Dieses besondere Gefühl
12.06.2026 Sport, KampfsportKickboxen: Sanem Oruclar erzählt ihre Geschichte, wie sie innert vier Jahren eine Transformation dank dem Sport erlebte
Die 19-jährige Sanem Oruclar aus Wohlen hat erst vor vier Jahren mit dem Kickboxen begonnen. In dieser kurzen Zeit veränderte sich bei ...
Kickboxen: Sanem Oruclar erzählt ihre Geschichte, wie sie innert vier Jahren eine Transformation dank dem Sport erlebte
Die 19-jährige Sanem Oruclar aus Wohlen hat erst vor vier Jahren mit dem Kickboxen begonnen. In dieser kurzen Zeit veränderte sich bei ihr dank dem Sport «unfassbar viel», wie sie sagt. Vor ihrem Kampf am Wochenende erzählt sie ihre Geschichte.
Stefan Sprenger
Früher war sie schüchtern. Körperlich war sie gar nicht fit, ein wenig pummelig. «Ich fühlte mich gar nicht wohl in meiner Haut», sagt Sanem Oruclar. An der Schule wurde sie deshalb aufgezogen.
Heute, nur wenige Jahre später, strotzt die junge Frau vor Selbstbewusstsein, ist mental und körperlich topfit. «Es hat sich in den letzten vier Jahren unfassbar viel verändert», sagt sie. Als sie 15 Jahre alt war, ging sie in ein Probetraining zu Roy Cipriano. «Ich war sofort fasziniert. Ich hatte grossen Spass», sagt die ehemalige Bezirksschülerin Oruclar. Jene Entscheidung prägt sie fortan.
«Als ich anfing, war ich mitten in der Pubertät. Da war einiges los. Durch das Kickboxen lernte ich, mit meinen Emotionen umzugehen. Während des Trainings denke ich an nichts, es tut so gut. Ich kann einfach abschalten. Das Gefühl, das mir der Sport gibt, ist richtig toll.»
Und natürlich lernt Oruclar viel von den erfahrenen Kämpfern wie Roy Cipriano. Und natürlich vom Chef – von Kickbox-Weltmeister Rocco Cipriano. Von ihm lernt sie nicht nur, wie man richtig kämpft, sondern Cipriano gibt ihr – wie allen Mitgliedern von Kickboxing Wohlen – ganz viel mit auf den Lebensweg ausserhalb des Dojos. «Als Mensch und Sportler ist Rocco Cipriano eine Inspiration. Er ist mehr als ein Coach. Das bleibt für immer.» Oruclar betont, dass andere Kickbox-Vereine in der Schweiz immer erstaunt sind, wie stark der Zusammenhalt bei Kickboxing Wohlen ist. «Das ist kein Zufall», sagt Oruclar.
Meistertitel, Schwarzgurt, Fight Night
Ihr Ehrgeiz wird im Laufe der Zeit grösser. Die Disziplin ebenso. Heute trainiert sie fast jeden Tag, manchmal sogar zweimal. Krafttraining, Joggen und natürlich im Dojo an der Zentralstrasse in Wohlen. Oft ist ihre beste Freundin dabei: Malin Georgiev, die ebenfalls für KB Wohlen kämpft.
Nebst der Schule – sie absolviert die Wirtschaftsmittelschule mit Berufsmatur in Aarau – gibt es eigentlich nur noch den Sport für sie. Das macht sie stolz. «Mit 15 hätte ich mir nicht vorstellen können, dass ich einmal im Ring kämpfe», sagt sie – und muss dabei lachen. Denn heute besteht ihre Welt praktisch aus Fights. Vor vier Jahren beginnt sie mit dem Kickbox-Training, vor drei Jahren macht sie ihren ersten Kampf auf dem Tatami und seit einem Jahr kämpft sie im Ring. Ein steiler Aufstieg.
Oruclar wird Schweizer Junioren-Meisterin, nimmt an der EM und der WM im Nachwuchs teil. In diesem Jahr war sie erstmals an den Schweizer Meisterschaften der Aktiven dabei. Im Final scheitert sie knapp – «und unverdient», wie sie anfügt. Über den Vize-Titel (bis 60 kg) im K1 ist sie dennoch stolz. «Aber ich will beim nächsten Mal den Titel.» Es ist nicht ihr einziges Ziel. Nebst der SM im Oktober will sie in diesem Jahr die Schwarzgurt-Prüfung bestehen. Am 5. September steht die «Xplosiv Fight Night» im Schüwo-Park Wohlen an. Eine Gala-Night für den Kampfsport, organisiert durch Kickboxing Wohlen. Auch da ist Oruclar dabei. Eine Teilnahme an einer Welt- und Europameisterschaft der Erwachsenen will sie ebenfalls erreichen. «Ich will einfach so viel kämpfen, wie es nur geht», sagt sie.
An diesem Samstag darf sie wieder in den Ring. An der «Gladiators Night» in der Stadthalle Dietikon, bei der mehrere Tausend Zuschauer sind. «Ich bin nicht so nervös wie auch schon. Ich weiss, ich kann mithalten, und bin zuversichtlich, dass ich gewinne.»
Fünf Wohler am Samstag an der «Gladiators Night»
Neben Oruclar bestreiten weitere Akteure von Kickboxing Wohlen einen Kampf an der «Gladiators Night». Luis Wenk, Silvio Pace und Sanem Oruclar sind bei den Amateuren dran, Fion Jupolli und Roy Cipriano bestreiten Profi-Kämpfe. Die gleichen fünf Kämpfer waren vor wenigen Tagen bereits erfolgreich an einem Turnier in Oslo vertreten. Übrigens: Die Eltern von Sanem Oruclar sind an ihren Kämpfen selten bis nie mit dabei. Sie erklärt: «Meine Eltern unterstützen mich sehr, aber sie schauen nicht gerne zu, wenn ihre Tochter im Ring steht. Besonders mein Vater hält das kaum aus. Er würde dann am liebsten auch in den Ring steigen», sagt sie lachend. Übrigens: Ihr Vater führte einst das «Venti»-Restaurant in der Nähe des Wohler Bahnhofs und hat heute das Lokal «Nido» in Niederrohrdorf.
Sanem Oruclar begann einst als schüchternes und unsportliches Mädchen. Heute ist sie eine selbstbewusste Frau mit viel innerer Ruhe. «Weil ich im Dojo auch beim Training mit den Kindern und Jugendlichen mithelfen darf, lernte ich auch eine Vorbildfunktion. Und ich mag das.» Sie selbst hat zwei jüngere Schwestern. Der Entscheid, mit dem Kickboxen zu starten, sei «jetzt schon etwas vom Besten, was ich in meinem Leben getan habe».


