«Für Bremgarten»
14.07.2026 Bremgarten, Musik, Kommende EventsDie Jubiläen des «Stiefelchnächts» und dessen «Bauwagen» werden an zwei ganz besonderen Konzertabenden gefeiert
Juri Tirez feiert mit seinen Weggefährten zwei Meilensteine. Vor gut 15 Jahren hat seine spezielle Gastro-Geschichte in ...
Die Jubiläen des «Stiefelchnächts» und dessen «Bauwagen» werden an zwei ganz besonderen Konzertabenden gefeiert
Juri Tirez feiert mit seinen Weggefährten zwei Meilensteine. Vor gut 15 Jahren hat seine spezielle Gastro-Geschichte in Bremgarten begonnen. Seit 10 Sommern wirtet er auch am Reussufer. Am 20. und 21. August steigen deshalb zwei grosse Jubiläumskonzerte bei «Stiefelchnächts Bauwagen».
Marco Huwyler
Für Juri Tirez sind es anstrengende Tage. Wenn die Schweiz spielt, ist sein «Bauwagen» voll. Ganz egal, ob spätnachts oder in aller Herrgottsfrühe gekickt wird. «Das sind natürlich grosse Sonderefforts, die wir leisten mussten, und gehen auch an die Substanz», lächelt er. «Doch natürlich will ich nicht klagen. Toll und einmalig, was da abging.» So seien beim Triumph über Kolumbien die 90 organisierten Zmorgegipfeli im Handumdrehen verkauft gewesen – genauso wie der eiligst organisierte Nachschub.
Vom Surfladen zur Kultbar
Das zu knappe Gipfeli-Angebot sei Tirez verziehen. Schliesslich wirtet er für gewöhnlich nicht im Morgengrauen. Vielmehr sind es die lauen Sommerabende, an denen er dafür sorgt, dass sie in Bremgarten adäquat genossen werden können. Ins Städtli kam Tirez einst wegen der Liebe – und dem Surfsport. In der Unterstadt führte er jahrelang einen Surfladen. Just als er sich gemeinsam mit einem Kollegen daran machte, das Ganze mit einer Surfbar zu kombinieren, schlitterte die Textilbranche aber in eine Krise – woraufhin Tirez ganz auf Gastro umschwenkte und den «Stiefelchnächt» in der «Sonne» eröffnete. Ein Name, der das Kulturleben im Städtli auf Jahre mitprägen sollte.
Kultname aus Zufall
«Wie es dazu kam, ist eine witzige kleine Geschichte», lächelt Tirez. «Einen englischen Namen für die Bar wollte ich nicht. Und ‹Sonnenbar›, wie zuvor, war irgendwie zu langweilig. Ich war also auf Namenssuche.» Aus einem spontanen Impuls heraus habe er zu jener Zeit zu einem bescheidenen Preis das Inventar einer stillgelegten Schuhmacherei in Zofingen erworben. «Und bei der Besichtigung vor Ort stellte sich heraus, dass es sich dabei zu einem grossen Teil um Stiefelknechte handelte», lacht Tirez. Der Name war geboren. Und dazu passendes Interieur für die Bar im Herzen der Altstadt war jetzt reichlich vorhanden.
«Stiefel» als Talentschmiede
Freilich ist es nicht so, dass der «Stiefelchnächt» danach von Beginn an durchstartete. «Die Anfangszeit war hart. Wir mussten ziemlich untendurch», sagt Tirez. Ständig habe er damals nach Wegen gesucht, um die Bar richtig zum Leben zu bringen. Eine dieser Ideen erwies sich dann tatsächlich als Gamechanger. Im «Stiefelchnächt» wurde die «Zischtigskultur» lanciert. Aufstrebende Musiker und sonstige Künstler erhielten bei Tirez in der «Sonne» eine Plattform. Und bei der Auswahl der Bands bewies er mit seinem Team den richtigen Riecher. Zahlreiche Talente, die in Bremgarten auftraten, starteten danach durch. Der «Stiefelchnächt» machte sich so in der Kulturszene einen Namen und wurde überregional bekannt. Für Künstler und Musikliebhaber war die Bar im Herzen des Städtli plötzlich «the Place to be». «Von da an war die Bar auch voll, wenn nicht ‹Zischtigskultur› war», erinnert sich Tirez. Künstler und Bands wie Stephan Eicher, Hazel Brugger, Florian Fankhauser, Mark Sway, «Hecht» oder Seven gaben sich im Wochenturnus die Klinke in die Hand im «Stiefel» – und liessen sich des Öfteren auch als Gäste dort sehen. «Es war eine wunderbare Zeit damals», sagt Tirez.
Trauriger Werdegang der «Sonne»
Dann aber folgte scheinbar aus dem Nichts die Kündigung. Statt wie geplant in der «Sonne» gemeinsam mit Bruder Janick auch noch ein Restaurant zu eröffnen, musste Tirez 2019 seine Erfolgsbar schliessen. Stattdessen wirtete dort an seiner Stelle «Marco Polo» – und seit vier Jahren gar niemand mehr. Nach einer dubiosen Übernahme ist das Traditionshaus zum Geisterhaus verkommen. «Es tut mir sehr weh, was aus der ‹Sonne› geworden ist», sagt Tirez. «Noch heute spüre ich einen Stich im Herzen, wenn ich daran vorbeilaufe.» Tirez zügelte mit seinem «Stiefelchnächt» derweil in die Sternengasse. In den Wintermonaten betreibt er zusätzlich ein «Fonduestübli» neben der Kapuzinerkirche. Und im Sommer «Stiefelchnächts Bauwagen» am Reussufer.
Provisorium wird Institution
«Wie es dazu kam, ist eine weitere lustige Geschichte», erinnert sich Tirez schmunzelnd. Denn der Anlass war ein erzwungener. Der «Stiefelchnächt» erlitt einen gröberen Wasserschaden. «Wir mussten deshalb wochenlang schliessen und sanieren.» Ein Provisorium war gefragt. Tirez entschied sich für einen zur Bar umfunktionierten Bauwagen, den er mit Spezialbewilligung am Reussufer neben dem Casino aufstellen durfte. Er entwickelte sich von Anfang an zum Anziehungspunkt – und durfte in den Folgejahren bleiben. Aus dem einmaligen Provisorium wurde so eine saisonale Bremgarter Institution. «Der Bauwagen gehört mittlerweile fest zum Sommer im Städtli», konstatiert Tirez. So dürfe er mittlerweile Menschen aus Zug, Luzern oder Zürich begrüssen, die dem besonderen Ambiente vor der «Schoggisiite» wegen extra deshalb nach Bremgarten pilgern. Es ist die 10. Saison, in der Tirez seine Gäste in den warmen Monaten auch am Reussufer bewirtet. Die Sommerbar hat sich weiterentwickelt. «Wir nutzen den Platz besser und komfortabler als noch zu Beginn», sagt Tirez. Und die Infrastruktur ist so ausgereift geworden, dass hier unter anderem Fussball geschaut werden kann.
«Phenomden» – und ein Geheimkonzert
Die 15 Jahre «Stiefelchnächt» und 10 Saisons «Bauwagen» möchte Tirez mit seinem Team gebührend feiern. In einer Zeit, in der das Wirten in Bremgarten schwierig geworden ist, wie er unumwunden zugibt. «Die Menschen sehen die volle Sommerbar an guten Abenden und denken, dass es wunderbar läuft», sagt Tirez. «Dass ich Personal und andere Fixkosten auch an Regentagen oder Hitze bezahlen muss, während denen hier niemand aufkreuzt, sieht man nicht.» Und mit dem Verschwinden der Ausgangsszene werde das Führen einer Innenbar in der Altstadt zunehmend zur grossen Herausforderung.
Doch derlei ist für Tirez am 20. und 21. August für einmal sekundär. Der «Stiefelchnächt» lädt zur doppelten Jubiläumsfeier mit einem doppelten Konzert zum Bauwagen ans Reussufer. Für den Donnerstagabend konnte «Phenomden» gewonnen werden. Der national bekannte Mundart-Reggae- und Rap-Künstler, mit dem Tirez und seine Mitstreiter beste Kontakte pflegen.
Den Namen des Freitagsauftritts lässt man derweil geheim. «Es soll eine Überraschung sein», lächelt Tirez. Doch bei der engagierten Band soll es sich um eine grosse Nummer handeln. «Wir wollen den Auftritt nicht überregional an die grosse Glocke hängen.» Denn man wolle nicht, dass sich Gäste von weither dafür interessieren und den Einheimischen die Tickets wegschnappen.
Zwei denkwürdige Abende zum Geniessen
«Es sollen zwei unvergessliche Konzertabende für Bremgarten werden. Für die Menschen, die das Städtli bereichern und ich in all den Jahren kennen und schätzen lernen durfte», sagt Tirez. Mit zwei einzigartigen Musikhighlights vor der Skyline Bremgartens möchte er ihnen etwas zurückgeben. Und auch Tirez selbst wird versuchen, die beiden Abende in vollen Zügen zu geniessen – selbst wenn es wieder stressig wird.
«Stiefelchnächts Jubiläumskonzerte» mit Phenomden am 20. August und einem Überraschungsgast am 21. August. Tickets ab 21. Juli unter www.seetickets.com.


