Freude am Handball weitergeben
16.06.2026 Muri, Sport, HandballGreifbares Vorbild für Mädchen
Nati-Handballerin Daphne Gautschi trainierte in Muri mit dem Nachwuchs – und wurde gewürdigt
An den Heimspielen der Frauenhandball-Nati um Daphne Gautschi gehört der Murianer Nachwuchs zu ...
Greifbares Vorbild für Mädchen
Nati-Handballerin Daphne Gautschi trainierte in Muri mit dem Nachwuchs – und wurde gewürdigt
An den Heimspielen der Frauenhandball-Nati um Daphne Gautschi gehört der Murianer Nachwuchs zu den treusten Fans. Die Liebe ist gegenseitig, wie die Spielerin nun mit einem gemeinsamen Training bewies.
Thomas Stöckli
Die Nati-Fussballerinnen Julia Stierli und Alayah Pilgrim sind bereits am Schulhaus Badweiher verewigt, nun hat auch Nati-Handballerin Daphne Gautschi ihre Würdigung erhalten. Nicht ganz so prominent, aber immerhin als knapp sechs Quadratmeter grosses Plakat in der Trainingshalle Bachmatten. Da hängt es nun seit einigen Tagen, als Sinnbild für den Boom im Mädchenhandball, den der TV Muri derzeit erleben darf. «Der Verein macht das megagut», findet Daphne Gautschi, «er gibt Gas, was die Jugendförderung anbelangt.»
Das Plakat finde sie «supergeil», so die Nati-Handballerin, die sich trotz Engagements im Ausland mit Muri nach wie vor sehr verbunden fühlt. Schliesslich gehören die Kinder ihres Stammvereins zu den treusten Fans an den Nati-Heimspielen. Darum lässt sie es sich auch nicht nehmen, die Enthüllung des Transparents mit einer Trainingseinheit zu verbinden.
«Das Transparent soll euch in jedem Training daran erinnern, was ihr erreichen könnt», richtet sich Trainer Erik Weibel direkt an die über 30 Mädchen in der Halle. Die FU14 Shooters haben den Aufstieg in die Interklasse geschafft. Gemeinsam mit der U13, die seit letztem Jahr ergänzend geführt wird, wächst eine Spielerinnengeneration heran, die dem Verein noch viel Freude bereiten dürfte.
Möglich machen es die Sogwirkung der reinen Mädchenteams, die Trainercrew, der es gelingt, Spielfreude zu vermitteln, aber auch die optimalen Bedingungen mit der neuen Halle. «Da kommt Daphne noch obendrauf», ergänzt Lucia Schroth, Präsidentin von Handball TV Muri. Als greifbarer Beweis, dass man es von Muri bis ganz nach oben schaffen kann. Sie habe noch selbst mit Gautschi gespielt, blickt Lucia Schroth zurück: «Da war sie 11 und wir 18 – trotzdem hat sie uns schon auseinandergenommen.»
Nati-Spielerin Daphne Gautschi trainierte die jungen Handballerinnen in der neuen Trainingshalle
Von Muri zu einem internationalen Topclub. Was sich Kinder erträumen, ist für Daphne Gautschi Realität geworden. Die Nati-Spielerin kam zurück zu ihren Wurzeln – und dient einer vielversprechenden nächsten Generation an Handballerinnen als Inspiration.
Thomas Stöckli
Letzte Woche ist Daphne Gautschi aus Rumänien nach Frankreich umgezogen, von der Walachei an die Côte d’Azur. «Sehr schön» sei es in ihrem neuen Zuhause: «Zu Fuss bin ich in fünf Minuten am Meer.» Rumänien habe sie ebenfalls mega spannend gefunden, schiebt sie schnell nach: «Die Fans waren crazy, die meisten Trainer auch, und das Niveau sehr hoch.» Wegen ihres frisch adoptierten Hundes wollten Daphne Gautschi und ihr Freund vor einem Jahr nicht nach Rumänien fliegen. Stattdessen kauften sie sich ein Auto, um die 2500 Kilometer unter die Räder zu nehmen. In diesem Auto ging es nun auch wieder zurück nach Südfrankreich. «Es hat fast alles reingepasst», sagt sie und lacht.
Fokus auf den Angriff
Kurzfristig geht es Daphne Gautschi darum, in Toulon gut anzukommen und erfolgreich in die kommende Saison zu starten. Während sie dieses Jahr vor allem an der Härte in der Abwehr gearbeitet hat, will sie nun im Angriff noch einmal einen Schritt nach vorne machen. Konkret: «Ich will schneller, präziser und variantenreicher in den Abschluss kommen.» Erklärtes Ziel ist es, die Wurfquote zu verbessern, aber auch grundsätzlich mehr Verantwortung zu übernehmen und Tore zu schiessen.
Den Besuch bei der Familie in Muri hat die Handballerin genutzt, sich bei ihrem Stammclub blicken zu lassen und mit den Nachwuchsspielerinnen ein Training durchzuführen. «Ich will meinen Spass am Sport weitergeben, aber auch aufzeigen, was möglich ist, wenn man an sich glaubt und an sich arbeitet», betont sie. «Träume darf man haben – und an das sollen die Mädchen auch glauben.»
Vorbild für die Jugend
In der Trainingshalle Bachmatten werden die Spielerinnen nun bei jedem Training an das grosse Vorbild aus dem eigenen Dorf erinnert: Die erfolgreiche Handballerin mit der Nummer 10 ist auf einem grossen Transparent verewigt. Ihre Vorbildwirkung sei nicht zu unterschätzen, betont Lucia Schroth, Präsidentin von Handball TV Muri: «Sie an den Heimspielen der Nati live spielen zu sehen, ist ein ‹echteres› Erlebnis als ein Bundesligaspiel im Fernsehen.» Und diese Möglichkeit wird auch rege genutzt: Am EM-Quali-Spiel in Kriens war jüngst ein ganzer Block an Murianerinnen und Murianern in der TV-Übertragung zu sehen.
Mit Spass und Lerneifer
Das Einlaufen und die Körperübungen führen die Mädchen selbstständig durch. Danach übernimmt Daphne Gautschi. Als erste Übung zeigt sie vor, den Ball aufzuwerfen und hinter dem Rücken wieder zu fangen. Dann lässt sie den Ball von der einen Hand hoch über den Kopf in die andere fliegen. «Wenn Daphne etwas vormacht, wird es ganz anders aufgenommen», stellt Trainer Erik Weibel erfreut fest. Es helfe sehr, wenn die Mädchen sehen, dass selbst sie sich noch mit fundamentalen Übungen befasse.
«Sie machen super mit, sind lernfreudig und haben Spass», zieht Daphne Gautschi in einer Trinkpause Zwischenbilanz. Aktuell verzeichnet Handball Muri bei den U13 und U14 Mädchen einen veritablen Boom, «mit zehn Spielerinnen pro Jahrgang», führt Weibel aus, «und diversen Mädchen in der Regionalauswahl.» Ziel ist es, diese Euphorie in die U16 und U18 mitnehmen zu können, die aktuell noch komplett fehlen. «Je nach Ausbildung und Studium wird es Abgänge geben», ist er sich bewusst. Trotzdem besteht die Hoffnung, mittelfristig sogar wieder eigene Damenteams stellen zu können. Aktuell treten die Muri-Handballerinnen als Spielgemeinschaft mit Wohlen und Mutschellen an, wobei die erste Mannschaft den Aufstieg in die erste Liga bewerkstelligen konnte.
Teamgeist vermitteln
Grundsätzlich will TV Muri Handball allen Mädchen den Handballsport ermöglichen. Der Spass steht im Vordergrund, «der Rest kommt dann von selbst», so Weibel. Wichtig ist ihm auch der Team-Gedanke, dass man sich gegenseitig auffangen kann, wenn jemand nicht so einen guten Tag hat. Und die besonders talentierten Spielerinnen dürfen schon mal auf der nächsthöheren Stufe mit trainieren, sei es intern oder bei einem anderen Club. «Fernziel ist es, auch nach Daphne wieder mal die eine oder andere Murianerin in der Nati zu sehen.»
Apropos Nati: Da steht für Daphne Gautschi der nächste Termin im September an. Ab Oktober folgt dann die WM-Qualifikation.



