Ein Neubau für Planungssicherheit
31.03.2026 Region Oberfreiamt, AristauDer Gemeinderat Aristau hat orientiert, wie er sich künftig die Unterbringung von Asylsuchenden vorstellt
Die Gemeinde Aristau erfüllt aktuell ihre Aufnahmequote. Es folgen allerdings gleich mehrere «Aber», die einen Neubau notwendig machen. Oder wie ...
Der Gemeinderat Aristau hat orientiert, wie er sich künftig die Unterbringung von Asylsuchenden vorstellt
Die Gemeinde Aristau erfüllt aktuell ihre Aufnahmequote. Es folgen allerdings gleich mehrere «Aber», die einen Neubau notwendig machen. Oder wie es Gemeinderat Fabian Trüb formuliert: «Da kommen wir schlecht drum herum.»
Thomas Stöckli
«Wie stehen Sie grundsätzlich zum geplanten Bau der Unterkunft?», ist die erste Frage, die sich den Besucherinnen und Besuchern der Infoveranstaltung in der Aula stellt. Nach seinen Ausführungen – und jenen von Architekt Martin Janser – hat Fabian Trüb, der im Gemeinderat unter anderem fürs Asylwesen zuständig ist, den QR-Code eingeblendet, der zu dieser Frage führte. Von den 27 Antworten, die im Laufe der Veranstaltung abgegeben werden, sind zwei Drittel «positiv» bis «sehr positiv». Knapp ein Viertel steht der Frage neutral gegenüber, gerade mal ein Neuntel (11 %) antwortet mit «negativ» bis «sehr negativ».
Kosten sind entscheidend
Mit der Wahl dieses digitalen Hilfsmittels hat der Gemeinderat einen klaren Überblick über die Meinungen im Raum erhalten – zumindest bei der Hälfte der Anwesenden, die tatsächlich ihr Smartphone gezückt und die Frage beantwortet hat. Zwei weitere Fragen gehen in die Tiefe. So können sich die Anwesenden noch dazu äussern, welche Aspekte ihnen am wichtigsten sind – nämlich Kosten vor Sicherheit und Standort –, und ihre persönlichen Kommentare, Inputs und Fragen einbringen.
Zu Beginn hat Fabian Trüb die Ausgangslage dargestellt. Mit dem Kriegsbeginn in der Ukraine ist die Aufnahmequote für die Gemeinde von sechs auf 15 Personen hochgeschnellt. Seither ist die Zahl weiter angestiegen, auf mittlerweile 21. «Per März erfüllen wir diese Quote», so Trüb. Allerdings sei das Container-Provisorium an der Bremgartenstrasse 17 in «miserablem Zustand» und «bietet keine Lebensqualität». Bei den insgesamt 15 Plätzen am Samiweg 22 und an der Käsereistrasse 21 handle es sich zudem nur um Mietobjekte, auf deren künftige Verfügbarkeit man sich nicht verlassen könne. Und drei weitere Personen sind derzeit bei Gastfamilien einquartiert. «Langfristig können wir nur für neun Plätze garantieren», hält Trüb fest, nämlich jene an der Schulstrasse 2, die neu als Asylwohnraum genutzt werden. Erfüllt eine Gemeinde ihre Aufnahmepflicht nicht, werden ihr durch den Kanton 90 Franken pro Flüchtling und Tag in Rechnung gestellt. Bei zwölf Personen – der derzeitigen Aufnahmepflicht von 21 Personen minus den «sicheren» Plätzen – wären das 1080 Franken pro Tag, «oder 394 200 Franken im Jahr», rechnet Trüb vor. Würden die Zahlen weiter ansteigen, dann noch mehr. «Wir müssen handeln», so seine Schlussfolgerung.
Einfach und robust
Den Kauf und die Umnutzung bestehender Bauten hat der Gemeinderat geprüft und verworfen. Im letzten Herbst wurde deshalb die Planung für einen Neubau angestossen. «Kein Luxusobjekt» solle es werden, so Trüb, sondern einfacher, aber robuster Wohnraum für 16 Personen, unterteilt in drei separate Wohneinheiten. «Das reduziert das Konfliktpotenzial.» Vorgesehen ist der Neubau zweigeschossig auf der Parzelle des jetzigen Container-Provisoriums. Vier weitere Parzellen seien geprüft worden. Für den bestehenden hat sich der Gemeinderat entschieden, weil er der Einwohnergemeinde gehört und am Dorfrand gelegen ist.
In Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Bark aus Widen hat der Gemeinderat drei Varianten in Erwägung gezogen: Einen Holzbau, wie ihn das Unternehmen in Widen jüngst realisiert hat, einen Container oder einen Massivbau. Letzteren favorisiert der Gemeinderat, weil er mit geschätzten Kosten von 1,35 Millionen Franken leicht günstiger ist als die Alternativen mit je knapp 1,42 Millionen Franken geschätzter Baukosten. Zudem sei der Massivbau die langlebigste Option, auch bezüglich Unterhalt. Im Erdgeschoss ist nebst Technik-, Wasch- und Lagerräumen eine schwellenlos zugängliche Wohngruppe vorgesehen, die beiden anderen Wohngruppen im Obergeschoss. Die Erschliessung erfolgt zentral dazwischen.
Gegen die Priorisierung der Massivbau-Variante erhob sich an der Infoveranstaltung kein Widerspruch. Stattdessen wird der Gemeinderat in der digitalen Umfrage aufgefordert, die Integration zu fördern und bei den Bauarbeiten lokale Unternehmen zu berücksichtigen. Weiter regen die Anwesenden an, die Möglichkeit einer späteren Aufstockung oder Erweiterung zu prüfen, ebenso wie jene einer Umnutzung, sofern die Asylzahlen wider Erwarten sinken sollten. Die Option einer künftigen Aufstockung sei möglich, aber mit Mehrkosten verbunden, orientiert Martin Janser. Für eine Erweiterung brauche es keine Vorinvestitionen, «wichtig ist da, die bewusste Platzierung des Baukörpers auf der Parzelle.»
Geplanter Bezug 2028
Bereits im Juni will der Gemeinderat den Planungskredit vors Volk bringen. Im Idealfall könnte der Baukredit dann noch dieses Jahr an der Winter- «Gmeind» folgen, der Baustart im Sommer 2027 und der Bezug im Juni 2028. Sollte die Planung länger gehen, würde sich die Bauzeit auf Januar bis Oktober 2028 verschieben. Wie er die Aufnahmequote während der Bauzeit erfüllen will, darauf kann der Gemeinderat noch keine Antwort liefern. «Es ist nicht auszuschliessen, dass wir dann auch mal zahlen müssen», sagt Fabian Trüb, verspricht aber auch, mögliche Alternativen zu suchen.




