Die Freundinnen jubeln
28.04.2026 Sport, HandballHandballerinnen steigen auf
Perfekter Tag für beide Freiämter Teams
Zwei Spiele, zwei Aufstiege in die 1. Liga: In der Wohler Hofmattenhalle erlebt der Freiämter Handball einen Traumtag. Im Fall der Frauen mit Murianer ...
Handballerinnen steigen auf
Perfekter Tag für beide Freiämter Teams
Zwei Spiele, zwei Aufstiege in die 1. Liga: In der Wohler Hofmattenhalle erlebt der Freiämter Handball einen Traumtag. Im Fall der Frauen mit Murianer Beteiligung.
Die letzte Minute ist angebrochen. Die 500 Zuschauer stehen alle. Es wird fast unerträglich laut in der Hofmattenhalle. Um 21.35 Uhr ist es amtlich. Schlusspfiff. Die Männer der SG Wohlen Mutschellen gewinnen 31:28. Der Aufstieg in die 1. Liga ist geschafft. Kurz nach dem Schlusspfiff kehren die Frauen der SG Freiamt auf das Spielfeld zurück, um mit den Männern zu feiern. Sie hatten zwei Stunden zuvor vor 350 Zuschauern ebenfalls den 1.-Liga-Aufstieg geschafft. Der Samstag, 25. April, ist somit der perfekte Tag für den Freiämter Handballsport.
--red
Die Frauen der SG Freiamt steigen nach einem diskussionslosen 29:20-Sieg in die 1. Liga auf
Irgendwie konstant, irgendwie nervös. Die SG Freiamt gewinnt trotzdem souverän gegen RG Vaud aus der Westschweiz. Das Team lässt sich von den 350 Zuschauern feiern und zeigt ganz viel Emotionen.
Stefan Sprenger
Es kommt ganz fest von Herzen. Und das spürt man. Francine Biffiger, die frühere NLA-Spielerin, ergreift nach Spielschluss das Mikrofon. Sie spricht zu den 350 Zuschauern. «Unglaublich schön» sei der Sieg, der Aufstieg, der Support von den Rängen. Das Team dankt zudem dem Trainerduo Jochen Külling und Matthias Baumgartner mit schönen Worten und Geschenken. Und es bedankt sich mit einem Plakat auch bei den Fans «für die Unterstützung». Minutenlang wird geklatscht in der Halle. Es sind schöne Szenen voller Emotionen.
Bedeutend für den Frauenhandball im Freiamt
Im Publikum sitzen ganz viele Juniorinnen, die sich riesig freuen. Marilen Küng, 23 Jahre alt, hat im zweiten Aufstiegsspiel sechs Tore erzielt. Die Murianerin ist selbst Trainerin der U14-Juniorinnen und sagt: «Mein ganzes Team ist hier. Es ist auch für sie ein toller Tag, denn wir haben ihnen gezeigt, was auch sie einmal erreichen können», so die angehende Lehrerin. Der Aufstieg sei auch für die Zukunft des Frauenhandballs im Freiamt von grosser Bedeutung. Küng sagt weiter: «Die Stimmung in der Halle war cool und hat uns getragen.»
Die SG Freiamt geht mit einem Drei-Tore-Vorsprung aus dem Hinspiel (25:28) in das Rückspiel dieser Aufstiegsrunde. Gegen RG Vaud aus der Westschweiz wirkt das Team phasenweise hoch konzentriert – aber auch teilweise nervös. Doch auch der Gegner ist wacklig. So gibt es ein fehlerhaftes Spiel. Francine Biffiger, die erfahrenste im Team, analysiert: «Manchmal konstant, manchmal nervös. Wir konnten uns lange nicht absetzen. Aber ich hatte auch nie wirklich Angst, dass wir die Partie aus den Händen geben könnten.» Zur Pause steht es 15:13 für die SG Freiamt. In der 40. Minute steht es 20:18. Alles offen für die Schlussphase. In der 49. Minute trifft der Gast zum 23:20. Geht da noch was für die Westschweizerinnen?
Die Antwort ist klar: Nein. Die Luft ist draussen. Den Gästen gelingt bis zum Schlusspfiff kein einziges Tor mehr. So surfen die Freiämter Frauen dem Sieg entgegen. 29:20 heisst es am Ende. Nora Hecht ist mit acht Toren die beste Werferin der SG Freiamt. Die 20-jährige Studentin aus Wohlen sagt: «Ich habe diese 60 Minuten sehr genossen. Ich glaube, ich habe noch nie vor so vielen Zuschauern gespielt. Das hat uns gepuscht. Das alles gemeinsam mit diesem tollen Team zu erleben und nun den Aufstieg zu feiern, das bedeutet mir viel. Wir haben das alle miteinander geschafft.» Ganz viel hat man investiert. Im letzten Jahr scheiterte man wegen drei Toren am Aufstieg. Und jetzt hat man es geschafft. «Ich versuche immer mein Bestes zu geben. Ich glaube, das ganze Team tut das.
Und das werden wir auch nächste Saison in der 1. Liga tun, wenn unser Ziel klar Ligaerhalt heisst», so Hecht. Die SG Freiamt mit dem Trainerduo Jochen Külling und Matthias Baumgartner hat ihr Ziel erreicht und darf stolz sein. «Wir sind alles Freundinnen im Team. Wir sind neugierig und voller Vorfreude, was in der 1. Liga auf uns zukommt. Wir wollen auch nächste Saison so viel Spass haben wie jetzt», sagt Marilen Küng. Die SG Freiamt feierte in der «Zanzibar» gemeinsam mit den Männern den Aufstieg. Auch ein schönes Zeichen.
Das Ding mit den Boxen
Tröten, Trompeten, Megafone: Es war richtig laut in der Hofmattenhalle. Doch nicht nur deswegen hat man den tollen Speaker Christoph Hajagos nicht verstanden. Das Problem ist länger bekannt: Die Lautsprecher-Boxen in der Hofmattenhalle sind mangelhaft. Auf der oberen Tribüne ist kaum etwas zu verstehen. Es ist der einzige Makel eines tollen Aufstiegstages. «Wir sind an Lösungen dran», sagt Andreas Stierli, Präsident von Handball Wohlen.
--spr
Der Aufstiegsschnupf musste sein
Die legendären Aufstiegshelden von 1989 kommen im damaligen Trikot an die Aufstiegsspiele in der Hofmattenhalle
Nach unzähligen Anläufen klappt es 1989 und der TV Wohlen steigt in die 1. Liga auf. Viele Spieler des damaligen Erfolgs sind auch heute noch mit dem Verein verbunden, schauten sich gemeinsam die Aufstiegsspiele an und sorgten für beste Stimmung.
Der Flügelvirtuose Hansi Hoch, der Denker und Lenker Urs Müller oder der Rückraumshooter Peter Ulrich. Sie alle waren in der Saison 1988/1989 dabei, als der TV Wohlen nach unzähligen Versuchen endlich den erstmaligen Aufstieg in die 1. Liga schafft.
«Halle ist beinahe eingestürzt»
In heissen Duellen gegen Brugg erkämpften sich die Wohler am Ende das Aufstiegsglück. «Die Halle war bei jedem Heimspiel proppenvoll. Beim Aufstiegsspiel ist die Junkholzhalle beinahe eingestürzt. Das kann man sich heute kaum mehr vorstellen», sagt Koch. Zwei Saisons lang spielt Wohlen in der 1. Liga, erreicht mit dem 4. Schlussrang die beste Klassierung der Vereinsgeschichte. Ein Rekord, der 20 Jahre lang halten wird.
«Wenn ich das gewusst hätte ...»
Am Samstag bei den Aufstiegsspielen der SG Freiamt und der SG Wohlen Mutschellen tauchten einige der damaligen Aufstiegshelden auf – und trugen dabei das Trikot von damals. Alex Milosevic, Trainer der SG Wohlen Mutschellen, traf nach Spielschluss auf die Wohler Handball-Ikonen und meinte: «Wenn ich das gewusst hätte, dann hätten wir in diesen stylischen Trikots gespielt.» Die starken Handballer von damals versprühten viel Freude unter den 500 Zuschauern. Und sie nahmen natürlich auch noch einen obligaten Aufstiegsschnupf, nachdem beide Freiämter Teams den Sprung in die 1. Liga packten. Das musste sein.
--spr
Beflügelt zum Aufstieg
Die SG Wohlen Mutschellen feiert vor 500 Zuschauern die Rückkehr in die 1. Liga
Die Erwartungshaltung hoch, der Druck gross, die Halle voll. Doch die SG Wohlen Mutschellen liefert ab. Der Gegner aus dem Fricktal kann nur in der Startphase mithalten. Erneut gewinnt das Team mit drei Toren Vorsprung (31:28) und feiert den Erfolg ausgiebig.
Stefan Sprenger
Ein Backhand-Zauberpass auf Kreisläufer Joshua Schmid. Ein Hammerschuss in den Winkel. Oder ein tänzelnder Durchbruch – inklusive Torerfolg. Der 18-jährige Elias Matrascia läuft in diesem grossen Spiel zur Höchstform auf. Auf der Tribüne jubeln die Eltern. Seine Mama Stefanie und sein Papa Filippo Matrascia spielten einst in den Fanionteams von Wohlen – und feiern auch Aufstiege. An diesem 25. April 2026 jubelt Elias Matrascia, KV-Lehrling bei der AKB in Wohlen. «Wow. Diese Stimmung war unglaublich. Die Fans haben uns beflügelt. Wir hatten die ganze Halle im Rücken, das war einfach geil», sagt Matrascia nach dem Match.
Koch brilliert in der Startphase
Natürlich sei man auch nervös gewesen, denn es stand viel auf dem Spiel. «Aber wir wussten, was wir draufhaben. Und wir haben als Team abgeliefert», so der fünffache Torschütze.
Mit drei Toren Vorsprung aus dem Hinspiel (32:29) geht man in dieses entscheidende Aufstiegsspiel. Die Parkplätze rund um die Hofmattenhalle in Wohlen sind voll, ebenso die Halle. 500 Menschen sind da, erleben eine lautstarke Atmosphäre, wie es sie noch nie in dieser Sporthalle gegeben hat. Und die SG Wohlen Mutschellen startet zittrig. Im Angriff läuft es zwar von Beginn an ordentlich, dafür hat man das Tempospiel des Gegners kaum im Griff. Erzielen die Freiämter ein Tor, scheppert es meist wenige Sekunden später nach einem schnellen Konter auf der anderen Seite. Dank Torhüter Dario Koch geht diese Startphase glimpflich aus. Der Waltenschwiler Koch – dessen Vater Frank mit Wohlen einst ebenfalls als Goalie Aufstiege feierte – zeigt neun seiner total elf Paraden in der Startviertelstunde. Sackstark. So bewahrt er sein Team vor einem Rückstand. Ein passendes Beispiel. 10. Minute: ein sensationeller «No-Look»-Pass von Spielmacher Amer Zildzic auf Kreisläufer Joshua Schmid. Ein Sahnetor. 6:5 für die SG Wohlen Mutschellen. Die SG Möhlin Fricktal ist Bruchteile nach dem Anwurf allein vor dem Kasten – aber Koch pariert. Auch Trainer Alex Milosevic meint: «Koch war in der Startphase hervorragend und hat uns davor bewahrt, dass wir hinten liegen.»
Ruhig geblieben trotz Rot
Die SG Wohlen Mutschellen ist in diesem Spiel nicht einmal im Rückstand. Zur Pause steht es 14:10. Es sieht gut aus. Der zweite Durchgang startet mit einem Schock. Joshua Schmid trifft seinen Gegenspieler im Gesicht. Rot. Platzverweis. Doch das Heimteam lässt sich nicht aus der Ruhe bringen – und es folgt die Entscheidung. Abwehrboss Damian Biffiger und seine Mannen machen hinten dicht. Und vorne zeigen die Freiämter ihre Offensiv-Power. Ivan Milicevic (8 Tore) verwertet jeden Schuss, Elias Matrascia (5) wirbelt, Björn Staubli zaubert (4) und Amer Zildzic (7) hat die Fäden in der Hand. Das Team agiert als Einheit. Am Ende ist es ein ungefährdeter 31:28-Sieg.
Der 36-jährige Zildzic sagt: «Boah. Geschafft. Endlich. Wir hatten die ganze Saison dieses klare Ziel: aufsteigen. Der Druck war gross. Zu Beginn des Spiels haben wir eine kurze Zeit gebraucht, um die Bremse zu lösen. Danach sind wir Richtung Sieg und Aufstieg gerollt. Und das souverän. Ich hatte keine Sekunde Angst, dass wir dieses Ding hier noch verlieren könnten. Und jetzt haben wir es geschafft. Ich würde sagen sehr verdient. Jetzt gehen wir feiern.» Und das tut das Team. Kurz in der Halle, lang in der «Zanzibar». Der junge Elias Matrascia meint: «Und nächste Saison wollen wir weiterhin zeigen, was wir draufhaben. Hoffentlich wieder vor voller Halle.»
«Er dachte, ich sei Jürgen Klopp»
Alex Milosevic, Trainer der SG Wohlen Mutschellen, lobt das Team und blickt in die Zukunft
Das Team hat sich akribisch auf das zweite Aufstiegsspiel vorbereitet. «Vom Gegner kam aber überraschend wenig», sagt der 60-Jährige – fast ein wenig enttäuscht. Er selbst feierte nur kurz, «weil ich total kaputt war».
«Die Vorbereitung war auf NLA-Niveau», sagt Alex Milosevic. Der frühere Profihandballer, NLA-Coach und Frauentrainer des Jahres (2023) hat sein Team gemeinsam mit dem Trainerstaff «sehr seriös und akribisch» auf das Rückspiel gegen die SG Möhlin Fricktal vorbereitet. «Wir waren gewappnet, haben viel Zeit investiert, damit wir für alle Fälle eine Lösung bereit gehabt hätten.» Doch die Fricktaler haben kaum taktische Mittel genutzt, machten kaum Anpassungen in der Abwehr und im Angriff – und haben somit auch kaum darauf reagiert, dass sie stets in Rückstand waren. «Vom Gegner kam überraschend wenig», sagt auch Milosevic. «Zwischen der 35. und 45. Minute haben wir diesen Match endgültig entschieden. Es ist ein verdienter Sieg.»
«Ein Schluck und betrunken»
Vor dem Spiel spürte er eine grosse positive Anspannung. Während des Spiels blieb er äusserlich gelassen, innerlich nervös. Nach dem Schlusspfiff fällt auch von seinen Schultern viel Druck. «Ich habe einen Schluck Bier getrunken und war schon betrunken. Ich war danach kaputt», sagt der 60-Jährige. Also ging er nach Hause nach Bern und versuchte zu schlafen. «Das klappte erst morgens um 3 Uhr», wie er sagt. Milosevic möchte sich beim «fantastischen Publikum bedanken». Und auch beim Vorstand von Handball Wohlen und dem HC Mutschellen. «Sie hatten die Strategie und den Plan. Wir haben ausgeführt.»
Abmachung mit FC Wohlen
Milosevic: «Ziel erreicht. Dieser Aufstieg war wichtig für die jungen Spieler, für eine bessere Gliederung unserer SG-Teams, für die Vereine, ja die ganze Region. Wir haben nun mehr Möglichkeiten.» Nach dem Spiel hatte er tolle Begegnungen, darunter mit einem Verantwortlichen des FC Wohlen. «Der Fussballer dachte, ich sei Fussball-Ikone Jürgen Klopp», so Milosevic. Nächste Saison werden die Handballer gemeinsam an ein Spiel des FC Wohlen gehen – und umgekehrt. Eine von vielen schönen Geschichten an diesem besonderen Aufstiegstag.
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