Interview mit Corsin Stöckli, Gemeinderat Aristau
Corsin Stöckli ist 24 Jahre alt und in der zweiten Legislatur Gemeinderat in Aristau. Er ist Bürger seiner Wohnortgemeinde und damit Bindeglied der Ortsbürgergemeinde (OBG) zur Einwohnergemeinde. Ihm ...
Interview mit Corsin Stöckli, Gemeinderat Aristau
Corsin Stöckli ist 24 Jahre alt und in der zweiten Legislatur Gemeinderat in Aristau. Er ist Bürger seiner Wohnortgemeinde und damit Bindeglied der Ortsbürgergemeinde (OBG) zur Einwohnergemeinde. Ihm ist es laut eigener Aussage wichtig, dem Ortsbürgertum aktives Leben einzuhauchen.
Verena Anna Wigger
Sie sind Vertreter des Gemeinderats bei den Ortsbürgern. Ist die Aufteilung von Ortsbürgern und Einwohnern in einer Gemeinde heute noch zeitgemäss?
Corsin Stöckli: Die Ortsbürgergemeinde darf man ohne Weiteres als alten Zopf bezeichnen, denn ihre Hauptaufgabe liegt in ihrem Selbsterhalt. Spannend ist die Ortsbürgergemeinde deswegen, weil jede selbst festlegt, was sie mit ihren Ressourcen machen möchte.
Welche Aufgaben übernehmen Ortsbürger-Vereinigungen in einer Gemeinde?
Es gibt viele, die sich kulturell engagieren, welche, die Landwirtschaftsland verpachten und für die Bewirtschaftung von Wäldern verantwortlich sind, und sogar welche, die in Liegenschaften investieren und selbst bauen. Im Vergleich zur Einwohnergemeinde ist die Ortsbürgergemeinde nicht für das Generelle zuständig, sondern für das Spezielle.
Wo liegt der Fokus der Ortsbürgergemeinde in Aristau?
Der Hauptfokus der Kommission in Aristau liegt im Moment vor allem darauf, Brücken zu schlagen zwischen der heutigen Gemeinde und der Geschichte, aus der dieses Dorf gewachsen ist. So haben wir im letzten Jahr mit «vo Buur zu Buur» den Menschen einen Einblick gegeben in die unterschiedlichen Formen der Landwirtschaft, um zu erkennen, von wo überhaupt unsere Nahrungsmittel kommen. In diesem Jahr möchten wir am 14. August einen Anlass durchführen zum Thema «mein vielfältiger Garten», an dem wir Themen behandeln wie Neophyten, artenreiche Gärten sowie Wildtiere in unserem Garten.
Welche Verantwortung tragen Ortsbürger für Wald, Boden und Biodiversität – und wie könnte diese Verantwortung in Zukunft aussehen?
Wir möchten die Einwohnergemeinde unterstützen und die Menschen sensibilisieren für Themen wie unsere schützenswerte Natur, klimaresiliente Dörfer, nachhaltiges Wassermanagement. Also Themen, die gerade in einem solchen Hitzesommer grosse Relevanz haben. Die Aristauer Ortsbürger besitzen unter anderem viel Kulturland, welches sie verpachten, und Wald, welchen sie bewirtschaften lassen im Verbund mit den Mitgliedern des Forstbetriebs Region Muri.
Welche innovativen Wege gibt es für die Ortsbürger, um Neuzuzüger, also Einwohner, stärker einzubinden, ohne die Traditionen zu verlieren?
Es lohnt sich sehr, sich in der Ortsbürgergemeinde zu engagieren, weil jeder seine Themen einbringen kann, welche ihn im Alltag bewegen. Wir haben die Möglichkeit, Sichtbarkeit herzustellen und Themen zur Diskussion zu bringen.
Wie gelingt es, junge Ortsbürger für Aufgaben zu begeistern, die oft als «altmodisch» gelten?
Wir sind völlig frei in unserer Ausrichtung, ob es sich um ein ganz spezifisches Thema handelt, das wir angehen. Oder wenn es auch nur darum geht, ein grossartiges Fest für die Bevölkerung auf die Beine zu stellen. Jede Idee ist willkommen und hat das Recht, zur Diskussion gebracht zu werden. Diesen Grundsatz leben wir, um die OBG sichtbar zu machen.
Welche Argumente sprechen heute noch für eine eigenständige Ortsbürgergemeinde – und welche dagegen?
Dass die Ortsbürgergemeinde heute als altmodisch oder etwas verstaubt wahrgenommen wird, kann ich zwar zum Teil verstehen. Aber gerade in einer Zeit, in der vieles austauschbar geworden ist, finde ich es schön, dass die OBG bewusst ihre Verbundenheit zur Heimat, zur Natur und zur Geschichte unseres Dorfes pflegt. Gleichzeitig sollte sie diese Werte offen vermitteln und alle Einwohner einladen, daran teilzuhaben.