Entwicklung wird nicht stoppen
13.06.2023 MuriGeschichte voller Innovation
Fischer Söhne AG feiert 100. Geburtstag
Am Wochenende wird gefeiert. Vor hundert Jahren wurde die Fischer Söhne AG in Dietikon gegründet. Mit einem Tag der offenen Tür will die Firma dieses grosse ...
Geschichte voller Innovation
Fischer Söhne AG feiert 100. Geburtstag
Am Wochenende wird gefeiert. Vor hundert Jahren wurde die Fischer Söhne AG in Dietikon gegründet. Mit einem Tag der offenen Tür will die Firma dieses grosse Jubiläum feiern.
Und dabei auch zeigen, was in den Gebäuden alles produziert wird – vom Strassenpfosten über Kanister bis zu Verpackungen für vorabfüllbare Spritzen, die Vielfalt ist riesig. «In dieser Form ist das einzigartig in der Schweiz», sagt CEO Iwan Tresch. Und auch europaweit ist die Firma in ihrem Bereich führend. --ake
Die Fischer Söhne AG blickt auf eine 100-jährige Geschichte zurück und feiert am Wochenende
Vom Kanister über die Produkte für den «Life Sciences»-Markt bis zu Strassenpfosten – die Vielfalt der Tätigkeiten der Fischer Söhne AG ist gross. «Einmalig», sagt CEO Iwan Tresch. Angefangen hat alles vor hundert Jahren in Dietikon mit einer Firma, die Blechverpackungen herstellte.
Annemarie Keusch
Dass sich Firmen in einer hundertjährigen Geschichte verändern, das liegt auf der Hand. Die Entwicklung ist gerade in den letzten Jahrzehnten drastisch vorangeschritten. Digitalisierung ist das Stichwort, das eine der markantesten Veränderungen beschreibt, die verschiedenste Branchen nach wie vor intensiv beschäftigt. Und trotzdem, die Entwicklung der Fischer Söhne AG ist besonders stark. Von Blech über Papier und Karton bis hin zu Kunststoff, einem Rohstoff, der nun immer mehr in Verruf gerät, weil er aus Erdöl hergestellt ist. Wird die Firma noch einmal auf ein neues Material setzen? «Es wird heute und die nächsten Jahrzehnte nicht möglich sein, ganz auf Kunststoff zu verzichten», sagt Iwan Tresch, CEO der Fischer Söhne AG.
Aber auch ihm ist bewusst, dass der Umgang mit Kunststoff, das Bewusstsein diesem Rohstoff gegenüber, anders geworden ist. Nachhaltigkeit, es ist ein Stichwort, das auch bei der Fischer Söhne AG im Zentrum steht. «Kunststoff ganz verhindern, das wird nicht möglich sein. Vielmehr geht es um den Umgang damit. Darum, Kreisläufe zu entwickeln. Etwa, dass Kanister gereinigt und wiederverwendet oder regranuliert werden und damit ein zweites, drittes, viertes Leben erhalten.»
Wegen Lärm weg aus Dietikon
Sich anpassen, sich entwickeln, das kann die Fischer Söhne AG. Das hat sie in der hundertjährigen Geschichte x-fach bewiesen. Alois Fischer gründete die A. Fischer & Söhne 1923 in Dietikon als Blechwarenfabrik. Blechverpackungen jeglicher Art stellte er mit einer Schweissanlage her. «So konnten Flüssigkeiten oder Pulver gelagert und transportiert werden», sagt Iwan Tresch. Fischer habe damals den Zeitgeist erkannt. Und das machte er immer wieder. Es folgten Verpackungen, auch aus Papier und Karton und eben aus Kunststoff. «Damals waren das primär Kanister», sagt Tresch. Noch heute machen diese einen nicht unwichtigen Teil des Absatzes aus. Extrusionsblasen heisst der Prozess, aus dem solche Kanister in allen Grössen entstehen. «Das Kunststoffgranulat wird in einem ersten Schritt aufgeschmolzen und daraus ein Schlauch geformt. Im nächsten Schritt wird dieser in einer Aluminiumform mit gefilterter Pressluft aufgeblasen und als Letztes der fertige Kanister abgekühlt.» Ein Prozess, der nicht lautlos erfolgt und mitunter der Grund war, weshalb die Fischer Söhne AG nach Muri kam. «Im Wohngebiet von Dietikon ging das schlicht nicht mehr.»
1967 erfolgte der Umzug. In den 70er-Jahren verkaufte die Familie Fischer die Firma. Ein Familienbetrieb ist die Fischer Söhne AG aber geblieben, auch wenn sie mittlerweile vier Familien gehört. «Das ist spürbar», sagt Iwan Tresch. Etwa darin, dass Entscheidungen langfristig gefällt werden, dass grosse Investitionen, wie jene vor vier Jahren in die Erweiterung von Life-Sciences-Produkten, mit Bedacht gefällt werden. «Das war und ist ein grosses Bekenntnis zum Standort Muri», sagt Tresch zu dieser Investition.
Von klassisch zu hochtechnologisiert
Seit Jahren ist die Fischer Söhne AG mit ihren Life-Sciences-Produkten ein wichtiger Partner vor allem für die Pharma-Industrie. Mittels Spritzgiessen wird geschmolzenes Kunststoffgranulat unter hohem Druck in eine Stahlform gespritzt, dort kühlt es ab und wird beispielsweise zu Verpackungen für vorabfüllbare Spritzen. Grosse Pharmaunternehmen zählen zu den Kunden der Murianer Firma. «Von klassischen Verpackungen hat sich die Firma zur Fertigung von hochtechnologisierten entwickelt», beschreibt Iwan Tresch. In Reinräumen werden diese hergestellt, damit die Partikelkontamination minimiert werden kann. Die Mitarbeitenden arbeiten mit Haube, Overall und Handschuhen. «Alles, um die Patienten zu schützen», erklärt Tresch.
100 Mitarbeitende zählt die Firma mittlerweile. Diese zu finden, gerade auch in der Produktion, die quasi rund um die Uhr läuft, sei eine der grossen Herausforderungen. Die Entwicklung des Strompreises ist eine weitere. «Wir sind in Muri und der Region einer der grössten Stromverbraucher», sagt Tresch. Hingegen hat die Pandemie der Firma nicht geschadet, im Gegenteil. Wegen der Produktion von Life-Sciences-Produkten wurde sie vom Bund als systemrelevant eingestuft. «Auch die Kanister gingen weg wie warme Semmeln, da sie zum Abfüllen von Desinfektionsmitteln verwendet wurden.»
Kunststoffverarbeitung von der Pike auf gelernt
Aber auch andere Produkte, die man jeden Tag sieht, stammen aus der Produktion der Fischer Söhne AG, Strassenpfosten zum Beispiel. «Das weiss niemand», sagt Tresch, der im Kanton Uri aufgewachsen ist, die Kunststoffverarbeitung von der Pike auf gelernt hat und seit Mai 2019 die Firma als CEO führt. Darum war klar, dass das grosse Jubiläum mit offenen Türen gefeiert werden soll. «Viele nehmen den Schriftzug wahr, die Silos, vielleicht die gelben Lastwagen. Was aber in unseren Gebäuden passiert, das wissen die wenigsten und das wollen wir zeigen», sagt Iwan Tresch. Feste feiern, das gehöre zudem zur Firmenkultur. Und einen 100.Geburtstag zu feiern, ist ganz sicher ein guter Grund.
Tag der offenen Tür
Anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums öffnet die Fischer Söhne AG am Samstag, 17. Juni, ihre Türen von 10 bis 17 Uhr. Für die jüngsten Gäste steht ein Kinderkarussell bereit, während Jugendliche am Lehrlingsstand mehr über die Ausbildungsberufe erfahren können. Zudem haben die Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und mehr über die Herstellung der Produkte zu erfahren.
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