Landwirtschaft mal anders
12.05.2026 Landwirtschaft, Region Oberfreiamt, Oberrüti, NaturAusgezeichneter Adler-Hof
Landwirt aus Oberrüti stellte sein Konzept vor
Letztes Jahr wurde sein Hof Adlerzart mit dem «Prix Climat» ausgezeichnet. In Zusammenarbeit mit Kevin Ischi (WWF) stellte Pirmin Adler nun vor, was bei ihm anders ...
Ausgezeichneter Adler-Hof
Landwirt aus Oberrüti stellte sein Konzept vor
Letztes Jahr wurde sein Hof Adlerzart mit dem «Prix Climat» ausgezeichnet. In Zusammenarbeit mit Kevin Ischi (WWF) stellte Pirmin Adler nun vor, was bei ihm anders läuft als auf herkömmlichen Betrieben. Grundsätzlich geht es um lokale Kreisläufe. Eine wichtige Rolle spielen Gehölze. Für den Boden, für die Artenvielfalt und für die Qualität seiner Produkte.
--tst
Auf dem Hof Adlerzart in Oberrüti wird in Kreisläufen gedacht – der WWF lud zur Führung mit Buurezmorge
Schon auf den ersten Blick fallen die strukturierenden Busch- und Baumstreifen auf. Pirmin Adler schlägt in verschiedenen Bereichen Wege ein, die von der Norm abweichen. Sein vorbildliches Verhalten bezüglich Nachhaltigkeit wurde unlängst mit dem «Prix Climat» ausgezeichnet.
Thomas Stöckli
Über ihm klopft der Blattschlag eines Helikopters, rechts von ihm rauscht ein Personenzug vorbei. Pirmin Adler hebt die Stimme etwas, um den Lärm zu übertönen, lässt sich ansonsten aber nicht aus der Ruhe bringen. Letztes Jahr wurde sein Hof mit dem «Prix Climat» ausgezeichnet. An seiner Hofführung bietet er rund 25 interessierten Besucherinnen und Besuchern Einblick, was er anders macht als seine Berufskollegen. Möglichst autark will er gesunde Lebensmittel produzieren und als Ideologe die Zukunft der Landwirtschaft mitgestalten.
Den Boden gesund halten
Zum Anlass eingeladen hat die Naturschutzorganisation WWF, im Rahmen ihres Projekts «Gesunde Böden». Das sei eine «unverzichtbare Grundlage», hielt Kevin Ischi, Geschäftsleiter von WWF Aargau, in seiner Begrüssung fest. Die Landwirtschaft solle Teil der Lösung sein. Entsprechend gehe es darum, pionierhafte Praktiken zu zeigen, wie man den Boden gesund halten kann. Und nicht zuletzt wolle man auch die Konsumenten sensibilisieren. «Wir alle können einen Beitrag leisten für ein funktionierendes System.»
Auf seinem Hof Adlerzart hält Pirmin Adler Limousin-Rinder in Mutterkuhhaltung. Dazu Zweinutzungs-Hühner der Rasse Bresse-Gauloise. «Sie haben bläuliche Beine, weisse Federn und einen roten Kamm – wie die Nationalfarben von Frankreich», beschreibt Adler und lächelt. Zweinutzung heisst, dass sowohl die Eier als auch das Fleisch in den Handel kommen. Die Tiere bewegen sich in rotierendem System über verschiedene Bereiche und sorgen so für ein ökologisches Gleichgewicht. Ergänzend zum Vieh betreibt Adler noch wenig Ackerbau: Ackerbohnen und Hafer in Mischkultur.
Pirmin Adler öffnet ein Einmachglas und lässt es zirkulieren. «Das ist die organische Substanz eines Kuhfladens», sagt er. Sie bringt nicht nur die Nährstoffe in den Boden zurück, sondern zieht auch Insekten an, welche ihrerseits als Beutetiere dienen. «Die Vögel werden mehr und mehr», stellt der Referent fest.
Bewährtes Konzept
Als Erstes stechen allerdings die strukturierenden Sträucher und Bäume auf den Weiden, Wiesen und Feldern ins Auge. «Die Gehölze beeinflussen die Feldstruktur positiv», sagt Pirmin Adler. Ihre Wurzeln verbessern den Boden und erhöhen durch ihre Filterwirkung die Grundwasserqualität. In Hitzejahren können Agroforstsysteme zudem zu höheren Erträgen führen. Möglich machen es örtliche Verdunstungskreisläufe mit nachweislich kühlender Wirkung.
Das Konzept Agroforst und Mehrnutzenhecken ist nicht neu, geriet aber in Zeiten von Effizienzsteigerung und Monokulturen vorübergehend in Vergessenheit. «Die Integration von Gehölzen zieht Leben an», nennt Adler einen ökologischen Mehrwert. Zusätzlich wird in den Bäumen und Sträuchern CO2 gebunden – den Effekt auf seinem Betrieb beziffert er auf den eigenen Diesel-Ausstoss von 60 Jahren.
Nicht zuletzt bringen verschiedene Futtergehölze Abwechslung in den Speiseplan seiner Tiere. «Als ursprüngliches Wald- und Steppentier frisst das Rind gezielt im Gehölz.» Neben wertvollen Mineralien findet es da reichlich sekundäre Pflanzenstoffe mit gesundheitsfördernden Wirkungen. «Die Tiere wissen genau, was ihnen guttut», so Pirmin Adler. Zudem ergänzen sich Weide und Gehölze saisonal, Erstere erreicht den Zenit im Frühling, Letztere danach. Das anfallende Holz wird in Form von Holzhäckseln in die betrieblichen Kreisläufe zur Förderung der Tier- und Bodengesundheit zurückgeführt.
Langfristiger Mehrwert
«Wie viel bringe ich rein und was darf ich rausziehen?», das sei die zentrale Frage in der Kreislaufwirtschaft, so Pirmin Adler. Es ist ihm bewusst, dass seine Methode aufwendiger ist als die herkömmlichen. Trotzdem ist er von seinem Weg überzeugt: «Ich sehe mich eher als Landhirte denn als Landwirt», zeigt er den Fokus auf den nachhaltigen Erhalt des Bodens auf. Als Mehrwert nennt er die höhere Nährstoffdichte seiner Produkte, aber auch seinen Beitrag zu sauberem Wasser, reiner Luft und vielfältiger Landschaft – nicht zuletzt für die Naherholung.
Beim gemeinsamen Buurezmorge bietet sich Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen. Und natürlich ist da auch der Hof Adlerzart Thema. Die Gäste scheinen beeindruckt zu sein: «Es bräuchte viel mehr Leute wie dich» und «Oberrüti kann stolz sein auf dich», wird das Engagement von Pirmin Adler gewürdigt. Er hat derweil schon das nächste Ziel vor Augen: die Bewirtschaftung einer Auenwald-Parzelle an der Reuss, zurückhaltend und naturnah.
Preis für Klima-Bauern
Der «Prix Climat» wird alle zwei Jahre für klimafreundliche Landwirtschaft vergeben. Hinter dem Projekt steht der Verein «Netzwerk Klima & Landwirtschaft» (NKL) in Partnerschaft mit der Klima-Allianz Schweiz, der Kleinbauern-Vereinigung VKMB, Biovision, WWF, Klimabauern.ch und Regenerativ Schweiz. Finanziell getragen wird das Projekt unter anderem durch Seedling Foundation und Schweizer Hagel.



