Thomas Stöckli, Redaktor.
Manchmal läuft es einfach im Leben. Man gerät in einen «Flow», Herausforderungen lösen sich wie von selbst auf, scheinbar schneller, als sie vor einem aufgetaucht sind. ...
Thomas Stöckli, Redaktor.
Manchmal läuft es einfach im Leben. Man gerät in einen «Flow», Herausforderungen lösen sich wie von selbst auf, scheinbar schneller, als sie vor einem aufgetaucht sind. Und dann sind da noch die anderen Phasen. Kaum ist eine Krise überstanden, türmt sich schon die nächste als unüberwindbarer Berg vor einem auf. Das Licht erscheint am Ende des Tunnels – falls überhaupt – nur winzig klein. Da fällt es schwer, die Zuversicht zu bewahren.
Inspiration kommt von unerwarteter Seite: Kürzlich habe ich auf Youtube ins Videotagebuch einer Töffreisenden hineingeschaut. Auf den Tank ihrer «Africa Twin» hat sie den Schriftzug «But did you die?» angebracht. Die Aufschrift hilft ihr unterwegs, das Erlebte einzuordnen: Ja, die Eindrücke einer langen Motorradreise können einen überwältigen. Ja, dabei läuft immer mal etwas schief. Und ja, wenn man allein unterwegs ist, fehlt die emotionale Erdung, die einem der Austausch mit Freunden geben kann. Aber eben: «Bin ich daran gestorben?» Solange die Töffreisende diese Frage lesen kann, lautet die Antwort immer «Nein!». Für sie ist es demnach ein hoffnungsvolles Nein.
Philosoph Friedrich Nietzsche (1844–1900) hat die Hoffnung einst als «das übelste der Übel» bezeichnet, «weil sie die Qual der Menschen verlängert». Ganz ehrlich? Das passt mir überhaupt nicht in meinen Argumentationsstrang. Ich suche weiter und finde ein anderes Zitat, ebenfalls von Nietzsche: «Die starke Hoffnung ist ein viel grösseres Stimulans des Lebens als irgendein einzelnes wirklich eintretendes Glück.» Das Spannungsfeld zwischen den beiden Aussagen zeigt die Ambivalenz auf, mit welcher der Philosoph die Hoffnung selbst erfahren hat.
Spannend wäre nun, zu wissen, aus welcher Lebensphase die jeweiligen Zitate stammen. Viel wichtiger ist aber die Erkenntnis, dass Nietzsche uns die Wahl lässt, ob wir das Glas lieber halb leer oder halb voll sehen möchten. Ich bin da ganz bei der Töffreisenden: Auch in Phasen, in denen es harzt, hilft es, sich vor Augen zu führen, was zusätzlich hätte schieflaufen können – und eben nicht schiefgelaufen ist. Dieser Perspektivenwechsel weckt Hoffnung und dient als Antrieb, um zurück in den «Flow» zu finden.