Einstiger Kloster-Amtssitz
07.08.2026 MuriSpezielles Verkaufsobjekt
Einstiger Amtssitz des Klosters Muri
Schloss Horb im süddeutschen Dettingen: Das Erd- und das erste Obergeschoss gehören der Stadt, das zweite Obergeschoss ist in Privatbesitz. Die aktuellen Eigentümer wollen diese ...
Spezielles Verkaufsobjekt
Einstiger Amtssitz des Klosters Muri
Schloss Horb im süddeutschen Dettingen: Das Erd- und das erste Obergeschoss gehören der Stadt, das zweite Obergeschoss ist in Privatbesitz. Die aktuellen Eigentümer wollen diese Etagenwohnung nun verkaufen. «Am liebsten nach Muri», sagt Michael Krauss, der an ihrer Stelle den Verkauf regelt. Schliesslich baute das Kloster Muri einst das Schloss. --ake
Einzigartiges Verkaufsobjekt im süddeutschen Schloss Dettingen – samt Werken von Caspar Wolf
Eine aussergewöhnliche, herrschaftliche Etagenwohnung. Hinzu kommen ganz viele Emotionen. Die beiden Eigentümer verkaufen ihre Etagenwohnung im Schloss Dettingen. Das Anwesen ist eng mit dem Kloster Muri verbunden, nicht zuletzt wegen der bemalten Türen, die Caspar Wolf zugeschrieben werden.
Annemarie Keusch
Die Beletage. 270 Quadratmeter mit lichtdurchflutetem Innenhof. Exklusiver Wohnkomfort in einem denkmalgeschützten Ensemble. Kulturgut der Schweizer und süddeutschen Kunstgeschichte. An blumigen Worten, um das Objekt zu beschreiben, das aktuell zum Verkauf steht, fehlt es Immobilien-Kennern nicht. Es geht um das Schloss Dettingen bei Horb, im süddeutschen Raum. Rund zweieinhalb Stunden mit dem Auto von Muri entfernt. Dabei handelt es sich um den ehemaligen Amtssitz des Klosters Muri. Die Benediktiner waren es, die das Anwesen 1746 bauten. Abt Zurlauben hatte damals entschieden, dass das Kloster Land im heutigen Deutschland brauche. Mehrere Dörfer kaufte das Kloster dann von Adligen, errichtete im süddeutschen Raum einen kleinen Herrschaftsbereich.
Und 1746 liess man eben das Schloss bauen. «Auf den Grundmauern einer alten Burg», weiss Michael Krauss, der für die beiden Eigentümer den Verkauf regelt. Vor 16 Jahren haben sie diese gekauft. Eine befreundete Malerin habe im Gebäude gegenüber gelebt. «Sie sprachen immer wieder davon, dass sie diese Wohnung gerne kaufen würden. Als sie verkauft wurde, schlugen sie entsprechend zu.» Einer der beiden Eigentümer ist Kunsthistoriker, seine Faszination für das Objekt war schnell geweckt. «Es gibt in ganz Deutschland nicht viele Schlösser aus dem 18. Jahrhundert, die sich im Privatbesitz befinden», führt Michael Krauss aus.
«An nichts gespart»
1746 wurde das Schloss als Repräsentationsobjekt gebaut. Hier residierte der Abt, wenn er im süddeutschen Raum war. «Gespart haben sie beim Bau an rein gar nichts.» Die 3,4 Meter hohen Räume, die Rokoko-Stuckdecken – im Schlafzimmer des Abtes samt Engel in jeder Ecke der Decke –, die aufwendigen Böden. Und natürlich die Türen. «Ein schöner Barockbau, der seinesgleichen sucht.» Aber zurück zu den Türen. Diese sind für Murianer insofern doppelt wertvoll, weil sie vom hiesigen Alpenmaler Caspar Wolf bemalt wurden. «Davon geht man zumindest aus», sagt Krauss. Weil das Kloster Wolf einst seine Ausbildung zahlte und weil es darum naheliegend wäre, dass der junge Maler hier an den Neckar entsandt worden wäre, um zu malen. «Die Tapeten im Schloss Horben entstanden in etwa zur gleichen Zeit.»
Die Besitzer haben hier nicht permanent gelebt aber sie haben hier viel Zeit verbracht. An Wochenenden, manchmal ganze Wochen. «Das ideale daran ist, dass man oft allein ist.» Das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss gehören der Stadt Horb. Krauss betont: «Die Räumlichkeiten sind sowohl privat, aber auch gewerblich nutzbar.»
Fokus nach Frankreich richten
Nun haben die beiden aber entschieden, sich von diesem Objekt zu trennen. Leicht fiel ihnen dieser Entscheid nicht. Weil sie um den Wert der Liegenschaft wissen, zuzüglich des Emotionalen. Und weil sie die Geschichte des Schlosses kennen und wissen, dass ihre Vorbesitzerin mit viel Aufwand ganz viele über die Jahrzehnte und Jahrhunderte begangene «Bausünden» zurück in den Originalzustand brachte. Etwa auch Wände, die viele Jahre mit Tapeten überzogen waren.
Die Eigentümer wollen sich aber nun auf andere Liegenschaften fokussieren, richten ihr Leben mehr in Richtung Frankreich aus. «Wir haben dieses Schloss geliebt und entsprechend wichtig ist es uns, unsere Beletage jemandem weiterzuverkaufen, der den Wert genauso erkennt.» Ganz konkret halten sie die Ohren nach potenziellen Käufern auch in der Region Muri offen. «Weil die Verbindung zum Kloster Muri sehr eng ist und weil viele wohl gar nicht wissen, dass es vom Kloster Muri nicht nur den Amtssitz auf dem Horben hat, sondern eben auch unseren.» Sie hoffen, dass Interessierte den historischen Wert des Objekts erkennen. «Wir denken, dass es in Muri und Umgebung solche Leute gibt.» Auch weil die beiden wissen, mit wie viel Engagement man sich hier um das Kloster kümmert – nicht nur angesichts des bevorstehenden Jubiläumsjahres 2027. «Vielleicht ist es jemand, der geschäftlich Verbindungen nach Deutschland pflegt und der die Wohnung im Schloss entsprechend nutzen könnte.»
Gast in einer langen Geschichte
Ihnen ist aber vor allem auch wichtig, dass die Käuferschaft anerkennt, Gast in diesem über 250 Jahre alten Haus zu sein. «Es muss jemand sein, der daran interessiert ist, das Ursprüngliche zu erhalten», sagt Michael Krauss. Die Böden wieder mit Teppichen zuzudecken, «das wäre eine Schande». Die beiden jetzigen Eigentümer denken beispielsweise an Kunstsammler, an Liebhaber historischer Architektur, an Investoren mit Affinität zur Kulturgeschichte.
Oder einfach an jemanden, der gerne Mitbesitzer eines Schlosses ist und Freude am Erhalt dieser langen Geschichte hat.
Mehr Informationen zum Objekt und Kontakt zu den Eigentümern via E-Mail an info@diebewahrer.ch.



