Keine Rambos, sondern Teamplayer
19.05.2026 Kelleramt, Vereine, SchiessenDer Oberlunkhofer Verein Tactical Airsoft Unit hat sich in der Oldtimer-Bar vorgestellt
«Das, was ihr macht, ist gewaltverherrlichend und spricht nur aggressive Möchtegern-Rambos an.» Mit pauschalen Vorurteilen wie diesem sieht sich die Airsoft-Szene immer ...
Der Oberlunkhofer Verein Tactical Airsoft Unit hat sich in der Oldtimer-Bar vorgestellt
«Das, was ihr macht, ist gewaltverherrlichend und spricht nur aggressive Möchtegern-Rambos an.» Mit pauschalen Vorurteilen wie diesem sieht sich die Airsoft-Szene immer wieder konfrontiert. Um zu zeigen, dass dem nicht so ist, lud der hiesige Verein Tactical Airsoft Unit in die Oldtimer-Bar.
Thomas Stöckli
Er ruft «Hit!» und lässt seinen Arm nach oben schnellen. Fairplay ist zentral in der Airsoft-Szene: Wer getroffen wurde, muss das anzeigen. André Wirth, Präsident des örtlichen Vereins, macht es vor und begibt sich an die nächste Säule im Raum, wo er sich «wiederbeleben» lassen kann.
Um den Gästen diese elementare Grundregel verständlich zu machen, hat der Verein Tactical Airsoft Unit (Tasu) eine Schüssel voller kleiner Kügelchen aufgestellt, mit der Einladung, damit nach den Leuten im Vereinsshirt werfen zu dürfen. Die Kügelchen werden BBs (sprich: Bibis) genannt und bestehen üblicherweise aus Kunststoff oder für den Freiluft-Bereich biologisch abbaubar aus gepresster Maisstärke. «In fünf bis sieben Monaten lösen die sich in der Natur rückstandslos auf», sagt André Wirth.
Sicherheit geniesst Priorität
Nebst dem Fairplay ist in der überschaubaren Airsoft-Szene auch der Teamgedanke zentral. Man schaut füreinander, hilft sich aus, wenn etwas kaputt geht – und zwar Vereins- und Team-übergreifend. Das zeigt sich auch in der Oldtimer-Bar. So hat nicht nur der Deutschschweizer Dachverband, sondern auch ein anderer Verein aus Graubünden, «Geist Airsoft», einen Stand erhalten, um sich zu präsentieren. Die Bündner erzählen von verbindenden Erlebnissen, etwa, wie man vor dem Spieltag gemeinsam das Areal einrichtet und dann gemeinsam vor Ort campiert.
Bei aller Geselligkeit geht der Sicherheitsaspekt nicht vergessen: «Die Replikas werden wie echte Waffen behandelt, wenn jemand die Schutzbrille verliert, wird das Spiel unterbrochen und vor sowie während des Spiels gilt ein striktes Alkohol- und Drogenverbot», betont André Wirth.
Suche nach eigenem Gelände
Was «Geist» der hiesigen Tasu noch voraus hat, ist ein eigenes «Spielfeld». Nicht, dass man es nicht versucht hätte: «Seit November 2022 haben wir für über 100 Gelände angefragt», so Wirth. Die Hürde sei generell hoch, weiss Stefan Busch, Präsident des Airsoft Verbands Deutschschweiz (ASVD), in dem auch Tasu-Vizepräsidentin Domenica Wyler aus Unterlunkhofen als Aktuarin im Vorstand vertreten ist.
Bei Grundeigentümern seien oft noch Unsicherheiten da, so Busch weiter. Die Tatsache, dass die teils täuschend echt aussehenden Replikas in weiten Bereichen unter das Waffengesetz fallen, macht die Überzeugungsarbeit nicht einfacher. «Im Zweifelsfall wird ein hoffnungsvolles ‹Vielleicht› dann halt zum ‹Nein›.» Entsprechend seien gute Ideen gefragt: «Wir haben auch schon einen ganzen Gemeinderat zum Spiel eingeladen», sagt der ASVD-Präsident.
Die Airsoft-Szene lebt vom Miteinander, von den Enthusiasten, die nicht nur konsumieren, sondern den Sport mitgestalten, zu seiner Entfaltung beitragen möchten. Und doch: «Die Leute, die zu unseren Spieltagen kommen, sollen zufrieden und erschöpft nach Hause gehen können», betont Vizepräsidentin Domenica Wyler.
Oldtimer-Bar als Basis
Auch wenn sie (noch) kein eigenes Spielfeld hat, so verfügt die Tasu doch über eine «Heimbasis». «Vor fünf Jahren fanden wir für ein Bier in die Oldtimer-Bar, seither kommen wir jeden Freitag», sagt André Wirth. Auch seine Generalversammlung hält der Verein nun bei Stefan Stutz ab. Und selbst das eigene Bier bezieht der Verein Tasu aus dessen «Drüüklang»-Brauerei. Es ist das naturtrübe «Fernlicht», das in einer Auflage von 96 Stück mit einer eigenen Etikette versehen wurde.
In der Oldtimer-Bar werden die BBs nicht nur von Hand geworfen: In einem eigens aufgebauten Schiessstand können Interessierte ab 16 Jahren unter der fachkundigen Anleitung von Fabio Lopes selbst mal eine Replika abfeuern, wahlweise eine halbautomatische Pistole oder einen Revolver.
«Reinschnuppern ist empfehlenswert», geben die Airsoft-Enthusiasten ihren Besuchern mit. Wer ernsthaft einsteigen will, müsse rund 1000 Franken Startkapital aufbringen für die Grundausrüstung, rechnet André Wirth vor. Danach sei mit jährlich rund 300 bis 400 Franken zu rechnen, wobei die Grenzen nach oben offen sind. Dass nicht bei allen der Funke überspringen kann, versteht sich von selbst. Aber zumindest ihre Vorurteile dürften manche am Anlass hinterfragt haben.


