Ein Lächeln, das Barrieren bricht
13.03.2026 Region Bremgarten, KüntenDer Küntener Viktor Steiner berichtet von seinem Einsatz mit «Hands Around the World» in Kenia
Als Viktor Steiner kürzlich nach Kenia reist, will er sehen, was aus der Arbeit seines Bruders geworden ist. Was er erlebt, sind bewegende Begegnungen mit ...
Der Küntener Viktor Steiner berichtet von seinem Einsatz mit «Hands Around the World» in Kenia
Als Viktor Steiner kürzlich nach Kenia reist, will er sehen, was aus der Arbeit seines Bruders geworden ist. Was er erlebt, sind bewegende Begegnungen mit Kindern, engagierten Helfern – und Projekten, die mit einfachen Mitteln grosse Wirkung entfalten.
Sabrina Salm
«Eines der bewegendsten Bilder dieser Reise ist das Zusammentreffen mit einem Jungen im Rollstuhl», erzählt Viktor Steiner. «Es ist eines dieser Lachen, das sofort ansteckt.» Für Steiner wird dieser Moment zum Symbol der Reise: Trotz schwieriger Lebensbedingungen gibt es hier Hoffnung – manchmal auf vier Rädern.
Letzten Monat begleitete der heute in Künten lebende Steiner ein kleines Team des britischen Hilfswerks Hands Around the World (HATW) zu verschiedenen Projekten im Land. Ziel der Reise war es, Initiativen zu besuchen, die sich um Kinder mit schweren körperlichen oder geistigen Behinderungen kümmern. Steiner war Teil einer Gruppe aus Vorstandsmitgliedern, Projektleitern und lokalen Mitarbeitenden. Gemeinsam trafen sie Vertreter von Behörden, Schulen, Spitälern und Kirchen. «Menschen, die sich täglich für die Rechte und Chancen dieser Kinder einsetzen.»
Selber ein Bild vor Ort machen
Für Steiner ist diese Reise auch eine persönliche Geschichte. Vor rund dreissig Jahren gründete sein Bruder, der Arzt Dr. David Steiner, die Organisation. Auslöser war ein Jahr, das er mit seiner Familie in einem Krankenhaus in Sambia verbrachte. «Die hohe Kindersterblichkeit, verursacht durch Medikamentenmangel und fehlendes Personal, erschütterte ihn so sehr, dass er handeln wollte. Aus diesem Entschluss entstand Hands Around the World», erzählt Viktor Steiner. Er selber hat die Organisation seither über viele Jahre hinweg unterstützt – zunächst vor allem finanziell. Nun wollte er die Projekte erstmals selbst sehen. «Wir wurden eingeladen, uns ein Bild vor Ort zu machen», erzählt er. Solche Besuche seien wichtig, um Projekte zu überprüfen. Gleichzeitig seien sie ein Zeichen der Wertschätzung für die lokalen Teams, deren Motivation durch das internationale Interesse gestärkt werde. Was Steiner besonders beeindruckt, ist die Professionalität und Hingabe der Menschen vor Ort. «Sie leben unter schwierigeren Umständen als wir – einfacher, ärmer. Aber ihr Engagement ist enorm», sagt er.
Ein Beispiel dafür ist die Versorgung von Kindern mit zerebraler Kinderlähmungen. Viele von ihnen erhalten erstmals einen Rollstuhl, der speziell auf ihre Bedürfnisse angepasst wird. Für die Kinder bedeutet das weit mehr als Mobilität: Sie können aufrecht sitzen, besser essen und erstmals am Unterricht teilnehmen.
Innovation aus Pappe
Manchmal entstehen Lösungen aus erstaunlich einfachen Materialien. In Werkstätten werden mit der sogenannten Appropriate Paper Technology (APT) aus Altpapier und Kleister stabile Hilfsmittel gefertigt. Stehtrainer etwa helfen Kindern mit Spastiken, ihre Muskeln zu dehnen und eine aufrechte Haltung zu üben. «Sie sind leicht, kostengünstig und für viele Familien die einzige Möglichkeit, therapeutische Unterstützung zu erhalten», erzählt Steiner.
Auch Schulen profitieren von der Hilfe. In Einrichtungen wie der St. Lucy’s School lernen sehbehinderte Kinder gemeinsam mit sehenden Mitschülern. HATW unterstützt solche Schulen mit Lehrmaterial, Infrastruktur und hygienischen Einrichtungen. «Was für uns selbstverständlich ist, fehlt dort oft», sagt Steiner. Saubere Toiletten oder ausreichend Wasser seien keineswegs garantiert.
Besonders eindrücklich bleibt ihm eine Szene, bei der mehrere Kinder neue Rollstühle erhalten. «Organisiert durch den lokalen Methodistenbischof wurden die Geräte direkt vor Ort montiert und angepasst. Die Physiotherapeutin und ihre technischen Mitarbeiter arbeiten Hand in Hand, während Familien warten und zuschauen.» Doch der Bedarf ist gross. Viele Kinder leiden an Folgen von Sauerstoffmangel bei der Geburt, an Hydrozephalus oder an Spina bifida. Oft fehlt es jungen Müttern an medizinischem Wissen oder an Geld für den Transport ins nächste Krankenhaus. «Genau hier setzt die Arbeit von Hands Around the World an: mit konkreter Hilfe wie Rollstühlen oder Therapiegeräten und mit langfristigen Projekten.»
Viele wichtige Initiativen
Für Viktor Steiner ist die Reise auch eine Bestätigung seines eigenen Engagements. Sein Lebensweg führte ihn von Jersey über ein Physikstudium in London zur Forschung am CERN in Genf. Lange lebte er mit seiner Familie in Oberlunkofen, wo er sich in verschiedenen sozialen Projekten engagierte – etwa in der Asylbetreuung oder bei «Generationen im Klassenzimmer». Auch beim Aufbau von «Aufgetischt statt Weggeworfen» in Bremgarten und Oberlunkhofen wirkte er mit. «Helfen ist wichtig», sagt Steiner schlicht. Nach dem Verkauf seines Hauses spendete er einen grossen Teil des Erlöses an die Organisation seines Bruders. Noch ist offen, welches Projekt mit diesem Geld unterstützt werden soll. «Es gibt so viele wichtige Initiativen. Wir müssen gut überlegen, wo die Hilfe am dringendsten ist.» Die Eindrücke aus Kenia werden ihn dabei begleiten. Vor allem das Bild des lachenden Jungen im Rollstuhl. «Manchmal genügen ein Hilfsmittel, ein engagiertes Team und ein wenig internationale Solidarität, um einem Kind eine Zukunft zu öffnen», ist er überzeugt.



