«Engel» fliegt jetzt in seiner Wohnung
19.05.2026 MuriNach eineinhalb Jahren sind die Umbauarbeiten beim einstigen Restaurant Engel abgeschlossen Acht Wohnungen. Viele sind bereits bezogen. Es ist wieder Leben eingekehrt im «Engel». Oswald Fischlin erzählt, wie er die Bauphase erlebt hat. Mit dem Resultat ist er mehr als zufrieden. ...
Nach eineinhalb Jahren sind die Umbauarbeiten beim einstigen Restaurant Engel abgeschlossen Acht Wohnungen. Viele sind bereits bezogen. Es ist wieder Leben eingekehrt im «Engel». Oswald Fischlin erzählt, wie er die Bauphase erlebt hat. Mit dem Resultat ist er mehr als zufrieden. Einziger Wermutstropfen: die Bürokratie. «Ich verstehe, wenn Besitzer alter Liegenschaften diese verlottern lassen.»
Annemarie Keusch
In den letzten Tagen wurden die Lampen montiert. Hier und da schaut noch ein Kabel aus der Wand oder aus der Decke. «Es wäre mir recht, wenn das Zügeln schon hinter mir wäre», sagt Oswald Fischlin und lacht. Er bezieht eine der Dreieinhalb-Zimmer-Wohnungen im Dachgeschoss des «Engels». Dort also, wo früher die Ziegel direkt auf dem Dachstuhl lagen. Dort, wo die Veränderung mit am grössten ist. «Natürlich freue ich mich», sagt er. Etwa darüber, dass der Dachstuhl – sandgestrahlt – zu rund 90 Prozent erhalten werden konnte und viele Balken frei liegen und seiner Wohnung ganz spezielles Ambiente verleihen. Oder darüber, dass nur noch eine Wohnung nicht vermietet ist und damit wieder Leben einkehrt. Im Gebäude, wo früher immer munteres Treiben herrschte. Aus dem einstigen Festsaal sind zwei Viereinhalb-Zimmer-Wohnungen entstanden. Wo vorher das Restaurant war, wird nun gewohnt. Das 1987 erbaute Säli ist einem Sitzplatz gewichen.
Flexibilität war gefragt
«Dafür, dass es sich um einen Altbau handelt, ist wenig Unvorhergesehenes passiert», fasst es der Bauherr zusammen. Rund 300-jährig ist das Gebäude. 1732 ist als Baujahr zumindest bei der Aargauischen Gebäudeversicherung so notiert. Das Alter sorgte mit dafür, dass während der Bauzeit Flexibilität notwendig war. «Zu Problemen hat es aber kaum geführt», sagt Fischlin und lobt dabei die involvierten Handwerker und den Architekten.
Grosse Anzahl an Fachstellen
Dass der Bau rund ein bis zwei Monate später fertig wurde, als ursprünglich geplant, stört ihn ebenfalls nicht. «Alles im Rahmen.» Was Oswald Fischlin indes mehr stört, sind die Vorschriften, die er beim Umbau des «Engels» beachten musste. Fein säuberlich hat er die Instanzen aufgeschrieben, die Ja sagen mussten. «Elf Fachstellen an der Zahl.» Von Procap über Hochwasserschutz bis zum Energienachweis. «Als Eigentümer und Bauherr hat man mittlerweile fast am wenigsten zu sagen», lautet sein Verdikt. Dass der «Engel» unter Substanzschutz steht, kommt hinzu. «Deswegen mussten beispielsweise die Balkone als separater Trakt gebaut werden», erklärt Oswald Fischlin. Und darum führt der Lift auch nicht bis ins Dachgeschoss, sondern nur bis in den zweiten Stock. «Ganz oben mussten wir stattdessen einen Treppenlift einbauen.»
Fast fünf Jahre seit dem Start
All das ist mittlerweile passiert. Einige Wohnungen sind schon bezogen, Oswald Fischlin wird bis spätestens Ende Monat in der neuen Wohnung leben. Samt aufgehängtem Wirtshaus-Schild. Und samt teilweise sehr alten Kästen aus dem Restaurant. Ein weiteres Zeichen dafür, dass ihm dieser Ort, dieses Gebäude wichtig ist. 40 Jahre hat er hier verbracht – gewohnt und gewirtet. «Natürlich hänge ich am ‹Engel›, sonst hätte ich mir dieses Projekt gar nicht vorgenommen.» Wobei Oswald Fischlin weiss, dass die Sanierung dringend notwendig war. «Schön, ist das jetzt getan.» Stolz, das beschreibe seine Gefühlslage durchaus.
Denn der Weg bis dorthin war nicht kurz. Im Oktober 2021 führte der Bauherr erste Gespräche mit dem Architekten. Es folgten Sitzungen, Planungen, Besprechungen, Begehungen – ein Jahr später die Baueingabe. Vor eineinhalb Jahren dann ging die Bauzeit los. Jetzt ist sie beendet. «Fast», sagt Oswald Fischlin und lacht. Wie bei allen Bauprojekten hinkt die Umgebungsgestaltung etwas hinterher. «Aber auch diese wird bald abgeschlossen sein.»
Mehr Infos: www.engelmuri.ch.


