«Guter Ruf, klare Linie»
05.05.2026 Sport, FussballDer Zürcher Jérôme Oswald ist der neue Trainer des FC Wohlen Das ging schnell: Vor einer Woche springt ein heisser Trainerkandidat im letzten Moment ab. Jetzt ist der neue Trainer aber da. Er heisst Jérôme Oswald, lebt in der Stadt Zürich und setzt auf Disziplin und Ordnung. In der Vergangenheit gelangen ihm als Trainer einige Erfolge.
Stefan Sprenger
Mai 1999. Im Halbfinal des Schweizer Cups duellieren sich die Amateure von Red Star Zürich mit den Profis des Grasshopper-Clubs. «Das war ein riesiges Spiel für uns», sagt Jérôme Oswald, der damals als Captain die Red Stars anführte. GC gewinnt 7:0. Ein einmaliges Erlebnis.
Er war ein guter Kicker, der früh auf den Beruf setzte
Oswald erlebte als Abwehrspieler die «Primetime» der Red Stars. Und ihm lagen auch Angebote aus höheren Ligen vor. «Doch ich habe schon früh auf den Beruf gesetzt», sagt er. Damals war er bei der Credit Suisse, heute ist er selbstständiger Vermögensverwalter. Er sei ein «Ur-Zürcher», der gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin in der Stadt lebt. Oswald ist geschieden, hat zwei erwachsene Kinder – und ist im Raum Zürich eine bekannte Fussballpersönlichkeit. Vor rund 20 Jahren führte er Thalwil als Spielertrainer in die 1. Liga. Seither hat er als Trainer immer wieder Erfolge feiern können. Mit dem FC United Zürich schaffte er als Trainer den Ligaerhalt in der Promotion League, dasselbe gelang ihm mit YF Juventus. Seefeld führte er in der Saison 2023/24 zum Aufstieg in die 2. Liga interregional.
Auch in Wettswil-Bonstetten (2017 bis 2022) hinterliess er positive Spuren. Aktuell trainiert er seit zwei Saisons seinen Stammverein Red Star in der 2. Liga interregional. Der Verein hat seine «Primetime» von damals längst hinter sich. Aber für Oswald ist und bleibt der Klub seine Fussball-Heimat. Doch er wollte auch eine neue Herausforderung.
Als er von FC-Wohlen-Sportchef Sergio Colacino kontaktiert wurde, war er offen. «Wir hatten gute Gespräche», sagt Oswald. Die beiden kannten sich bislang nur indirekt. Colacino übernahm 2022 von Oswald das Traineramt bei Wettswil-Bonstetten. Colacino sagt: «Ich spürte natürlich, was er dort für gute Dinge geschaffen hat. Und ich habe auch von den Spielern damals nur Gutes gehört.» Oswald gibt zurück: «Natürlich habe ich die Arbeit meines Nachfolgers bei Wettswil-Bonstetten verfolgt. Und das war stark. Ich glaube, Colacino und ich sehen den Fussball ähnlich.»
Was er vom FC Wohlen hält
Colacino sagt: «Die Teams, die er trainiert, zeichnen sich stets durch Stabilität aus. Er hat einen guten Ruf, eine klare Linie. Oswald setzt auf Werte wie Disziplin, Ordnung und Organisation auf dem Platz. Als Trainer sind ihm schon viele Erfolge gelungen. Sein Leistungsnachweis in der Region Zürich ist gross. Und er kann gut mit jungen Spielern arbeiten. Ich würde sagen, es passt hervorragend zwischen ihm und dem FC Wohlen.» Auch Oswald ist überzeugt. Er wollte in die 1. Liga zurück. In den Gesprächen hat er erkannt, dass «der Verein «gute Strukturen hat». Ausserdem hat der FC Wohlen «realistische Pläne und Zielsetzungen». Der 51-Jährige kennt den FC Wohlen, hat als Spieler und Trainer schon einige Male gegen den Verein gespielt. Zuletzt 2019. «Da kassierten wir in der Nachspielzeit das 1:2 und haben verloren», erinnert er sich. Die Tradition und grosse Historie des FC Wohlen kennt er natürlich auch. «Die Infrastruktur ist bestens. Und auch das Publikum ist immer zahlreich da. Ich würde behaupten, Wohlen ist eine Fussballgemeinde. Der FC Wohlen ist jedenfalls eine starke Adresse im Schweizer Fussball.» Aus seinen früheren Trainerengagements kennt er zwei Spieler des aktuellen FCW-Teams: Bijan Dalvand und Nicola Peter.
«Alle müssen gleich denken»
Ohne zu heftig ins Detail zu gehen: Was will er für einen Fussball sehen? Was ist ihm wichtig? «Ich lege extrem grossen Wert auf Disziplin. Auf und neben dem Platz. Dazu zählt auch die taktische Disziplin. Ich will athletischen Fussball, der offensiv variabel ist. Meist lasse ich mit Viererkette und einem Stürmer spielen, aber nach vorne darf man auch Freiheiten geniessen. Wichtig ist: Alle müssen gleich denken auf dem Platz, dies führt zum Erfolg.»
Der aktuelle Trainer Piu – der im Herbst für mehrere Monate in seine Heimat Brasilien geht – gibt sein Amt per 30. Juni ab. Ab 1. Juli übernimmt dann Jérôme Oswald und hat bis zum Saisonstart Mitte August nur ein paar Wochen Zeit, um seine Spielideen und Werte dem Team einzupflanzen.

