Drei Genres aus einer Hand
14.07.2026 Muri, KulturVielfältige Autorin aus Muri
Anja Böhme schreibt für Klein und Gross
Mit ihrem ersten Kinderbuch hat sie dieses Jahr den Stuttgarter Buchpreis abgeräumt. Anja Böhme alias Anna Lummfeld schreibt allerdings auch für Erwachsene ...
Vielfältige Autorin aus Muri
Anja Böhme schreibt für Klein und Gross
Mit ihrem ersten Kinderbuch hat sie dieses Jahr den Stuttgarter Buchpreis abgeräumt. Anja Böhme alias Anna Lummfeld schreibt allerdings auch für Erwachsene – mit Erfolg, wie die zahlreichen Rezensionen belegen: Sowohl ihre Romane im Bereich «Urban Fantasy» als auch ihre prickelnden Liebesgeschichten haben demnach eine Fangemeinde gefunden. Künftig soll auch Muri zum Handlungsort werden.
--tst
Anja Böhme aus Muri steht als ausgezeichnete Autorin für eine aussergewöhnliche Vielfalt
Für ihr erstes Kinderbuch wurde sie mit dem Stuttgarter Buchpreis ausgezeichnet. Angefangen hat Anja Böhme aus Muri allerdings mit «Urban Fantasy» und ergänzend dazu schreibt sie auch Liebesgeschichten – alles unter dem Pseudonym Anna Lummfeld.
Thomas Stöckli
«Was wäre, wenn es Menschen gäbe, die eine besondere Gabe haben, nämlich, dass alte Häuser ihnen ihre Geschichte anvertrauen?» Die Frage schwirrte Anja Böhme durch den Kopf, als sie in dem Haus aus dem 18. Jahrhundert, das der Opa ihren Eltern hinterlassen hat, unter mehreren Tapetenschichten auf alte Wandmalereien stiessen. «Den Wunsch, ein Buch zu schreiben, hegte ich schon lange», so die Murianerin, nun hatte sie endlich auch die grosse Idee dazu.
«Urban Fantasy» zum Start
«Die Haushörerin» heisst das Buch, das aus dieser Idee entstand. Publiziert hat es Anja Böhme vor sechs Jahren als «Anna Lummfeld». Ganz bewusst habe sie sich damals für ein Pseudonym entschieden: «Einfach mein Leben, meinen Alltag und die Rollen, die ich einnehme, hinter mir lassen und die Autorin sein. Ein Stück weit eine andere Persönlichkeit annehmen.» Und warum Anna Lummfeld? Der Name führt zurück auf eine ihrer Lieblingsinseln: Helgoland. «Die Lange Anna ist das Wahrzeichen der Nordseeinsel.» Zudem ähnelt Anna ihrem tatsächlichen Vornamen Anja. Lummfeld bezieht sich auf den Lummenfelsen auf Helgoland, einem der kleinsten Naturschutzgebiete Deutschlands. «Hier brüten unter anderem die Trottellummen, die dem Felsen auch den Namen gaben», so die Autorin.
Als «Urban Fantasy» bezeichnet Anja Böhme das Genre, in dem sich in einer realistischen Welt Magisches abspielen kann. Hauptprotagonisten sind die 20-jährige Lilli und Ben, der einer geheimen Gemeinschaft angehört. Lilli findet sich plötzlich in einer Szene wieder, die sich in dem Haus vor langer Zeit ereignet hat. Eingreifen kann sie nicht, nur beobachten. Es entwickelt sich eine spannende Geschichte, geprägt von Gefahr und Gefühlen.
Eigentlich wollte sie ihre Geschichte in einem Buch erzählen. Obwohl kein zweiter Band vorgesehen war, fand die Murianerin sämtliche Anknüpfpunkte, die sie für den Fortsetzungsroman «Die Hausflüsterin» brauchte. Im zwei Jahre später erschienenen Teil zwei entwickelt Lilli ihre Gabe weiter. Ein dritter Band soll die Geschichte ein letztes Mal weiterentwickeln und dann zu einem definitiven Abschluss bringen.
Auszeichnung fürs Kinderbuch
Dazwischen lief allerdings noch ganz viel anderes. Anja Böhme hat ihr schriftstellerisches Wirken auf zwei ganz andere Genres ausgeweitet. Ihr erstes Kinderbuch schrieb sie 2024: «Die Sache mit der Löwenmähne» heisst es und erzählt die Geschichte einer Freundschaft, gespickt mit Humor, Mut und Abenteuerlust. Das Buch begeisterte offenbar nicht nur die Kleinen, so wurde Anja Böhme dafür im Februar mit dem Stuttgarter Buchpreis ausgezeichnet. «Ich habe grossen Wert auf eine kindgerechte Sprache gelegt», so die Autorin, «und mir war es wichtig, dass auch mein Kinderbuch durchs Lektorat und Korrektorat lief.» Ferner setzte sie anstelle von KI-generierten Bildern auf die Zusammenarbeit mit einer Illustratorin. Die Inspiration lieferte auch hier die Realität, nämlich ein Polizeieinsatz, der im Juli 2023 international für Schlagzeilen sorgte: Der vermeintlich gesichtete Löwe, der damals an der Berliner Stadtgrenze gesucht wurde, konnte schliesslich als Wildschwein identifiziert werden.
Prickelnde Liebesgeschichten
Parallel zur Arbeit an «Der kleine Stern hat Angst, vom Himmel zu fallen», ihrem zweiten Kinderbuch über Mut und Herzenswünsche, schrieb die Murianerin an einem prickelnden Liebesroman. «A Love Like Spicy Summer Mint» heisst dieser. Er handelt in Hamburg und erzählt die Geschichte der ehrgeizigen Jungunternehmerin Charlotte, die Eiswagen-Betreiber Toni kennenlernt. «Bittersüss, gefühlvoll und spicy», kategorisiert die Autorin, «mit einer Extraportion Liebesstreusel.»
Auch hier gibt es inzwischen einen zweiten Teil: In «A Love Like Chili Berry Dreams» dürfen sich zwei Nebencharaktere aus Band eins als Hauptprotagonisten entfalten: Der selbstverliebte Influencer Morton und die Veganerin Stella scheinen das Heu ganz und gar nicht auf der gleichen Bühne zu haben. Wie es zwischen ihnen doch noch zu knistern beginnt, das ist das Geheimnis dieser «Enemies-to-Lovers»-Geschichte.
Spannende Charaktere
Kinderbücher, Fantasy und Liebesgeschichten – Anja Böhme lässt sich als Autorin schwer in eine Schublade stecken. Mit Augenzwinkern bezeichnet sie sich als «Gemischtwarenladen», in vollem Bewusstsein, dass die Vielfalt in einem Markt, der sich stark an Genretreue orientiert, nicht unbedingt ein Vorteil ist. «Ich könnte mir auch vorstellen, künftig einen Thriller oder einen Krimi zu schreiben», sagt sie. Zu düstere Liebesgeschichten seien allerdings nicht ihr Ding.
Einiges haben ihre Geschichten allerdings auch gemeinsam. Etwa die tollen Protagonisten. «Ich habe ein Faible für liebenswerte Nebenfiguren», sagt Anja Böhme. Als Beispiel nennt sie die «Violetta Mangold», eine schrille Persönlichkeit, die immer zu sich selbst steht. In «Lilli», der Haushörerin und -flüsterin, stecke ganz viel von ihr selbst drin, so die Autorin, ebenso in «Charlotte» aus «Spicy Summer Mint». Aber auch richtig fiese Typen dürfen sein: «Es macht Spass, über so jemanden zu schreiben.»
Leseempfehlung für die Badi
Wichtig ist ihr auch, unkonventionelle Familienkonstellationen zu zeigen. Weiter sollen sich ihre Protagonisten entwickeln dürfen, in ihrer Persönlichkeit ebenso wie in ihrer Beziehung zueinander. Grundsätzlich laden die Bücher der Murianerin ein, eine Auszeit aus dem eigenen Alltag zu nehmen. «Wenn ich schreibe, sehe ich einen Film ablaufen», sagt sie. So gelingt es ihr, den Leserinnen und Lesern das Gefühl zu vermitteln, in die Szenen eintauchen und ganz nahe dabei sein zu können. Bisher spielen die Erwachsenenbücher alle in Hamburg. Dort ist sie aufgewachsen. Künftig will sie auch mal ein Buch schreiben, das in ihrer neuen Wahlheimat spielt. In der Schweiz lebt sie seit 19 Jahren, in Muri seit 2013.
Und was würde sie jemandem empfehlen, der noch nichts von ihr gelesen hat? «Das ist ganz individuell», weicht sie erst aus. Dann wird sie doch noch konkreter. Was sich gut in der Badi lesen lasse, sind die Bücher der Reihe «A Love Like»: «Die spielen auch im Frühling und Sommer.»


