Die letzten Jahre in Muri
11.08.2026 MuriÜber Pankraz Vorster, den einstigen St. Galler Fürstabt ohne Fürstabtei
Von 1819 bis zu seinem Tod 1829 lebte er in Muri. Hier kam er zur Ruhe. Aber auch vom Freiamt aus wehrte er sich gegen die Entwicklungen in St. Gallen. Was nicht zur Freude aller ...
Über Pankraz Vorster, den einstigen St. Galler Fürstabt ohne Fürstabtei
Von 1819 bis zu seinem Tod 1829 lebte er in Muri. Hier kam er zur Ruhe. Aber auch vom Freiamt aus wehrte er sich gegen die Entwicklungen in St. Gallen. Was nicht zur Freude aller war.
In der Forschung galt er viele Jahre lang als ein Totengräber der einst so glanzvollen Fürstabtei St. Gallen, als zu stur, um einen Kompromiss auszuhandeln und allenfalls gewisse rechtliche und territoriale Überbleibsel zu retten. Pankraz Vorster (1753–1829) führte ein bewegtes, von vielen Niederlagen gekennzeichnetes Leben.
Die Zeitläufte, die grossen europäischen Mächte wollten auf dem Wiener Kongress von 1815 nicht, dass die Fürstabtei St. Gallen restituiert würde, trotz vieler Schreiben und der persönlichen Anwesenheit Vorsters in Wien, der lange Jahre ein Getriebener war, ein Gehetzter, und erst von 1819 bis 1829 im Kloster Muri zur Ruhe kommen sollte.
Pankraz Vorster, Sohn eines Soldoffiziers in neapolitanischen Diensten, besuchte die Klosterschule St. Gallen. 1777 folgte die Priesterweihe, 1789 wurde der in Neapel Geborene zum Professor der Philosophie, 1783 zum Professor für angewandte Theologie. Er war Benediktiner aus Überzeugung, lebte bescheiden, gottesfürchtig. Innerhalb des Konvents führte er die Opposition gegen Fürstabt Beda Angehrn an, der viele Strassen anlegen liess und wunderschöne Barockkirchen errichtete, dabei aber rote Zahlen schrieb. Gemeinsam mit anderen «Patres» musste Vorster in die Verbannung gehen, wurde aber 1796 vom Konvent selbst zum Fürstabt gewählt. Das Staatsschiff schwankte bereits bedrohlich, denn im mehrheitlich reformierten Toggenburg, im Rheintal und selbst im Fürstenland war es unruhig. Französische Truppen fielen ins Land ein, Vorster floh vor ihnen, erreichte dank österreichischer Hilfe die Restitution, dann wendete sich das Kriegsglück wieder. Die Fürstabtei zerfiel Schritt für Schritt.
Auf alte Freunde verlassen
Pankraz Vorster wagte sich nicht sofort wieder in die Eidgenossenschaft, konnte sich aber auf seine alten benediktinischen Freunde in Muri verlassen. Bereits 1796 hatte er als frisch gewählter Fürstabt mit dem damaligen Abt Gerold Meyer (1729–1810) über die Benediktinerkongregation gesprochen. 1814, im Vorfeld des Wiener Kongresses, verbrachte Vorster gemeinsam mit seinem treuen Weggefährten Pater Kolumban Ferch 95 Nächte im Freiämter Kloster und wurde gemäss Tagebuch «wohlthätig und brüderlich» behandelt. Vorster wollte jedoch die Wohltätigkeit nicht allzu sehr strapazieren und bestand auf einer wöchentlichen Zahlung von vier Dukaten. Er befand sich im Streit mit dem jungen Kanton St. Gallen, wandte sich an den päpstlichen Nuntius, versuchte mit allen Mitteln die Restitution, auch von Muri aus, erreichte immerhin eine Pension für sich und die «Patres».
Der Abt von Muri, Gregor Koch, musste Vorster 1816 darüber informieren, dass die Aargauer Kantonsregierung einen Aufenthalt nicht dulde, da er Ruhe und Ordnung stören könnte. Erst viele Schreiben später wurde Pankraz Vorster 1819 eine «Zelle» im Kloster Muri gewährt. Pater Leodegar Schmid hielt es für bemerkenswert, dass der hohe St. Galler Geistliche nur ganz wenig Wein trinke. Vorster wollte Busse tun, auch dafür, dass er sein Priesteramt nicht ausgeübt hatte. Er stiftete viel Geld, auch für einheimische Schulkinder, denen er Preisgelder vermachte. Junge Mönche unterrichtete er in Mathematik, lehrte auch naturhistorische Fächer. Mit Kanonikus Augustin Stark aus Augsburg hatte er regen brieflichen Kontakt. Dieser besorgte ihm mathematische und astronomische Geräte, darunter ein Astrolabium / einen Theodolit, einen Spiegelquadranten sowie eine «Machina Universalis Optica».Vorster las Messen und schrieb viele gehaltvolle Briefe.
Ruhe und Musse waren ihm lieber
Seine umfangreichen Tagebücher sind bereits teilweise ediert worden. Um sich auf dem Laufenden zu halten, abonnierte der Fürstabt ohne Territorium verschiedene Zeitungen. Reisen tat er kaum noch. Auf seinen fluchtartigen Reisen war er einst bis nach Slawonien gekommen. Da waren ihm doch Ruhe und ein wenig Musse zum Lebensabend hin in Muri viel lieber.
Dr. phil. Fabian Brändle, Wil, Historiker und Volksschriftsteller


