Die Überfliegerin
15.12.2023 Sport, FussballDie Aristauerin Laura Schneider spielt bei den Frauen des FC Luzern in der Super League
Vor sechs Jahren wollte sie dem Spitzensport den Rücken kehren. Jetzt ist es Laura Schneider gelungen, innerhalb von zwei Jahren einen Stammplatz in der Women’s Super League ...
Die Aristauerin Laura Schneider spielt bei den Frauen des FC Luzern in der Super League
Vor sechs Jahren wollte sie dem Spitzensport den Rücken kehren. Jetzt ist es Laura Schneider gelungen, innerhalb von zwei Jahren einen Stammplatz in der Women’s Super League zu erobern und ins Nationalteam aufgeboten zu werden.
Josip Lasic
Winterpause in der Women’s Super League. Die Frauen des FC Luzern liegen auf Rang 7. Zu wenig für ihre Torhüterin Laura Schneider. «Das ist der viertletzte Rang. Damit können wir nicht zufrieden sein. Wir kassieren mehr Tore, als wir selbst schiessen, und haben gegen Teams auf Augenhöhe bisher zu wenig rausgeholt. In der Rückrunde muss sich das ändern.»
Dank diesem Ehrgeiz ist der Aristauerin in den letzten zwei Jahren ein kometenhafter Aufstieg gelungen. In dieser Zeit hat sie sich einen Stammplatz bei den Luzernerinnen erkämpft und wurde im September und Dezember für die Nations-League-Spiele des Schweizer Nationalteams aufgeboten. Auf die Frage nach ihren sportlichen Zielen gerät Laura Schneider ins Stocken. Die 28-Jährige ist selbst überrascht, wie schnell alles ging. «Vor zwei Jahren war ich noch im Breitensport zu Hause und wollte sehen, ob ich es in der Super League beim FC Luzern schaffen kann. Jetzt muss ich mich in der Winterpause hinsetzen und mir überlegen, wo ich hinwill.»
Bruder und Vater Fussballer, Cousins Ringer
Die Aristauerin, die mittlerweile in Fahrwangen wohnt, kommt aus einer Sportlerfamilie. Ihr Vater Markus Schneider war früher Profi beim FC Wettingen und FC Zürich. Ihr jüngerer Bruder Jan wurde bei den Zürchern ausgebildet, hat später für Muri in der 1. Liga gespielt und ist aktuell mit dem SC Schöftland in der 2. Liga interregional unterwegs. Die Ringer-Zwillinge Christoph und Nicola Küng – Letzterer ist Präsident der RS Freiamt – sind ihre Cousins. «In der Kindheit durfte ich dann mit meinem Bruder und den Cousins Fussball spielen. Vorausgesetzt, ich ging ins Tor», erzählt sie lachend.
Die Position zwischen den Pfosten liegt ihr. Im Nachwuchs des FC Muri spielt sie mit den Jungen zusammen. Mit einer Doppellizenz kann sie in die Juniorenabteilung bei Kriens-Luzern wechseln, wo sie sich durch alle Altersklassen bis zur U18 durcharbeitet. In dieser Zeit wird sie bereits für die Nachwuchsnationalteams nominiert. «Mit der U17 sind wir bei der Europameisterschaft Vierte geworden», erzählt sie. Mit Luzerns U19 wird sie an einem Turnier in Deutschland zur besten Torhüterin gewählt. Ihr gelingt der Sprung ins Fanionteam des FC Luzern, wo sie zunächst nur sporadisch zum Einsatz kommt. Dann lässt eine Tragödie den Sport nebensächlich erscheinen.
Eines der Opfer im Vierfachmord von Rupperswil war ein sehr guter Kollege von Laura Schneider. «Ich bin danach zum FC Aarau gegangen, weil er zuletzt dort gespielt hat. Es war mein Wunsch, bei dem Verein zu spielen, bei dem er war.» In Aarau wird sie Stammtorhüterin und schafft mit dem Team den Aufstieg in die NLA.
Nach diesem Erfolg fällt dann der Entschluss, nach Luzern zurückzugehen. Allerdings wechselt sie in die zweite Mannschaft, die in der 1. Liga spielt. Einerseits, weil einige ihrer Kolleginnen im Team sind, die ihr eine grosse Stütze in der schwierigen Zeit nach dem Tod ihres Kollegen waren. Ebenso aber, weil sie ein Missverhältnis von Aufwand und Ertrag im Spitzenfussball bei den Frauen sieht.
Rückennummer ist Andenken an Kollegen
Während ihrer Zeit im Nachwuchs des FC Luzern absolviert Schneider eine Sport-KV-Lehre. Anschliessend arbeitet sie in der Autobranche. «Ich war sieben Jahre lang im gleichen Unternehmen, habe mich bis zur Leiterin Disposition und Prämien hochgearbeitet, aber im letzten Oktober gekündigt. Meine Verantwortung dort hätte mehr Fokus erfordert, als ich neben dem Fussball aufbringen konnte. Jetzt suche ich nach einem Job, der sich etwas besser mit dem Sport vereinbaren lässt.»
Mit dem Breitensport-Team der Luzernerinnen steigt sie in die NLB auf. Mehrere Jahre hütet sie in der zweithöchsten Liga des Landes das Tor bei den Innerschweizerinnen. Während dieser Zeit ist Schneider hin und wieder als Unterstützung im NLA-Team mit dabei. Vor zwei Jahren wechselt sie definitiv ins Fanionteam. Ohne Arbeit neben dem Fussball geht es aber nicht. «Wir hätten zwei Morgenund vier Abendeinheiten im Training. Sehr viele von uns können nur abends kommen. In der Schweiz können die meisten Fussballerinnen aktuell noch nicht vom Sport leben.» Das hindert die Torhüterin aber nicht daran, trotzdem mit vollem Ehrgeiz an die Aufgabe ranzugehen. Dieser Ehrgeiz hat dafür gesorgt, dass Schneider sich auch in der Women’s Super League schnell den Stammplatz gesichert hat. Dort trägt sie inzwischen die Rückennummer 45. Ebenfalls ein Andenken an ihren verstorbenen Kollegen. «Es war seine Lieblingszahl. Wenn ich damit ein bisschen die Erinnerung an ihn aufrechterhalten kann, ist das etwas Schönes.» Laura Schneider hat einen Weg gefunden, aus diesem schmerzhaften Ereignis Kraft zu schöpfen und das wenige Positive, das in solch einer Situation zu finden ist, zu nutzen, um sich weiterzuentwickeln. Sie ist in den Spitzenfussball zurückgekehrt und hat sich in einer unglaublichen Geschwindigkeit etabliert. Nur ein Einsatz im Nationalteam fehlt noch. «Für mich war es schön, dass ich überhaupt nominiert wurde, nachdem ich erst eine komplette Saison auf diesem Niveau gespielt hatte.» Wenn sie die nächsten Schritte ihrer Karriere ebenfalls in einem solchen Tempo nimmt, ist ein Debüt im Schweizer Trikot nur eine Frage der Zeit.

