Familie mit Motorsport-Herz
22.05.2026 Sport, MotorsportSven Wiederkehr aus Berikon startet am Pfingstmontag am Motocross in Muri
Es ist «sein» Rennen. Das Motocross Muri hat vor Jahren die Begeisterung von Sven Wiederkehr für den Motorsport geweckt. Mit grosser Unterstützung seiner Familie lebt der ...
Sven Wiederkehr aus Berikon startet am Pfingstmontag am Motocross in Muri
Es ist «sein» Rennen. Das Motocross Muri hat vor Jahren die Begeisterung von Sven Wiederkehr für den Motorsport geweckt. Mit grosser Unterstützung seiner Familie lebt der 16-Jährige seine Leidenschaft. Jetzt wird er im Klosterdorf am Pfingstmontag in der Kategorie Swiss Moto MX2 starten. Sein Ziel ist es, in erster Linie zu lernen.
Josip Lasic
Seine Leidenschaft für den Motorsport ist spürbar. «Mein Traum wäre es, eines Tages in der Europameisterschaft zu starten. Und am liebsten vorne mitzufahren», sagt Sven Wiederkehr. Der Blick seines Vaters Daniel verrät Skepsis. «Momentan ist das nicht machbar. Nicht wegen seiner Fähigkeiten. In Frauenfeld hätte nicht viel gefehlt und er hätte sich qualifiziert. Aber finanziell lässt sich das kaum stemmen, weil die Rennen in ganz Europa verteilt sind.»
Sven Wiederkehr lebt eine teure und zeitintensive Leidenschaft. Doch er und seine Eltern Daniel und Barbara geben alles, bilden ein «Familienteam», das sich gemeinsam im Motorsport behauptet – weil der 16-Jährige diesen Sport liebt. Seit seinem sechsten Lebensjahr fährt er aktiv. Die Familie besuchte früher regelmässig die Motocross-Veranstaltungen in Wohlen und Muri. Der junge Beriker fing quasi vor der Haustür Feuer für den Motorsport. «Er hat gestürmt, dass er auch fahren will. Ich dachte, dass sich das ändert, wenn er einmal auf dem Motorrad sitzt. Hat es aber nicht», sagt Daniel Wiederkehr augenzwinkernd.
Doch weil die Sportart auf so vielen Ebenen anspruchsvoll ist, gibt der Vater dem jungen Athleten «Auflagen». «Es war im Jahr 2017, als wir entschieden haben, unser Glück im Motorsport zu versuchen. Aber wir haben gesagt, dass es immer vorwärtsgehen muss. Dass es Durststrecken gibt, ist klar. Es wäre nicht infrage gekommen, dass er nach drei Jahren in einer Kategorie immer noch im hinteren Teil des Feldes herumfährt. Dafür kostet Motorsport zu viel Geld und Zeit.»
Teilnehmerfeld ist «enorm stark»
Der Wunsch ist Sven Wiederkehr Befehl. Er liefert konstant ab und steigert sich regelmässig. Zuerst auf dem 65- und dem 85-Kubikmeter-Motorrad. Auf diesem holt er im Jahr 2023 auch den Schweizer-Meister-Titel. Sein bisher grösster Erfolg. Und auch jetzt, auf dem 125-Kubikmeter-Motorrad, schlägt sich der Beriker wacker. Sein Ziel für dieses Jahr: ein Platz unter den Top 10.
Momentan steht er auf Rang 5 der Schweizer Meisterschaft. In Muri fährt er am Pfingstmontag allerdings nicht um Meisterschaftspunkte. «Das nimmt mir die Nervosität weg. Dafür freue ich mich umso intensiver darauf.» Freunde, Verwandte und Bekannte werden beim Heimrennen dabei sein, um ihn zu unterstützen. «Er kann nur gewinnen. Das Teilnehmerfeld ist enorm stark», sagt Daniel Wiederkehr. «Er soll versuchen, nicht Letzter zu werden. Aber bei der Konkurrenz kann er auf einem Top-Level mitfahren und viel an Erfahrung mitnehmen.» Die Devise bleibt: Es muss immer vorwärtsgehen. Dafür investiert Sven Wiederkehr viel Zeit.
Radball als Ergänzung zum Motocross
Abgesehen vom Montag trainiert er täglich – joggt, macht Ausdauer- und Krafttraining und spielt Radball. Im Radball-Club Bremgarten fand er früh Gefallen an dem Sport, wurde mit den Reussstädtern in der U11 sogar Schweizer Meister. Heute trainiert er vor allem mit, weil Radball ihm im Motocross hilft, besonders bezüglich Kraft und Balance.
An den Wochenenden sitzt er auf dem Motorrad – zum Training oder bei Rennen, meist im benachbarten Ausland: Italien, Frankreich oder Deutschland. «Dieses Jahr waren wir gerade mal zwei Wochenenden zu Hause», sagt Daniel Wiederkehr. «Ansonsten standen immer Trainings oder Rennen auf dem Programm.» Ein grosser Aufwand für den jungen Mann, der gerade das erste Lehrjahr als Elektroinstallateur bei der ibw in Wohlen absolviert. «Der Aufwand ist mit der Lehre grösser geworden im Vergleich zu früher, als ich nur Schüler war. Alleine schon der Weg nimmt mehr Zeit in Anspruch. Ich arbeite in Wohlen, besuche die Berufsschule in Brugg. Und es ist generell intensiver geworden mit der Arbeit und dem Lernen. Aber bisher geht es.»
Externe Hilfe ist notwendig
Gerade deshalb ist die Unterstützung der Eltern für ihn wichtig. Vater Daniel sucht Sponsoren und übernimmt teils die Mechanik an den Motorrädern. Mutter Barbara kümmert sich um Kleidung, Brillen und Verpflegung. «Sie schaut, dass er etwas isst, wann er etwas isst und dass es nach Möglichkeit das Richtige ist», sagt Vater Daniel lachend. «Und ich schaue, dass das Motorrad bereit ist. Andere Fahrer haben professionelle Ernährungsberater, Mentaltrainer, Mechaniker – wir erledigen das alles selbst.» Zwischendurch engagiert die Familie für ein Rennen einen externen Trainer. «Jemand aus dem Bereich Motocross, der selbst gefahren ist und ihm die Dinge aus einer anderen Perspektive vermitteln kann als ich. Natürlich beschäftige ich mich auch viel mit dem Sport und weiss gewisse Dinge. Aber jemand, der selbst gefahren ist, sieht alles aus einem anderen Blickwinkel.»
Auch sonst erhält die Familie Unterstützung. Der Händler Odermattmotos Luzern hilft bei Reparaturen. «Wenn am Wochenende etwas passiert, können wir ihm das Motorrad bringen und am Donnerstag ist es spätestens wieder bereit. Wir haben zwar zwei Motorräder, aber die müssen trotzdem alle sehr schnell wieder repariert und einsatzfähig gemacht werden. Für diese Hilfe sind wir sehr dankbar. Anders würde es gar nicht gehen. Ich bin Schreiner. Gewisse Dinge am Motorrad kann ich einfach nicht selbst reparieren.»
Die Ambitionen sind vorhanden
Trotz aller Hürden steckt die Familie ihr Herzblut in den Motorsport. Selbst wenn die finanziellen Möglichkeiten für eine Teilnahme an der Europameisterschaft nicht reichen, gibt es für Sven Wiederkehr Ziele und Ambitionen. Beispielsweise in der Kategorie Swiss Moto MX2, in der er jetzt in Muri ausser Konkurrenz fährt, offiziell in die Meisterschaft einzusteigen und versuchen sich zu behaupten.
Und vielleicht gelingt es ihm, mit seinen Leistungen weitere Sponsoren und Teams auf sich aufmerksam zu machen, die ihn auf dem Weg zu höheren Zielen unterstützen. Doch das Heimrennen in Muri kann er jetzt vor allem geniessen und als Chance nutzen, um zu lernen.
Das Pfingstcross
Am Pfingstmontag, 25. Mai, findet die 49. Ausgabe des Pfingstmotocross in Muri statt. Das Programm beginnt bereits um 7.15 Uhr mit dem Freien Training der Kategorie Swiss Junior MX85. Über den ganzen Tag verteilt finden Rennen diverser weiterer Kategorien statt. Gegen 17.20 Uhr endet der Renntag mit dem zweiten Lauf der Kategorie Swiss MX Sidecar. Um 18 Uhr geht die Siegerehrung los. Neben dem sportlichen Programm gibt es für die Zuschauer als Highlight auch eine Autogrammstunde und eine Tombola. --red
Das ganze Programm findet man unter: https://mrsc-muri.ch/

