Erst Drama, dann Party
19.05.2026 Sport, FussballAargauer Cup, Final. Der FC Mutschellen holt nach 2019 den zweiten Cupsieg in der Vereinsgeschichte
2300 Zuschauer und ganz viel Cup-Drama. Devin Baumann machte mit seinem frühen Tor den Auftakt im Final. Doch der FC Mutschellen muss gegen die unterklassigen Brugger ...
Aargauer Cup, Final. Der FC Mutschellen holt nach 2019 den zweiten Cupsieg in der Vereinsgeschichte
2300 Zuschauer und ganz viel Cup-Drama. Devin Baumann machte mit seinem frühen Tor den Auftakt im Final. Doch der FC Mutschellen muss gegen die unterklassigen Brugger (trotz Überzahl) in die Verlängerung. Dort machen die Freiämter in diesem fesselnden Spiel den Deckel drauf und gewinnen 4:2.
Alexander Wagner
Wenn einer im Moment einen Lauf hat, dann ist es Devin Baumann. Seit dem Cup-Halbfinal gegen Lokalrivale Muri hat er in jedem Spiel getroffen. Sei es mit einem herrlich verwandelten Freistoss gegen das Spitzenteam FC Baden II oder wie am letzten Donnerstag im Cupfinal, als er nach fünf Minuten goldrichtig stand und die grün-gelben Mutscheller in Führung schiesst.
Der 24-Jährige arbeitet als Personal Trainer für Athleten aller Sportarten, doch unter seinen Kunden sind auch viele Fussballer. «Und jetzt will ich einfach selber umsetzen, was ich den Leuten zeige», erklärt er mit seinem strahlenden Sieger-Lächeln.
Rote Karte, Überzahl – und dennoch Gegentor kassiert
Im Cupfinal bringt er sein Team mit dem 1:0 früh auf den Siegesweg gegen den FC Brugg aus der 3. Liga. Und spätestens in der 53. Minute sieht es ganz stark nach einem Erfolg für die Mutscheller aus. Bruggs Goalie wird wegen eines Handspiels ausserhalb des Strafraums des Feldes verwiesen. Trotz der Überzahl taten sich die Mutscheller aber danach enorm schwer und dem Ex-Xamax-Profi Musa Araz gelang für Brugg in der 75.
Minute der Ausgleich. Die Partie in Seengen ging in die Verlängerung – und somit das Spiel in eine packende Verlängerung. Die 2300 Zuschauer sahen zu, wie der Rasen, der schon gezeichnet war von einem heftigen Hagelschlag vor dem Spiel, mit fortnehmender Spieldauer immer tiefer und matschiger wurde.
Pfyl bringt die Entscheidung
Die Mutscheller powern Richtung Titel. 101. Minute: Gezim Balazhi trifft zum 2:1. Und in der 113. Minute setzt Janick Seiler noch einen drauf. 3:1. Für die endgültige Entscheidung sorgt Roger Pfyl (in der 114. Minute). Praktisch aus dem Stand schlenzte das Mutscheller Urgestein den Ball ins Lattenkreuz und blieb zum Jubeln ganz cool einfach stehen. Dann startete er zu den zahlreich mitgereisten Fans durch und gab den Startschuss zur Cupfinalparty. Kurz vor Ende traf Luca Costa zum 4:2 – nur noch eine Randnotiz.
Der Liga-Alltag ruft
Captain Roger Pfyl war beim letzten Cupsieg 2019 schon dabei. In beiden Fällen war die Freude riesig, die Emotionen gross. Aber: Die Feier war 2026 etwas bescheidener als vor sieben Jahren. «Es war ruhiger als beim ersten Mal. Das ist halt eine andere Generation», erklärt Routinier Pfyl verschmitzt lächelnd.
Pfyl, der letzte Cup-Torschütze der Mutscheller, ist genauso unverzichtbar für das Team wie Baumann, der erste Skorer. Für beide gehen die Wege nun unterschiedlich weiter: Devin Baumann reiste kurz nach dem Final zum ersten Mal seit 14 Jahren auf die Philippinen, dem Heimatland seiner Mutter. Aufgrund des Finals hatte er die Reise zuvor verschoben.
Und Pfyl will als Captain den Schwung aus dem Cup auch in die letzten Meisterschaftsspiele der 2. Liga bringen. Das Team hat noch sechs Spiele zu bestreiten, die Abstiegsgefahr ist noch nicht gebannt. Heute Dienstag (20 Uhr) geht es für die Mutscheller weiter mit dem wichtigen Auswärtsspiel in Neuenhof. Der Feier-Kater sollte nicht allzu gross sein, dafür aber vielleicht die Euphorie, die aus dem grossen Erfolg entstanden ist.
Riesige Emotionen
Nebst den Männern gewinnen auch die U17-Juniorinnen des FC Mutschellen den Cuptitel. Und dabei gibt es auch zwei Personen, denen diese Triumphe gewidmet sind. Der Verein verfasst ein schönes Statement: «Diese Erfolge sind das Resultat von harter Arbeit, Leidenschaft und Zusammenhalt über viele Jahre hinweg.» Der FC Mutschellen bedankt sich riesig bei den Trainern und den Staffmitgliedern aller Teams, «die sich diesen Erfolg mehr als verdient haben». Weiter heisst es: «Solche Momente zeigen, wie wertvoll die Arbeit im gesamten Verein ist – auf und neben dem Platz. Doch wir wissen auch: Damit solche Erfolge immer wieder möglich sind, braucht es den Einsatz von ganz vielen Menschen.»
Für Mauberger und Kammermann
Besonders zwei Personen sind bei den Feierlichkeiten omnipräsent. Bei den U17-Juniorinnen ist es Roger Kammermann. Er war ein enormer Förderer des Frauenfussballs auf dem Mutschellen und selbst Trainer der U17-Juniorinnen. Er verstarb im letzten Herbst völlig unerwartet und viel zu früh. Das Team würdigte ihn beim Cup-Erfolg – unter anderem – mit bedruckten T-Shirts. Die Gedanken waren stets bei ihm und seinen Angehörigen.
Die Männer des FC Mutschellen spannten Jürg Mauberger stark in die Feierlichkeiten mit ein. Der Zufiker, der seit vielen Jahren Co-Trainer des FC Mutschellen ist und 2025 den AFV-Award für seine aussergewöhnlichen Leistungen erhielt, hatte in den letzten Jahren immer wieder mit niederschmetternden Krebsdiagnosen zu kämpfen. Die Freude über den Cupsieg war ihm anzusehen – beispielsweise als er den Pokal dem jubelnden Team entgegenstreckt. Dies war die Idee von Captain Roger Pfyl. Jürg Mauberger schätzte diese Geste enorm. «Das ist sehr wertschätzend. Auch, weil ich mein 10-Jahr-Jubiläum beim FC Mutschellen habe», sagt Mauberger, der sich diesen Cup-Titel natürlich gewünscht hat. Sein Urteil über die Leistung im Final: «Wir waren das aktivere Team und wollten den Sieg mehr. Wir hätten den Sack aber schon viel früher zumachen müssen, aber das ist halt etwas, das wir während der ganzen Saison schon mitschleppen. Aber Hauptsache, wir haben den Final gewonnen. Jetzt gilt es aber, den Fokus voll auf die Meisterschaft zu legen, denn wir sind noch lange nicht gerettet.»
Die Schicksale von Mauberger und Kammermann und die tollen Gesten zeigen, dass diese beiden Mutscheller Siege weit mehr sind als nur Cup-Erfolge.
--spr



