Durch den Gotthard nach Babylon
02.06.2026 Region Bremgarten, Künten, MusikGesangsfest des Sängerbunds Freiamt-Hasenberg
Neun Verbandschöre und eine Gastformation präsentierten in der Kirche beschwingte und getragene Lieder in allen Landessprachen und aus verschiedenen Stilrichtungen. Darunter befanden sich auch bekannte ...
Gesangsfest des Sängerbunds Freiamt-Hasenberg
Neun Verbandschöre und eine Gastformation präsentierten in der Kirche beschwingte und getragene Lieder in allen Landessprachen und aus verschiedenen Stilrichtungen. Darunter befanden sich auch bekannte Ohrwürmer.
Erika Obrist
Eingebettet in das grosse Künter Jugend- und Dorffest «künterbunt» war das Gesangsfest des Sängerbunds Freiamt-Hasenberg. Wie so oft in Künten, warteten die Organisatoren des heimischen Männerchors um Präsident Markus Staubli mit einer Neuerung auf. Die Chöre bereiteten sich nicht in einem Nebenraum vor, um danach in der Kirche ihre zwei Lieder vorzutragen und danach wieder zu gehen. Nein, am letzten Samstag versammelten sich alle Sängerinnen und Sänger in der Kirche. «Alle Chöre sollen einander zuhören können, sich gegenseitig befruchten und neue Ideen aufnehmen», erklärte Markus Staubli das Konzept. Zu diesem gehörte auch das gemeinsame Einsingen unter Leitung des Verbandsdirigenten Stephan Wiedmer sowie die Veteranenehrung vor den Liedvorträgen des jeweiligen Chors. Diese Ehrungen nahmen Verbandspräsident Markus Wiederkehr (Wohlen) und Vizepräsident Bruno Sekinger (Tägerig) vor. So viel vorneweg: Dieses Konzept ist gut angekommen bei den Sängerinnen und Sängern sowie beim Publikum. Nur eines hatten die Organisatoren nicht vorausgeahnt: Beim Liedvortrag des letzten Chors läuteten die Kirchenglocken – sehr laut und sehr lang.
Rod Stewart und Stubete Gäng
«Es ist eine Freude, ein solches Fest miterleben zu dürfen», sagte Verbandspräsident Markus Wiederkehr. Er dankte dem Männerchor Künten und Markus Staubli fürs Ausrichten des Sängertags und wünschte allen Chören viel Erfolg. «Macht es gut!», wünschte er ihnen. Dem folgten die rund 200 Sängerinnen und Sänger umgehend.
Der Auftakt gestaltete der einheimische Chor Künten unter Leitung von Stephan Wiedmer. Diesem Chor zuzuhören, ist immer eine Freude. Weil er ein harmonisches Ganzes bildet und ab und zu auch mit einer Überraschung aufwartet. Die Überraschung diesmal: Dirigent Stephan Wiedmer hat das Lied «Heimatsterne» selber arrangiert. Wie vielfältig das Liedgut der Chöre ist, zeigte sich in der Folge. Da wurde vom Männerchor Berikon mit «Funiculì-Funiculà» die erste Standseilbahn auf den Vesuv besungen, der gemischte Chor Remetschwil präsentierte mit «Vieni sulla Barchetta» eine Tessiner Volksweise, der Männerchor Aristau intonierte «I am Sailing», ein Ohrwurm von Rod Stewart, und der Männerchor Oberwil-Lieli tanzte den «Kriminaltango» von Hazy Osterwald. Den Männerchor Sins zog es nach Babylon; mit diesem Lied landete die Gruppe Boney M. einst einen Megahit. Der Männerchor Beinwil / Freiamt besang «Die Wunder dieser Welt» und der Männerchor wollte beim «Zapfenstreich» noch lange nicht nach Hause. Sich richtig mitreissen lassen hat sich das Publikum beim Hit «Göschene Airolo» der Gruppe Stubete Gäng. Vorgetragen wurde dieser Ohrwurm vom Männerchor Aristau.
Nachwuchs fehlt
Ganz traditionell präsentierte sich das Fyrabigchörli Rüüssblick. Diese Jodlerformation mit zwei Frauen und acht Männern, viele vom Männerchor Oberwil-Lieli, gibt es seit drei Jahren. Die Formation trug ein Jodellied sowie einen Fyrabigjuuz vor. Die Leute in den Kirchenbänken hörten fast andächtig zu. Wie sehr es den Chören an Nachwuchs fehlt, zeigte sich auch bei den Männerchören Rudolfstetten-Friedlisberg-Bergdietikon und Widen. Sie traten gemeinsam auf, weil die Mitgliederzahl in beiden Chören weniger wird und damit auch die Stimmfülle der beiden Chöre. Zum Glück haben sie mit Liuba Chuchrova dieselbe Dirigentin, was der Harmonie förderlich ist. Dem Chor zuzuhören, war jedenfalls eine Freude – wenn da nicht die störenden Kirchenglocken gewesen wären. Auch wenn das Konzept des Gesangsfestes neu war, an einem Programmpunkt haben die Organisatoren nicht gerüttelt: Am Schluss sangen alle Chöre miteinander das Lied «Bajazzo». Mächtig tönte es aus allen Kehlen: «Warum bist du gekommen, wenn du schon wieder gehst?»
Die Antwort darauf war am Samstag in Künten schnell gegeben: Die Chöre waren zum Singen gekommen und um die Kameradschaft zu pflegen. Auch nach dem bunten Gesangswettstreit im Zelt auf dem Dorffestgelände.



