Die Zeit hat gefehlt
20.03.2026 Muri, Thema, MusikPascal Hüppi beendet «Musik im Festsaal» mit dem Thema «Trost»
Der Ostschweizer Pascal Hüppi, Ressortleiter bei «Musik im Festsaal», blickt nach dem vorzeitigen Ende der Reihe auf seine Arbeit, das Umfeld und die Resonanz aus dem ...
Pascal Hüppi beendet «Musik im Festsaal» mit dem Thema «Trost»
Der Ostschweizer Pascal Hüppi, Ressortleiter bei «Musik im Festsaal», blickt nach dem vorzeitigen Ende der Reihe auf seine Arbeit, das Umfeld und die Resonanz aus dem Publikum zurück. Murikultur-Geschäftsführerin Cindy Mäder ordnet ein, wie es zum Entscheid kam.
Verena Anna Wigger
Mit dem zweijährigen Veranstaltungszyklus «Puls von Muri» nähert sich «Musik im Festsaal» thematisch dem Jubiläum 1000 Jahre Kloster Muri. Dabei wird das Publikum mitgenommen auf eine Reise durch die Gegenwart Richtung Jubiläum im Jahr 2027, inhaltlich verbunden mit Angst, Wut, Trost und Freude. Doch die Reise endet nun beim Thema «Trost». Vielleicht sei es bezeichnend, dass die Reihe so abschliesst, philosophiert Ressortleiter Pascal Hüppi beim Gespräch im Café von Muri Info.
Hypothek mit guter Aussicht
Als er sich für die Stelle des Ressortleiters «Musik im Festsaal» beworben habe, wurde er grob über die Ausgangslage mit seinem Vorgänger informiert. Er fand das «zwar ungünstig, aber eine spannende Herausforderung, weil man sich nicht unbedingt im Weg stehen muss». Die grossartige Akustik im Festsaal und die Aussicht, das 1000-Jahr-Jubiläum musikalisch mitzugestalten, sowie die gute Qualität fand er insgesamt reizvoll.
Sich der Aufgabe nähern
So habe er sich auch mit dem Vorgänger Renato Bizzotto getroffen und sei neutral an die Sache herangegangen. Man müsse sich ja nicht in die Quere kommen, war er überzeugt. Er habe versucht, ein Programm aufzustellen, welches sich von Muri Classics unterscheide. Zumal für Orchesterformationen das Budget nicht da gewesen sei.
Sein erstes Jahr bezeichnet er als Pilotphase, um sich Ort und Publikum anzunähern und um zu spüren, was dem Publikum gefällt. Dies funktionierte. «Es braucht halt einfach Zeit, um etwas aufzubauen.» Denn heute kommen Besucher aus dem Raum Zürich oder auch aus Deutschland an die Konzerte. Dazu brauche es Finanzen und Ticketeinnahmen, um eine solche Reihe aufzubauen.
Grosse Dichte, wenig Neugierige
Nach Corona sei es grundsätzlich schwieriger geworden, ein Publikum für solche Formate zu begeistern, sagt Hüppi, der am neuen Barockfestival des Opernhauses Zürich mitarbeitet. Zwar hätten sich die Besucherzahlen innerhalb der Reihe verbessert, doch sei ein gewisses Überangebot in der Region spürbar. «Es sind zu wenig Neugierige, die zu uns kamen. Aber diejenigen, die kommen, sind begeistert.» Auch darum bedauert Hüppi den Entscheid von Murikultur. Hüppi, der Gesang, Philosophie und Kulturmanagement studierte, stellte fest, dass in dieser ländlichen Umgebung «viele hochkarätige Konzerte stattfinden». Da gehe es nur über Kooperationen und die Zusammenarbeit der Kulturschaffenden, ist der Ostschweizer überzeugt.
Zeit und Druck waren immer ein Thema, bereits in der Konzeptionsphase. Damals musste er innerhalb von drei Wochen ein Programm zusammenstellen. «Das war eine grosse Herausforderung», sagt er. Denn so kurzfristig gute und passende Künstlerinnen und Künstler zu finden, dies bei einem 30-Prozent-Pensum, das sei anspruchsvoll. Seinen Schwerpunkt legte Hüppi auf Vokalmusik, dies ist auch sein Hintergrund, sagt der ausgebildete Bariton. Er sah das Programm als Ergänzung zu den bestehenden Programmen in und um Muri. Damit wollte er dem Publikum die Möglichkeit geben, sich mit Vokalmusik zu beschäftigen. «Es war ein Versuch», sagt der 33-Jährige, der in Luzern und London Gesang studiert hat.
Impulsgespräche zum Annähern
Hüppi hat die den Konzerten vorgelagerten Impulsgespräche eingeführt. Dabei wurde das Thema des Abends mit den Künstlern und namhaften Persönlichkeiten vertieft. Hier hat er auf Namen gesetzt, welche die Leidenschaft und Neugier beim Publikum wecken. Beim Konzert unter dem Thema «Trost» waren dies Psychoanalytiker und Autor Peter Schneider und Pianist Oliver Schnyder.
In dieser Zeit kam für ihn aber auch der Dämpfer. Drei Wochen nach seinem Start in Muri hat die Geschäftsleitung die Kündigung eingereicht. Und auch im Stiftungsrat haben sich grössere Wechsel angebahnt. Die Personen, die ihn eingestellt hatten, waren in Kürze weg. In seiner Zeit bei Murikultur habe er viel gelernt, sagt der St. Galler. «In künstlerischer Hinsicht hatte ich eine gute Zeit.» Es waren tolle Konzerterlebnisse, aber auch die Nähe zum Publikum habe er geschätzt. So hat er im Nachgang zu den Konzerten aus dem Publikum Dankbarkeit erlebt. «Ich bin enttäuscht», betont er und das will er nicht verbergen. Er findet es schade, dass die Reihe nicht weitergeführt wird. Dass nun die Kooperation mit Boswil gesucht wird, das sieht er. Und noch etwas ist ihm wichtig: Manche denken, Musik sei immer nur Schönklang. Sie sei das, aber nicht nur. «Musik darf auch kritisch anregen.»
Ein Geschenk mit Folgen
Cindy Mäder zum Ende von «Musik im Festsaal»
«Es ist eindeutig, dass die vielen klassischen Konzerte einander das Publikum wegnehmen», erklärt Murikultur-Geschäftsführerin Cindy Mäder. Ein wesentlicher Grund, wieso der Reihe «Musik im Festsaal» nicht mehr Zeit gegeben werden konnte, liege im frühzeitigen Geschenk des Singisenflügels. Diesen hat Franz Käppeli Murikultur als Schenkung vermacht.
Nicht budgetierte Ausgaben
«Das ist ein schönes Geschenk», sagt die Geschäftsführerin, und es freue sie, dass Murikultur damit einen gesicherten Sitz hat. Gleichzeitig bringe es einen hohen fünfstelligen Betrag an Betriebskosten, mit dem sie zu diesem Zeitpunkt nicht gerechnet hätten. «Es ist eine Herausforderung, die in die Gesamtrechnung einbezogen werden muss», so die Geschäftsführerin. Daher mussten Stiftungsrat und Geschäftsführung einen Entscheid treffen, damit sie den Verpflichtungen nachkommen können.
Wie Mäder weiter ausführt, steht Murikultur auf gesunden Füssen. Damit das weiter so bleibe, «haben wir intern die Betriebskosten durchleuchtet und sind daran, diese wo möglich zu senken», sagt sie. Sie sind in Gesprächen mit der Gemeinde, dem Kanton, aber auch daran, die Räumlichkeiten wie den Singisensaal noch stärker zu vermarkten. Denn ihr Fokus ist klar: «Wie können wir zusätzliche Einnahmen generieren?»
Dem Vertrauen Sorge tragen
Mäder betont, «dass wir die Verantwortung für jeden gespendeten Franken tragen», dies seien sie ihren Gönnern und Sponsoren schuldig. «Wenn wir sehen, dass das Geld nicht gut eingesetzt ist, müssen wir reagieren», sagt sie weiter. Damit ziele sie nicht auf die Arbeit im Ressort «Musik im Festsaal», vielmehr auf den Umstand, dass diese «Reihe einfach mehr Schnauf benötigt hätte». Die Frage, ob die Weiterführung von «Musik im Festsaal» ein Fehler war, lässt Mäder nicht gelten. Aus dem jetzigen Umstand wolle man die Lehren ziehen und so ergebe eine Zusammenarbeit mit dem Künstlerhaus Boswil Sinn. Hier seien die Gespräche fortgeschritten. Sie selbst ist eine begeisterte Konzertbesucherin und setzt mit ihrem Team darauf, dass die Qualität, welche in Muri geboten werde, top bleibe.
Pascal Hüppi wünscht sie viel Erfolg auf seinem Weg. «Er hatte einen schweren Start und hat es super gemacht», so Mäder. Er habe neue Ideen und Ansätze eingebracht, dies habe sie geschätzt. --vaw

