Kampf um den Weltcupplatz
29.05.2026 Sport, RadsportDer Hägglinger Gian Bütikofer strebt Top-100-Platz im Cross-Country-Mountainbike an
Es ist das erste Jahr für den Hägglinger Gian Bütikofer, in dem er im Mountainbike in der Elite mitfährt. Nachdem er in der U23 gute Leistungen im Weltcup ...
Der Hägglinger Gian Bütikofer strebt Top-100-Platz im Cross-Country-Mountainbike an
Es ist das erste Jahr für den Hägglinger Gian Bütikofer, in dem er im Mountainbike in der Elite mitfährt. Nachdem er in der U23 gute Leistungen im Weltcup zeigen konnte, will er dort anknüpfen. Dafür muss er aber noch einiges leisten – und Studium und Training unter einen Hut bringen.
Josip Lasic
Nur noch knapp 50 Plätze trennen Gian Bütikofer von seinem Zwischenziel. Er strebt einen Platz unter den besten 100 in der Elite-Weltrangliste der Männer im Mountainbike an. Damit düfte der Hägglinger an Weltcup-Rennen starten. «Und dann würde ich versuchen, die erweiterte Spitze anzugreifen. Ein Nino Schurter bin ich noch nicht», sagt er lächelnd. «Aber in meinem ersten Elite-Jahr unter die Top 50 zu fahren, wäre grossartig.»
Bis zum vergangenen Jahr durfte der 23-Jährige noch in der U23-Altersklasse mitfahren. Zuletzt holte er sich dort einen 4. Platz in der Schweizer Meisterschaft. Bei den jüngeren Fahrern konnte er sich auch ein Weltcup-Ticket sichern. Unter den besten U23-Mountainbikern der Welt konnte er sich mehrere Plätze in den Top 30 holen. Darunter beim Heimweltcup in der Lenzerheide. «Ich bin von Rang 60 oder so gestartet. Es ist mir anschliessend gelungen, über das gesamte Rennen meine Pace durchzuziehen, einen Fahrer nach dem anderen zu überholen und am Ende auf Rang 25 ins Ziel zu kommen. Und all das vor Heimpublikum und im Nationaltrikot. Das war schon ein sehr schönes Gefühl. Jetzt muss ich mich in der Elite wieder neu beweisen und meine Punkte für die Weltcupteilnahme erst erkämpfen.»
Grosse Leistungen in Sport und Studium
Um seine Ziele zu erreichen, investiert Bütikofer sehr viel. Sein Trainingspensum umfasst in «erholsameren» Wochen zwischen zwölf und 15 Stunden. «Das betrifft meistens Wochen mit Rennen. Hier steht die Erholung im Vordergrund. In Phasen mit wenigen Wettkämpfen trainiere ich zwischen 18 und 22 Stunden. Die richtige Einteilung spielt im Cross-Country-Mountainbike eine zentrale Rolle. Die Rennen dauern ungefähr eineinhalb Stunden. Man fährt dabei nicht in einem gleichmässigen Tempo. Es kann sein, dass man eine Minute am Stück Vollgas geben muss, dann geht es wieder bergab und dann folgt die nächste Vollgas-Phase. Für die bestmögliche Leistung braucht der Körper ausreichend Erholung.
Es gelingt ihm, Trainingspensum und Regeneration zu managen, obwohl er neben dem Sport noch an der Universität Zürich Physik studiert. «Das funktioniert gut. An der Sportkanti in Aarau musste ich im Unterricht präsent sein. Jetzt kann ich viele Vorlesungen als Podcast hören und das Training flexibel um das Studium herum planen.» Seine akademischen Leistungen leiden nicht darunter. «Ich studiere nicht Vollzeit, aber mit einem hohen Pensum. Im ersten Semester musste ich mich noch etwas an das Niveau gewöhnen, ich habe aber alle Prüfungen einigermassen bestanden. Seither hatte ich eigentlich selten eine Note unter 5,5.»
Hoffnung liegt auf August
Bütikofer erklärt, wie wichtig ihm das Studium ist. «Ich benötige es neben dem Sport. In der Zeit zwischen Kanti und Studium hatte ich einige Wochen lang fast zu viel Freizeit. Wenn dann beim Training oder bei einem Rennen etwas nicht passte, zerbrach ich mir drei Tage lang darüber den Kopf. Das verunsicherte mich. Jetzt fehlt mir diese Zeit zum Grübeln. Es passiert immer etwas.» Der Hauptfokus des jungen Sportlers liegt aber auf dem Fahrrad. Um sich stärker darauf zu konzentrieren, arbeitet er mit dem ehemaligen Motorsportler David Ludin zusammen, der sich um Sponsoren und Management kümmert. Früher fuhr Bütikofer für das Fischer-Junior-Mountainbike-Team und anschliessend für das SCOTT-Davos MTB Project. Mittlerweile fahren er und sein jüngerer Bruder Yves im Engadin Bike Team.
Um in die Top 100 vorzudringen, sammelt er Weltranglistenpunkte in Rennen unterhalb des Weltcups. Zuletzt hat er mit einem Sieg bei einem Rennen in Bosnien-Herzegowina und einem 6. Rang in Slowenien einiges in diese Richtung getan. «Wenn alles perfekt läuft, schaffe ich es früher. Realistisch ist aber, dass ich im August genug Punkte habe.»

