Im Banne von ikonischen Themen
15.05.2026 Muri, MusikDas Frühlingskonzert der Musik Muri stand im Zeichen der «Carmen» – und anderer starker Frauen
Auch wer mit Opern nichts am Hut hat: an der «Carmen» gibt es kein Vorbeikommen. Die Musik Muri hat das Kultwerk von Bizet ins Zentrum ihres ...
Das Frühlingskonzert der Musik Muri stand im Zeichen der «Carmen» – und anderer starker Frauen
Auch wer mit Opern nichts am Hut hat: an der «Carmen» gibt es kein Vorbeikommen. Die Musik Muri hat das Kultwerk von Bizet ins Zentrum ihres Frühlingskonzerts gerückt – und ihr Publikum im fast vollen Festsaal des Klosters Muri begeistert.
Thomas Stöckli
Im Zentrum steht er jedes Mal. Diesmal sind die Blicke allerdings besonders auf Karl Herzog gerichtet. Schliesslich ist er in seinem Abschiedsjahr. Am Winterkonzert wird er die Musik Muri letztmals dirigieren. Mit Hingabe und Leidenschaft habe er in den letzten 25 Jahren unzählige Konzerte initiiert und geleitet, teilte die Musik Muri im Vorfeld des Konzerts mit. «Seine Fähigkeit, die unterschiedlichen Klänge und Stile harmonisch zu vereinen, und sein Gespür für die Zusammensetzung der Konzertprogramme haben die musikalische Entwicklung der Musik Muri entscheidend geprägt und in den vergangenen Jahren zu vielen unvergesslichen Konzerterlebnissen geführt.»
Lächeln für die Solisten
Für das Frühlingskonzert hat sich Karl Herzog die «Carmen» als Höhepunkt ausgewählt. Genauer: Die Orchesterfassung der Sinfonie von Georges Bizet. Das eindrucksvolle Werk nimmt das Publikum mit durch ein Wechselbad der Gefühle. Im Zentrum steht eine Frau, die auf Konventionen pfeift und ein tragisches Ende findet. Hymnenhafte Themen lassen die Bilder der heissblütigen Verführerin und des heroisierten Stierkämpfers Gestalt annehmen. Manche im Publikum wiegen mit dem Oberkörper mit, andere schliessen die Augen, ein seliges Lächeln im Gesicht. «Schön», flüstert eine Frau ihrem Sitznachbar zu.
Die Themen werden quer durch die Register weitergereicht. Der blechernen Fanfare stellt sich das tänzelnde Piccolo entgegen, das Fagott tritt in Zwiesprache mit der Klarinette, die Harfe interagiert gefühlvoll mit der Querflöte. Ein Moment tiefer musikalischer Melancholie wird durch ein magisches Oboensolo aufgelöst. Mittendrin steht Karl Herzog, führt das Orchester mit traumwandlerischer Sicherheit durch die höchsten Schwierigkeiten. Hier treibt er mit metronomischer Präzision an, um da fast ins Tänzeln zu geraten. Er moduliert die Dynamik, setzt Akzente. Und immer wieder belohnt er seine Solistinnen und Solisten mit breitem Lächeln für eine besonders gelungene Passage.
Im Rausch der Magie
Eröffnet hat die Musik Muri ihren Konzertabend mit dem ikonischen Liebesthema aus dem Kultfilm «Der Pate». Mit der «Elisabeth» aus dem gleichnamigen Drama-Musical von Michael Kunze und Sylvester Levay wurde eine weitere starke Frau gefeiert, deren Entwicklung vom naiven Mädchen «Sissi» zur selbstbestimmten Kaiserin die Menschen bis heute fasziniert. Die Musik Muri bewegte sich sicher durch diverse Dynamikwechsel. Und überzeugt sowohl in den rhythmischen wie auch den melodiös-getragenen Sequenzen. Zum Abschluss des ersten Konzertteils wurde dem Publikum ein richtiges Märchen dargeboten – eins mit Happy End. Die Geschichte von «Cindarella» braucht man niemandem zu erzählen. Eindrücklich, in welch atemberaubendem Tempo die Klappen der Klarinetten wirbeln – ganz im Rausch der Magie.
Der verdiente Lohn für das Orchester ist ein lang anhaltender Applaus. Kein Zweifel: So schnell darf der Abend nicht enden. Die vehement eingeforderte Zugabe wird dem Publikum gewährt. Und passend zum Klappern der Kastagnetten führt der Dirigent seine Musik mit der Körperspannung eines Flamencotänzers durch die Verlängerung. Als Galionsfigur, als Sinnbild der Qualität und der Vielfalt, die in der Musik Muri gepflegt wird. Und als Versprechen fürs Winterkonzert, das am 15. November in der Pfarrkirche St. Goar stattfinden wird. Dann zum Thema «Geschichten und Legenden».



