Die Horizontalkomponente
07.08.2026 MuriHandwerkliches Geschick
Sommerserie: Philipp Galizia, Künstler/Zeltbauer
Bekannt ist Philipp Galizia als Künstler, Schauspieler und Erzähler. Viele wissen, dass er Musikunterricht im «Lern mit» gibt. Der Vater von zwei Söhnen ...
Handwerkliches Geschick
Sommerserie: Philipp Galizia, Künstler/Zeltbauer
Bekannt ist Philipp Galizia als Künstler, Schauspieler und Erzähler. Viele wissen, dass er Musikunterricht im «Lern mit» gibt. Der Vater von zwei Söhnen ist aber auch handwerklich geschickt. Sein erstes Zelt hat er für seine «Buben» gebaut. Dies hat er in der Werkstatt seines viel zu früh verstorbenen Freundes «Schöbi» gemacht. Nun baut er auch dort seine neuen Zelte. --vaw
Serie – was machen Personen des öffentlichen Lebens sonst noch: Philipp Galizia aus Muri baut Zelte
In der Region und weit darüber hinaus ist er als Original der Schweizer Kleinkunstszene bekannt. Neben seinen Auftritten arbeitet Philipp Galizia als Gartenbauer oder Trockenmaurer. Was weniger bekannt ist: Er baut seit vielen Jahren Zelte.
Verena Anna Wigger
Es gibt Zeiten, da tritt er nicht auf. Da gibts auch keine Arbeit im Garten. Da gibt er auch nicht Schule im «Lern mit» in Wohlen. Dann geht er dem Zeltbau nach. Angefangen hat er vor Jahren als Mitarbeiter im Betrieb seines verstorbenen Freundes Stefan Geissbühler. «Schöbi», wie er ihn nennt. Dessen Chapiteau-Zeltbau befasst sich seit über dreissig Jahren mit der Herstellung und Vermietung spezieller Zelte mit Holzrahmenstruktur. Nach dem frühen Tod seines Freundes im vergangenen Jahr baut Galizia nun sein eigenes grosses Zelt. Es soll Platz für bis zu 50 Apéro-Gäste bieten. «Ich habe mit ihm noch über das Zelt geredet», sagt Philipp Galizia und man spürt, dies geht ihm nah. «Ich wollte es euphorisch aus Stangen und mit Binden zusammenfügen», sagt er. «Schöbi fand die Idee super.» Er habe ihm auch Vorschläge gemacht, die Galizia zuerst nicht super fand, «lustig ist, dass ich es jetzt so mache», wie er es ihm empfohlen hat, sagt der Neo-Zeltbauer.
Denn auch die Zelte von Galizia haben eine Holzrahmenstruktur, welche als Chapiteau ohne Mittelpfosten auskommen. Die horizontale Komponente mache es aus, so Galizia. «In der Horizontalkomponente habe ich die ideale statische Lasteinleitung.» Dadurch werden die Lasten so verteilt, dass das Gewicht getragen wird und der Innenraum ohne Mittelsäule flexibel genutzt werden kann.
Ein Zelt für seine Buben gebaut
Auf die Fragen, wann er sein erstes Zelt gebaut hat, kommt die Antwort wie aus dem Rohr geschossen. «Ich habe ein Kinderzelt für meine beiden Buben gebaut», so Galizia. Er ist Vater von zwei Söhnen, Elia und Livio. Damals seien es einen Meter lange Stangen gewesen, die er verwendet hat. Gebaut hat er es, als die Söhne noch klein waren, damit sie darin im heimischen Garten spielen und übernachten konnten.
Eine weitere gemeinsame Liebe haben die drei. Galizia ist ein super-super Handballfan des TV Muri. Sein Sohn Elia spielt beim TV Handball Muri und wenn immer der Vater Gelegenheit hat, ist er an den Spielen dabei. Mit Livio teilt der ambitionierte Hobbykoch die Liebe zum Kochen. Denn Livio hat Koch gelernt und kocht auch gern in seiner Freizeit.
Die Zelte, welche Galizia heute baut, sind wesentlich grösser. Das Zwölfeck hat siebeneinhalb Meter Durchmesser und vier Meter Höhe unter der Kuppel, und bietet zwei Eingänge. «Damit keiner fragen muss, wo der Ausgang ist», erklärt er in seiner persönlichen Art und Weise.
Begonnen habe er mit dem Bau, indem er im Murimoos Rundhölzer geholt hat. Doch neben all dem Schalk hat er sich viele Gedanken gemacht. Etwa zu Statik, Bau und Transport. Damit Statik und Bau passen, arbeitet er mit einer Holzbauingenieur-Firma zusammen. «Sie haben dies genau berechnet», das ist ihm wichtig. Denn seine Zelte sollen auch einem Sommersturm trotzen.
Seine Konstruktion ist durchdacht. Hier kommt die Erfahrung zum Zug und die macht er bei jedem Arbeitsschritt neu. Damit die Zelte auf jedem Platz aufgestellt werden können, erhalten sie an den Aussenseiten Wasserbehälter. Diese dienen zusätzlich als Sitzbank, erklärt der 61-Jährige. Das Ganze wird mit einer Blache überspannt, die festgezurrt wird. «Das Schwierigste ist der Umgang mit der Blache.» Dies ist er im Moment am Austüfteln. Hier hilft ihm ein Bekannter, der im Moment Zeit hat.
Ausgleich zwischen Bühne und Handwerk
«Es ist der perfekte Ausgleich neben der Bühnenarbeit, das finde ich schön», sagt er, «es erdet mich» und tut ihm gut. Dereinst sollen im Zelt auch Kleinkünstler ihren Auftritt haben, das ist eine der Ausrichtungen, die er für seine Zelte sieht. Zurzeit tourt der Erzähler selbst mit seinem Stück «öppeneso» durch die Schweiz. Aber auch frühere Stücke werden immer wieder angefragt. So spielt er aktuell auch «Am Seil abeloh». Der Musiker und Schauspieler ist auch immer wieder auf der Bühne oder im Film zu sehen. Wie unlängst im Streifen «Kalberamtten».
Seine Zelte wird er künftig für öffentliche und private Zwecke vermieten. Sie sollen einfach im Auf- und Abbau sein. Auch hierzu hat er sich Überlegungen gemacht. Alle Teile sind so konzipiert, dass sie einfach transportiert werden können. Und wie das Leben so spielt, sind bereits erste Anfragen bezüglich Miete eingetroffen. Doch zuerst werden die Zelte gebaut.
Ein gutes Umfeld geschaffen
Das aktuell in Produktion befindliche Zelt steht hinter dem Betrieb und soll dort ersten Belastungsproben ausgesetzt werden. Hier sieht man, dass der «Geschichtenerzähler» ebenfalls ein begnadeter Handwerker ist. Nachbar und Bootsbauer Ueli Burri, der vorbeiläuft, nimmt die Konstruktion in Augenschein, lächelt und macht einen Spruch zu Galizia. Auch das gehört zu Galizia, sich ein Umfeld schaffen, in dem es Spass macht, etwas entstehen zu lassen. Rund sieben Monate Bauzeit rechnet er bis zur Fertigstellung.



