Heisse Hühner und blaue Flecken
27.05.2026 Sport, MotorsportHitze, Tempo und 8000 Fans
Das Pfingstcross in Muri begeistert trotz heissem Wetter
Bei über 30 Grad fand die 49. Ausgabe des international bekannten Pfingstcross statt. Rund 8000 Zuschauer fanden trotz Badiwetter den Weg ins Aspi und liessen ...
Hitze, Tempo und 8000 Fans
Das Pfingstcross in Muri begeistert trotz heissem Wetter
Bei über 30 Grad fand die 49. Ausgabe des international bekannten Pfingstcross statt. Rund 8000 Zuschauer fanden trotz Badiwetter den Weg ins Aspi und liessen sich begeistern.
Lange Schlangen vor dem Getränkestand und grosser Andrang beim Soft-Ice-Verkäufer: Das Wetter am Montag war vor allem eins: heiss. Unzählige eingefleischte Motorsport-Fans aus der ganzen Schweiz und dem nahen Ausland liessen sich davon jedoch nicht beirren. Gut gelaunt sicherten sie sich, ausgestattet mit Sonnenschirmen, Kühltaschen und Klappstühlen, bereits am Morgen die besten Plätze, um dem internationalen Fahrerfeld zuzujubeln.
Andrang bei Stars – Gisin fehlte
In den vier Kategorien «Swiss Inter MX1 und MX2», «Swiss Junior MX85» sowie im attraktiven Seitenwagenrennen «Swiss Inter MX Sidecar» sorgten rund 180 Fahrer für viel Action und nervenaufreibende Spannung.
Während OK-Präsident Beat Gassmann im Festzelt jeden einzelnen der geladenen Gäste, darunter einiges an Lokalprominenz, persönlich per Händedruck begrüsste, standen unweit davon viele kleine und grosse Fans Schlange, um eine Unterschrift von ihren Idolen zu ergattern. Zahlreiche Crossfahrer wie Paul Haberland, Arnaud Tonus, Nico Häusermann oder Nicolas Bender visierten Autogrammkarten, T-Shirts und Caps und liessen dadurch nicht nur die Augen der kleinen Autogrammjäger strahlen. Skirennfahrer Luca De Aliprandini, WM-Silbermedaillengewinner und begeisterter Crossfahrer, erschien zwar gut gelaunt, jedoch ohne seine Freundin, die zweifache Olympiasiegerin Michelle Gisin, im Aspi. Diese musste aufgrund einer Krankheit leider kurzfristig absagen.
OK-Präsident Beat Gassmann war glücklich. Der gut besuchte Anlass verlief wie geplant friedlich und ohne Zwischenfälle oder grössere Schäden. «Ich bin einfach sehr zufrieden», lautet sein erstes Fazit.
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Das Motocross Muri und ein Dorf in Festlaune
Beim Pfingstcross geht es um weit mehr als nur um den Rennsport. Ein Blick hinter die Kulissen.
In der Luft mischt sich der beissende Geruch von Benzin mit dem Duft der sich am Spiess drehenden Poulets. Nebst verschiedenen Würsten, Schnitzeln und Ghacktem mit Hörnli geniessen diese am Pfingstcross beinahe Kultstatus. «Etwa 180 Hühner sind es», tönt es fröhlich hinter dem heissen Grill hervor. Für die Verpflegung zeichnet die Metzgerei Marti aus Muri verantwortlich. Eine logistische Meisterleistung vollbringt auch die Firma Staubli: Eiskalt sind die Getränke, die der Besucher im Aspi serviert bekommt.
Brüder-Gespann und Pistenbullys
Aus den Boxen tönt derweil die Musik von Tina Turner und «AC/DC». Es ist Mittagszeit, die Motoren ruhen und die Gebrüder Buob aus Schmiedrued haben Zeit für einen kurzen Schwatz. Marc und Sven, beides gelernte Forstwarte, gehen in der Kategorie «Swiss Inter MX Sidecar» an den Start und sorgen so für den dringend benötigten Nachwuchs in der für den Zuschauer sehr attraktiven Kategorie. Nach dem Rennen seien beide jeweils übersät mit blauen Flecken, die von umherfliegenden Steinen der vorausfahrenden Konkurrenten herrührten. «Während dem Rennen merkt man das nicht, aber danach», verrät Marc Buob schmunzelnd.
Bewässerung wegen Trockenheit
Warum sind im Fahrerfeld der Seitenwagen auffallend viele Brüder zu finden? «Man kennt sich gegenseitig und versteht sich. Und wenn einmal ein böses Wort fällt, dann ist man sich daran schon gewöhnt.» Beide lachen. Zu den Murianer Verhältnissen sagt Sven Buob: «Der Boden ist gut. Auf der Piste hat es wenig Steine und der Untergrund ist nicht staubig.» Gute Voraussetzungen also. Tatsächlich wurde aufgrund der Trockenheit bereits drei Tage vor dem Renntag mit der Bewässerung der Strecke begonnen, wie Cornelia Bünzli vom OK verrät. Auch zwischen den Rennläufen kontrolliert das eingespielte Team des MRSC Muri, zusammen mit einigen seinen rund 350 freiwilligen Helfer, jeweils akribisch den Zustand der Piste und bearbeitet diese bei Bedarf mittels modernster Gerätschaften. Domenic Käslin trägt als Rennleiter die gesamte Verantwortung für die Sicherheit der Strecke und somit auch aller Fahrer, Helfer und Zuschauer.
Auf der Rennstrecke ist der Betrieb nach der Mittagspause wieder in vollem Gang. Dem Zuschauer bieten sich spannende Zweikämpfe und spektakuläre Sprünge. Selbst die jüngsten Nachwuchs-Crosser der Kategorie «Swiss Junior MX85» (11 bis 15 Jahre) schenken sich auf ihren 85 ccm-Zweitakt-Motorrädern nichts. Am Ende des zweiten Laufs steht Jamie-Liam Riedi (CH, 8) als Sieger fest. In der Kategorie «Swiss Inter MX1» siegt Tom Koch vor Arnaud Tonus. Im «Swiss Inter MX2» gewinnt Jules Pietre und den Seitenwagen-Wettkampf gewinnt das Duo Heinzer/Heinzer vor den Buob-Brüdern.
Prominenz und Legenden im Festzelt
Auch die lokale Politik ist im Festzelt anzutreffen. Landbesitzer und Gemeinderat Herbert Meier besucht das Pfingstcross mit seiner Familie. «Diese Veranstaltung hat eine grosse Strahlkraft weit über das Freiamt hinaus. Die Gemeinde Muri sorgt für die nötigen Rahmenbedingungen, und das OK sorgt gut für uns», lacht Meier, während ihm ein Teller mit herrlich duftendem Essen serviert wird. Er ergänzt: «Das Zwischenmenschliche ist sehr wichtig. Und das stimmt hier.»
Am Tisch nebenan sitzen Christoph und Andreas Hüsser. Die eineiigen Zwillinge feierten in den Achtzigerjahren zwei Seitenwagen-WM-Titel in Folge und geniessen heute bevorzugt den geselligen Teil des Motorsports. In heiterer Runde pflegen sie alte Bekanntschaften, lassen Erinnerungen aufleben und testen ihr Losglück bei der Tombola.
Der saubere Anlass
Auffallend ist die Sauberkeit auf dem Festgelände. Dies ist einerseits dem durchdachten Rücklaufsystem zu verdanken: Auf jegliches Gebinde, sogar auf PET-Flaschen, wird ein Pfand erhoben. Und so ist es am Motocross Muri zur Tradition geworden, dass unzählige mit Taschen bepackte Kinder die leeren Verpackungen einsammeln, um sich so ihr Sackgeld aufzubessern. Auch entlang der Strasse hinauf zum Festgelände trifft man auf mehrere Stände, an denen die einheimischen Kinder selbst gebackene Kuchen und Limonade verkaufen. Und so zeigt sich einmal mehr: Das Pfingstcross Muri ist nicht nur ein Motocross-Event. Es ist ein Volksfest. Und eine Motorsport-Party, wo sich Muri und das Freiamt von seiner besten Seite zeigt.
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Visionär in seinem Element
Beat Gassmann und sein riesiges Herzblut für das Pfingstcross
Ein Gespräch mit OK-Präsident Beat Gassmann über harte Anfangsjahre, wummernde Rock-Bässe, das Mobilfunk-Dilemma im Aspi und die pure Gänsehaut beim ersten Start.
Seit über zwei Jahrzehnten ist Beat Gassmann der strategische Kopf hinter dem Motocross Muri. Er wird ernst, wenn er über seine Anfänge als OK-Präsident spricht: «Die ersten 15 Jahre waren hart. Ich hatte viele Ideen. Visionen, die den Eingefleischten im Verein aber nicht gefielen.» Er wollte Neues wagen, wollte die Jungen mit ins Boot holen. Die Ländlermusik ersetzen durch Rock, gespielt aus anständigen Boxen mit wummerndem Bass. «Mit den Jahren gelang es besser. Ich konnte grosse Sponsoren gewinnen und dadurch unter anderem die ‹Holeshot›- Prämie einführen und die Preisgelder erhöhen. Dadurch ist das Motocross Muri auch für die ausländischen Fahrer attraktiv», betont Gassmann, der von allen nur «Gäsi» genannt wird.
«Ich wollte es einfach anders machen»
Schnell fällt auf: Die Details sind ihm wichtig. Das Pfingstcross soll innovativ und über die Landesgrenzen hinaus bekannt sein. «Ich wollte es einfach anders machen, speziell», erklärt er voller Leidenschaft. Dass er so tiefenentspannt ist, hat einen einfachen Grund: Um ihn herum schart sich ein überaus verlässliches, gut eingespieltes Team, dass seit Jahren tadellos funktioniert. Im Laufe der Jahre sind zudem viele wertvolle Beziehungen entstanden. «Ich muss diese Leute gar nicht mehr fragen. Die kommen von sich aus auf mich zu. Das ist wunderbar und ich schätze das sehr», bedankt er sich spürbar gerührt.
«Ein riesiges Problem»
Auf dem gesamten Gelände gilt: Nur Barzahlung. Ein bewusster Entscheid? «Nein, gar nicht», erklärt Gassmann. «Im Aspi gibt es keinen Internetempfang, und das ist ein riesiges Problem.» Das OK sei zwar mit verschiedenen Mobilfunkanbietern im Gespräch. «Die Kosten für eine temporäre Antenne bewegen sich jedoch im fünfstelligen Bereich.» Zudem könnten die Betreiber die Netzstabilität aufgrund der hohen Besucherzahl nicht garantieren. Für das nächste Jahr will das OK – vorerst bereichsweise – eine Netzabdeckung mittels Starlink testen.
Sein persönliches Highlight am Pfingstcross? Blitzschnell antwortet er: «Der erste Start. Dann, wenn der Song Thunderstruck von AC/DC ertönt. Ein voller Startbalken und all diese Menschen, das ist Hühnerhaut pur, jedes Mal aufs Neue.» Und welches Gefühl bleibt zum Schluss? Dann, wenn die Massen gegangen sind, das Gelände leer ist und die Motoren verstummt sind? Eine traurige Melancholie, eine Leere? «Die Vorfreude auf das nächste Mal», entgegnet Beat Gassmann. Für die Jubiläumsausgabe 2027 hat das OK einige Überraschungen geplant. «Gäsi» und sein Team werden mit ihrem Ideenreichtum sicherlich nicht enttäuschen.
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