stark machen und die Gäste stets zufrieden sind. Und sie möchten auch mehr Zeit für sich.
Das Ende auch um 4.04 Uhr?
Am letzten Freitag haben sie Gemeindeammann Roland Vogt informiert. Nun ist es offiziell. Nach 18 Jahren tritt das Kult-Wirtepaar ab. Rita Seiler, 60 Jahre alt, die in all den 18 Jahren nur einen Tag nicht arbeiten konnte (aufgrund einer Operation), wird emotional: «Wir hören in einem schönen Moment auf. Doch es ist wie eine Familie hier, das berührt mich. Wir haben in dieser Zeit viele Menschen in unsere Herzen schliessen dürfen.»
Die vielen Reaktionen der Menschen, die vom Weggang des Wirtepaars erfahren, werden ab sofort unausweichlich passieren. Das macht sie etwas nervös. Doch: Es ist anzunehmen, dass alle den Entscheid bedauern, auch Verständnis zeigen und in erster Linie dankbar sind für die tollen Stunden im «Sternen». Das Paar wird nun mehr Zeit haben für die vier Enkelkinder von Rita Seilers Tochter Pamela. Remus Lochmann, 69 Jahre alt, lobt die Zusammenarbeit mit der Ortsbürgergemeinde Wohlen und meint: «Es war eine schöne Zeit. Wir bedanken uns bei allen Gästen. Wir werden bis zum letzten Tag alles geben.»
Jener letzte Tag wird ein Dienstag sein, der 22. Dezember 2026. Die Uhrzeit der Schliessung ist allerdings noch ungewiss. Vielleicht um 4.04 Uhr – aber eher morgens. «Noch einmal Sommer, Herbst und Winter, dann ist Schluss», sagen sie.

