Ein Dialog zwischen Hand und Werk
05.05.2026 Wohlen, Kultur, Kunst, SchuleAusstellung der Abschlussklassen im Schwerpunktfach (SPF) Bildnerisches Gestalten
Die Abschlussausstellung des Schwerpunktfachs Bildnerisches Gestalten der Kanti Wohlen ist im Kulturwerk Bleichi zu Gast. In diesem Jahr präsentieren die Schüler ihre ...
Ausstellung der Abschlussklassen im Schwerpunktfach (SPF) Bildnerisches Gestalten
Die Abschlussausstellung des Schwerpunktfachs Bildnerisches Gestalten der Kanti Wohlen ist im Kulturwerk Bleichi zu Gast. In diesem Jahr präsentieren die Schüler ihre Abschlussarbeiten unter dem Titel «Hand Werk».
Monica Rast
Neugierig und interessiert schreitet Verena Schütz von der Kunstkommission durch das Foyer des Kulturwerks Bleichi. Sie ist fasziniert von den Werken der jungen Künstler. «Vielleicht können wir etwas für die Kunstkommission anbändeln», meint sie schmunzelnd, «momentan sind unsere Künstler alle Ü60.»
25 Schülerinnen und Schüler des Schwerpunktfachs Bildnerisches Gestalten haben sich in den vergangenen drei Monaten intensiv mit dem Thema «Hand_Werk» auseinandergesetzt. Die Hand als ausführendes, gestaltendes Körperteil und das entstandene Werk als Resultat einer zielgerichteten Handlung.
«Die Geschichte der Bleichi ist tief mit den Händen verbunden», begrüsst Denise Brändli, SPF-Lehrperson die zahlreich erschienenen Besucher. «Damals war Wohlen mit seinen Strohhü- ten das Zentrum eines echten Handwerks. Mit dieser Ausstellung schlägt der Bogen von damals zu heute – gewissermassen von Hand zu Hand.»
Als die Fachlehrpersonen Barbara Aabid, Denise Brändli, Lukas Leuenberger und Gaby Rey das Thema definierten, waren sie sich nicht einig, ob Hand_Werk ein, zwei oder sogar drei Worte darstellen.
Die Schüler konnten so tief in das Thema eintauchen und mit viel Freiheit den eigenen Fragen nachgehen. «Kunst beginnt dort, wo man anfängt. Was hier hängt, liegt, steht oder sich bewegt, ist eure Stimme», meint Brändli zu den Abschlussklassen, «es ist etwas vom Wertvollesten, was ihr aus eurer Ausbildung mitnehmt.»
Von einem Pingpong-Spiel zur Ausstellung
Dabei entsprach die ursprüngliche Idee nicht immer den entstandenen Resultaten. Barbara Aabid vergleicht die Entstehung mit einem Pingpong-Spiel – ein Hin und Her, bis es passt. Von der Idee zur Ausführung. «Es gibt kein Rezept für die Entstehung eines Kunstwerks», erklärt sie. «Man kann Ideen aus dem Internet zusammentragen, doch muss man dabei mutig sein und auf sein Bauchgefühl hören.»
So entstanden während 45 Lektionen, unzähligen Freistunden, schlaflosen Nächten, weggeworfenen Skizzen, Gesprächen mit Lehrpersonen und sehr viel Mut und Durchhaltewillen 24 Kunstwerke, zum Teil mit bewusstem Tiefgang. So wie die Arbeit der Schuhinstallation, die sich mit dem Thema Gewalt an Frauen und den unsichtbaren Folgen auseinandersetzt. Oder das Bild, das mit der Frage spielt: Wann wird eine Berührung zu einem Griff.
Die Hand als Instrument der Macht, des Besitzes und der systematischen Unterdrückung.
Ein Senklot als sinnbildlicher Wegweiser
Die Kunstwerke widerspiegeln die Vielfältigkeit der Maturanden. Als Andenken an die intensive Zeit des Entstehens erhalten sie ein Senklot. «Wie ein Lot die Richtung bestimmt, musstet ihr spüren, ob euer Arbeitsprozess den richtigen Weg einschlägt», meint Barbara Aabid. «Das Senklot macht das, was ihr gemacht habt. Es lotet aus, ob es passt oder ob man noch etwas ändern muss. Mit der Hoffnung, dass das zuverlässigste Messinstrument in euch drinnen ist.»
Jedem Schüler wurde mit persönlichen Worten zur Arbeit das Geschenk überreicht. Nicht selten sorgten die Worte der Lehrer für erstaunte Gesichter bei den Schülern. So bekam man unter anderem zu hören: «Schuhe, die Geschichten erzählen. Eine Box mit Weitsicht. Sieben Glocken aus Ton und Zufall. Spuren alter Traditionen in neuen Hüllen oder ein Bild, das nach Handwerk riecht.
Bei den Besuchern verursachen die Aussagen eher fragende Gesichter. Und so ist man beim Rundgang durch die Ausstellung auf der Suche nach den betreffenden Kunstwerken. Die Ausstellung zeigt Arbeiten aus den Bereichen Installation, Video, Fotografie, dreidimensionales Gestalten, Malerei und Zeichnung. Eine spannende Reise zwischen Gedanken und Umsetzung.
Mit der Ausstellung im Foyer des Kulturwerks Bleichi der Schülerinnen und Schüler des SPF Bildnerisches Gestalten ist laut Stefan Hegi die Inbesitznahme des Kulturwerks gelungen. «Es ist schön, wie das Foyer dazu genutzt wird. Sogar die weissen und schwarzen Vorhänge werden integriert», sagt der Architekt und Bauherr des Kulturwerks.


