Marschieren statt zaubern
07.08.2026 Sport, Fussball1. Liga classic: Der FC Wohlen startet am Sonntag in Courtételle in die Saison – Der neue Trainer gibt Auskunft
Ordnung statt Chaos. Defensive Stabilität statt Angriffsspektakel. Der 51-jährige Zürcher Jérôme Oswald hat eine klare ...
1. Liga classic: Der FC Wohlen startet am Sonntag in Courtételle in die Saison – Der neue Trainer gibt Auskunft
Ordnung statt Chaos. Defensive Stabilität statt Angriffsspektakel. Der 51-jährige Zürcher Jérôme Oswald hat eine klare Linie, wie der FC Wohlen auftreten soll. Der neue Trainer selbst schwärmt vom Verein. Oswald erklärt, wie das Team spielen soll – und was er gar nicht mag.
Stefan Sprenger
«Es kam noch nie ein Spieler zu spät», sagt Jérôme Oswald. Mehr noch: Die Spieler sind angehalten, spätestens 15 Minuten vor dem Training in der Kabine zu sein. «Es gibt kaum Undiszipliniertheiten im Team. Auf und neben dem Feld. Sie ziehen voll mit. Das ist mir sehr wichtig und macht auch mehr Freude», sagt er weiter. Oswald geht als Vorbild voran. So kommt es beispielsweise eigentlich nie vor, dass er unpünktlich ist. «Was ich einfordere, lebe ich vor.»
Kein Platz für «Laissez-faire»
Der 51-jährige Zürcher ist selbstständiger Vermögensverwalter und lebt mit seiner Partnerin (eine Aargauerin aus Windisch) in Zürich-Fluntern. Er ist ein Mann, der grossen Wert legt auf die Disziplin, die Ordnung und die Einhaltung der Regeln. «Undiszipliniertheiten mag ich gar nicht. Auf dem Platz sehe ich mein Team gerne kontrolliert spielen, denn so kann man gewisse Dinge ausschliessen.» In den Testspielen hat er bei einigen Spielern phasenweise eine «Laissez-faire»-Mentalität entdeckt. Heisst: leichte Ballverluste, unnötige Fehler im Aufbauspiel, Unkonzentriertheiten. «Das sind Dinge, die nicht hilfreich sind. Ich fordere von den Spielern, dass dies konsequent eingehalten wird», so Oswald, der den bekannten Fussballtrainer Uli Forte zu seinem engsten Freundeskreis zählt.
Er lobt den Sportchef
Viel Laufen. Viel effizienter Ballbesitz. Viel Kontrolle. So will der FC Wohlen in der Saison 2026/27 spielen. Oswald – ein Fan des Fussballs von Atlético Madrid – sagt, er habe hier beim FC Wohlen «beste Bedingungen». Alle Spieler sind fit. Die Infrastruktur stark. Und: «Ich bin überrascht, wie ruhig ich arbeiten kann.» Er lobt Sportchef Sergio Colacino für dessen Arbeit. «Alles war geregelt, als ich im Juli anfing. Der Ferienplan war erstellt, in den Trainings war die Präsenz gut. In den Testspielen waren meist 18 Spieler dabei. Das ist nicht selbstverständlich», sagt Oswald.
Das Kader beschreibt er als «ein wenig besser als letzte Saison». Die Neuzugänge (Freddy M’Biye, Luis Mestre, Alessio Caputo, Milos Grujicic, Josuah Gerber, Marlon Schwarz und Diego Pagliaro) haben alle Qualität.
«Dieses Team hat Erfahrung, Spielwitz, es hat etwas Unbekümmertes. Die Jungs haben viel Energie und eine gute Kommunikation untereinander.» Es sind starke Voraussetzungen für eine erfolgreiche Saison. Oswald sagt, er habe zwei «Steckenpferde». Also Dinge, die seine Teams, die er trainierte, jeweils auszeichnet. «Bei der Fairnesswertung schnitten meine Mannschaften immer sehr gut ab und waren vorne dabei. Mit Disziplin gibt es weniger Fouls, man verliert weniger den Kopf», erklärt er. Was auf dem Platz geschieht, fängt in der Garderobe an. «Wenn in der Kabine ein Chaos herrscht, dann ist es auch auf dem Feld so. Wenn man schlecht trainiert, dann spielt man auch schlecht. Deswegen fordere ich Disziplin ein, immer, von allen.» Und er verzichtet grösstenteils auch auf Sonderbehandlungen von Spielern.
«Unkontrolliertes Nach-vorne-Preschen geht mir auf Wecker»
Das zweite Steckenpferd: die Fitness. Oswald macht die Kraftübungen jeweils mit. «Und ich lasse viele Übungen einfliessen in die Trainingseinheiten. So trainieren die Spieler ihre Fitness, währenddem sie den Ball am Fuss haben.» Man merkt: Er hat sich viel überlegt und er hat eine klare Linie. Der neue Trainer will mit «System angreifen». Er will «zielführende Handlungen». Er will defensive Stabilität und kein kopfloses Angriffsfeuerwerk. «Unkontrolliertes Nach-vorne-Preschen geht mir auf den Wecker», sagt er. Und wenn das Team mal eine Schwächephase durchlebt, «dann muss man leiden, sich wehren, diese Phasen erdulden und dagegenhalten», wie er sagt.
Er habe Spieler, denen er «ein wenig mehr Verantwortung aufbürden kann als anderen». Heisst: Die Leistungsträger, die etwas mehr Verpflichtungen übernehmen. Dazu zählt er Santiago Brunner, Alban Pnishi, Nicola Peter, Bijan Dalvand und Noah Jappert. Den jungen Luca Nascimento – den Sohn von Ex-Trainer Piu – lobt er für seine «enormen Fähigkeiten und gutes Gespür in seinem noch sehr jungen Alter». Oswald sagt, er könne eine grosse Zukunft vor sich haben.
Ein Ziel in der Tabelle will Oswald nicht nennen. «Ich will möglichst wenig Gegentore erhalten. Dem Gegner möglichst wenig Torchancen zugestehen. Im Angriff haben wir jederzeit Fähigkeiten, um selbst ein Tor zu schiessen. Ich will wenig Ballverluste, wenig unkontrollierte Handlungen. Ich will, dass das Team den Kopf und die Ordnung nicht verliert. Mit Geradlinigkeit, einer guten Balance und Variabilität wollen wir Punkte holen. Wenn uns dies gelingt, werden wir erfolgreich sein.»
Nach drei Jahren Piu übernimmt mit Jérôme Oswald ein ganz anderer Trainertyp den FC Wohlen. Ein unbekannter Mann, der keine Vergangenheit beim FCW hat. Man darf gespannt sein, wie sich das Team unter seiner klaren Linie entwickelt.
Start im Jura
Der FC Wohlen startet am Sonntag (14.30 Uhr) auswärts beim FC Courtételle in die neue Saison. Die Jurassier qualifizierten sich letzte Saison für die Aufstiegsspiele in die Promotion League. «Sie verteidigen diszipliniert. Es ist ein Team, das geduldig auf seine Momente wartet. Eine starke Truppe», sagt FCW-Trainer Jérôme Oswald. In den letzten vier Duellen erzielte der FC Wohlen kein einziges Tor (0:1, 0:2, 0:2 und 0:0) gegen Courtételle. Die Jurassier hatten kaum Wechsel im Sommer. «Ein grosser Brocken», sagt Oswald.
Neue Anspielzeit auf Teamwunsch
Der FC Wohlen wird all seine Heimspiele um 16.30 Uhr (und nicht mehr um 17 Uhr) beginnen. Der Grund: «Es war ein Wunsch des Teams», wie Trainer Oswald sagt. Das Team hat sich dies so gewünscht, weil man so etwas früher fertig sei und mehr Zeit für die Abendplanung hat. Der erste Heimauftritt ist in einer Woche, am Samstag, 15. August, gegen Zug 94. --red

