FC bleibt stumm und verliert
19.06.2026 Region Oberfreiamt, MerenschwandAn der «Gmeind» in Merenschwand sorgt ein neuer Mehrzweckraum für Diskussionen
602 000 Franken für den Bau eines Mehrzweckraumes. Der Aussengeräteraum wäre damit aufgestockt worden. Profitiert hätte laut Gemeinderat nicht nur der FC, ...
An der «Gmeind» in Merenschwand sorgt ein neuer Mehrzweckraum für Diskussionen
602 000 Franken für den Bau eines Mehrzweckraumes. Der Aussengeräteraum wäre damit aufgestockt worden. Profitiert hätte laut Gemeinderat nicht nur der FC, sondern alle Vereine und auch die Schule. Diesem Projekt wehte an der «Gmeind» aber eine steife Brise entgegen und der Antrag wurde zurückgewiesen.
Annemarie Keusch
Nicht ein einziges Votum aus der Bevölkerung sprach sich für das Projekt aus. Für die 602 000 Franken für den Bau eines neuen Mehrzweckraumes, der vor allem für den FC viele Vorteile mit sich gebracht hätte. Dieser betreibt aktuell seinen Verpflegungsstand nämlich provisorisch aus dem bestehenden Aussengeräteraum. Und der FC war es auch, der mit dem Anliegen auf den Gemeinderat zuging. Aber eben, an der «Gmeind» meldete sich niemand vom FC Merenschwand zu Wort. Dass 191 Stimmberechtigte im Saal waren, deutete darauf hin, dass das Mobilisieren durchaus glückte. Aber eben nicht nur dem Fussballclub, sondern auch jener, die sich gegen das Projekt wehrten.
Vertreterinnen und Vertreter des Turnvereins zum Beispiel. In Abwesenheit von Präsident Adrian Meier verlas Hubert Andermatt die Argumente. «Grundsätzlich sind wir immer für Investitionen in die Sportanlagen», betonte er dabei. Gerade weil es bei den Garderoben immer zu Engpässen komme, solche sind aber im Projekt keine vorgesehen. «Die Vereine wurden nicht miteinbezogen. Es drohte, am tatsächlichen Bedarf vorbei geplant zu werden, und genau das ist passiert.» Der Turnverein brauche diesen Mehrzweckraum nicht, das Foyer in der Dreifachturnhalle reiche für Besprechungen. «Faktisch geht es um einen Clubraum für den FC, für einen einzelnen Verein, und die Gemeinde bezahlt.»
Braucht bessere Lösung
Das stosse dem Turnverein sauer auf, zumal eigene Anliegen wegen fehlender finanzieller Mittel abgelehnt wurden. «Aber wir wollen nicht einfach Nein sagen», betonte Andermatt. Stattdessen soll der Gemeinderat eine günstigere, bessere Lösung ausarbeiten. Etwa beim seitlichen Eingang des Foyers.
Die Enttäuschung, dass das Projekt keine zusätzlichen Garderoben umfasst, teilte auch Roland Käppeli. «Es geht hier um ein Clubhüsli für den FC, ich sage es bewusst etwas provokant.» Damit werde keines der aktuellen Probleme gelöst. «Kommt hinzu, dass wir vor Jahren Ja gesagt haben zu einem Rasensportplatz und dieser nun zu 99 Prozent vom FC besetzt wird. Ich befürchte, dass es gleich herauskommt.»
Projekt stärke die Vereine
Denn natürlich argumentierte der Gemeinderat damit, dass der Mehrzweckraum nicht nur vom FC benutzt werden dürfe. Er stehe allen Vereinen offen und auch der Schule. «Der Mehrzweckraum wäre ein Mehrwert für unsere Gemeinde», sagte Gemeinderat Kevin Vaes. Vor allem mit Blick auf die Zukunft erhalte er zusätzliche Bedeutung. «Bei den Schulhäusern A/B und F stehen Sanierungen an. Wir werden Ausweichmöglichkeiten brauchen und das wäre eine optimale.» Pragmatisch, durchdacht und zukunftsgerichtet, so beschrieb Vaes das Projekt. Es stärke die Vereine, schaffe Raum für die Schule und ermögliche Flexibilität für künftige Umbauten an der Schule. Kommt hinzu, dass sich der FC mit 200 000 Franken – 150 000 Franken als Sachund Geldleistungen sofort und 50 000 Franken über die nächsten zehn Jahre hinweg – am Projekt beteiligen will.
Auch Ammann Rainer Heggli schaltete sich in die Diskussionen ein. Etwa im Bezug auf die Garderoben. «Wir haben das geprüft, aus Kostengründen aber davon abgesehen.» Zusätzliche Garderoben und Duschen beim Mehrzweckraum hätten zu Mehrkosten von 70 000 Franken geführt. «Das ist es uns nicht wert. Zumal es sechs Garderoben für drei Hallen und die Aussenräume gibt. Das sollte reichen.»
Vandalismus ist ein Problem
Fragen kamen zu verschiedenen Themen. Etwa zum Vandalismus, der im Zentrum Merenschwands ein grösseres Problem darstellt. «Wir sind an einer Abklärung bezüglich Videoüberwachung und weiteren Massnahmen.» Diese sollten dann auch Vandalismus beim neuen Mehrzweckraum verhindern. Ein Benutzerreglement erfolge zudem erst nach einem Ja der «Gmeind». «Aber ich kann sagen, dass es sicher nicht so sein wird, dass Vereine für eine Sitzung eine Miete zahlen müssen.» Und Fragen gab es auch zur Ausstattung des Raumes. Ein Stimmbürger sprach von einem «Kücheli» und nur einem WC. Eine weitere Stimmbürgerin meinte, dass provisorischer Schulraum in Containern viel günstiger sei, als dafür diesen Mehrzweckraum zu bauen.
Und eben, die Befürworter blieben – abgesehen vom Gemeinderat – stumm. So war das Verdikt schliesslich relativ klar. Der Rückweisungsantrag vonseiten des Turnvereins wurde mit 107 Jagegenüber 62 Nein-Stimmen angenommen. Der Mehrzweckraum ist damit nicht vom Tisch. Der Gemeinderat wird eine weitere Variante ausarbeiten.
Antragsrecht nicht einschränken
Unter Verschiedenem informierte der Gemeinderat unter anderem über den Kauf des Ladengebäudes an der Zürichstrasse 17, wo künftig die Jugendarbeit untergebracht werden soll. Diese ist aktuell im Engelhof zu Hause. «Die Projektierung für die Zukunft dieses Gebäudes gehen wir an», führte Ammann Rainer Heggli aus. Angepackt hat der Gemeinderat auch den Überweisungsantrag von der letzten «Gmeind». Komplizierte Änderungsanträge seien vorgängig bei der Verwaltung einzureichen, lautete die Forderung. «Das haben wir geprüft. Das Antragsrecht darf nicht eingeschränkt werden.» Komplexe Änderungsanträge vorher einzureichen, das sei aber durchaus erwünscht.
Und natürlich nutzte die Gemeinde respektive das OK die Bühne der «Gmeind», um für das Dorffest «Merischwand Usepuzt» vom 18. und 19. September Werbung zu machen. Für «Merischwand got talent», wo für allerlei Talente eine Bühne geboten wird. Aber auch für einen Einsatz als Helferin oder Helfer.
Die Beschlüsse
Von den 2422 Stimmberechtigten nahmen 191 teil. Sie genehmigten ohne Gegenstimme das Protokoll, den Rechenschaftsbericht und die drei Anträge im Zusammenhant mit der Sanierung der Schwanenstrasse: 358 000 Franken für die Strassensanierung, 153 000 Franken für die Strassenbeleuchtung, 452 000 Franken für die Kanalisation. Mit vier Gegenstimmen sicherte sich Francesco Onorati das Gemeindebürgerrecht zu.
Die 85 000 Franken für den Ersatz der Strassenbeleuchtung in der Weilerzone Hagnau wurden ohne Gegenstimme gesprochen. Die Rechnung und die Genehmigung zweier Vorfinanzierungen für die Schulgebäude A/B und F wurden mit jeweils zwei Gegenstimmen genehmigt. Der Antrag für 602 000 Franken für den Bau eines Mehrzweckraums wurde mit 107 gegen 62 Stimmen an den Gemeinderat zurückgewiesen. --ake

