Mehr als nur Fussballer
17.07.2026 Sport, FussballRaniero Schmidli beendet nach mehr als zehn Jahren in der ersten Mannschaft des FC Sarmenstorf seine Karriere
Raniero Schmidli war Teil einer der erfolgreichsten Generationen des FC Sarmenstorf. Nach über zehn Jahren beendet der 34-Jährige nun seine aktive Karriere. Am meisten werden ihm die langjährigen Kollegen fehlen, mit denen er eines Tages gerne wieder bei den Senioren spielen möchte.
Josip Lasic
Es war eine Derniere nach Mass. Am letzten Spieltag der vergangenen Saison bezwang der FC Sarmenstorf Leader Niederlenz mit 4:2. Anschliessend verabschiedete der Verein mehrere langjährige Teamstützen – darunter Raniero Schmidli. Für den 34-Jährigen war es nicht der erste Abschied. Bereits 2022 hatte er seine Karriere erstmals beendet. Es war der sportliche Höhepunkt dieser Generation und einer der grössten Erfolge der Vereinsgeschichte. Die Sarmenstorfer gewannen den Aargauer Cup und beendeten die Saison in der 2. Liga auf Rang 2. Den Aufstieg in die 2. Liga interregional verpassten sie nur knapp.
Schmidli wollte damals auf dem Höhepunkt aufhören, doch ganz loslassen konnte er nicht. Er wechselte in die dritte Mannschaft, sprang aber regelmässig für die erste ein und kehrte schliesslich zurück. «Es macht keinen Sinn, offiziell in der dritten Mannschaft zu sein, aber ständig für die erste zu spielen», sagt er. Ein Jahr später versuchte er es bei den Senioren – und landete aus demselben Grund wieder in der ersten Mannschaft. Nun wagt er den dritten Anlauf. Diesmal soll es endgültig sein. Sein Studium der Heilpädagogik beansprucht viel Zeit, und der Altersunterschied zu den jüngeren Mitspielern wird spürbar. «Samiro Meyer, unser jüngster Spieler, war drei Jahre alt, als ich das erste Mal für die erste Mannschaft gespielt habe. Ich glaube, meine Zeit ist gekommen», sagt er lachend.
Sarmenstorf (fast) immer treu
Fussball begleitet ihn schon seit seiner Kindheit. Schmidli wuchs in Bettwil auf und spielte ab neun Jahren bei den Junioren des FC Sarmenstorf. Mit 16 wechselte er zum FC Wohlen, zwei Jahre später zum FC Meisterschwanden. «Damals spielte Meisterschwanden in der 2. Liga interregional. Das war aber nur kurz. Nach einer Saison bin ich wieder gegangen.» Mit 19 kehrte er nach Sarmenstorf zurück und blieb dem Verein treu. Zunächst spielte er zwei Jahre für das Fanionteam. Da er in Sarmenstorf zur Schule ging, kannte er schon viele Spieler der zweiten Mannschaft und schloss sich anschliessend ihnen an. Das Team entwickelte sich und war zeitweise kaum schwächer war als die erste Mannschaft. Schliesslich entstand aus beiden Teams ein neues «Eis», das den FC Sarmenstorf in den folgenden Jahren prägte und unter Trainer Mike Winsauer die grössten Erfolge der Vereinsgeschichte feierte. «Unsere Stärke lag im Kollektiv. Zusammenhalt und Kollegialität waren entscheidend – und natürlich die individuellen Qualitäten von Spielern wie Alain Schultz und Fabio Huber», erinnert sich Schmidli. Diese Kollegen werden ihm nach dem Rücktritt am meisten fehlen. «Ich hoffe, wir bringen die alte Truppe bei den Senioren wieder zusammen. Alle haben Familie, Kinder und Berufe, aber so könnten wir uns regelmässig sehen.»
Die Neugier als roter Faden
Raniero Schmidli war nie nur Fussballer. Er ist auch leidenschaftlicher Tänzer. Mit 15 Jahren begann Schmidli Discofox zu tanzen. Später kamen verschiedene Tanzstile hinzu, wie Salsa, Bachata, Tango und schliesslich Kizomba. «Kizomba sehe ich bis heute als grösste Leidenschaft und tanze es immer noch.» Schmidli blieb diesem Tanz nicht nur als Tänzer verbunden, sondern unterrichtete später an der Tanzschule Salsa Olé in Wohlen auch selbst als Kizombalehrer. «Oft wurde ich gefragt, ob mir das für den Fussball etwas nütze», sagt er lachend. «Einen direkten Nutzen habe ich jedenfalls nie gesehen.»
Wie beim Fussball legt er auch beim Tanzunterricht vorerst eine Pause ein. «Einzelne Workshops oder Lektionen werde ich vielleicht weiterhin leiten. Aber das Studium der Heilpädagogik an der PH Luzern hat aktuell Vorrang.» Schmidli absolvierte ursprünglich eine Schreinerlehre. Dass er sich immer wieder neuen Dingen widmet, gehört zu seiner Persönlichkeit. Er interessiert sich für vieles, entdeckt gerne neue Orte und sammelt Erfahrungen. Das gilt auch für seinen beruflichen Weg. Nach dem Pädagogikstudium an der PH Nordwestschweiz in Brugg-Windisch begann er im Haldeschulhaus in Wohlen zu arbeiten. Zunächst war er dort Klassenlehrer, mittlerweile ist er Heilpädagoge. «Die Schule ist stark integrativ ausgerichtet. Kinder aus verschiedenen Nationen, Kulturen und sozialen Verhältnissen lernen dort gemeinsam. Das finde ich spannend.» Als die Schule einen Heilpädagogen suchte, übernahm Schmidli die Aufgabe. Parallel dazu studiert er in Luzern Heilpädagogik.Der Weg dorthin war nicht vorgezeichnet. Schmidli dachte auch darüber nach, an einer Schweizer Schule in Barcelona oder São Paulo zu arbeiten. Diese Möglichkeit hätte ihn besonders gereizt, liess sich aber nicht verwirklichen. Auch die Waldschule Baden war eine Option. Am Ende entschied er sich für das Studium der Heilpädagogik. Dass es in diesem Bereich zu wenige Fachleute gibt, spielte dabei eine Rolle. Gleichzeitig sieht Schmidli darin eine Chance, persönlich zu wachsen. «Es hilft mir, mein eigenes Denken zu hinterfragen und mich weiterzuentwickeln.»
Südostasien, Schneeschuhe, Saxophon
Die Lust, Neues zu erfahren und Dinge auszuprobieren, begleitet Schmidli sein Leben lang. Schon als Jugendlicher verbrachte er längere Zeit in Südamerika und Südostasien. Später lebte er in Kanada und machte ein Austauschsemester in Finnland. Heute wohnt der Bettwiler in Dintikon. Er geht gerne tauchen, verbringt Zeit in den Bergen und macht Schneeschuhtouren. Früher spielte er Saxophon, heute greift er zur Gitarre. Immer wieder entdeckt er neue Interessen. Fussball war über viele Jahre die Konstante in seinem abwechslungsreichen Leben. Jetzt verschwindet er vorerst aus seinem Alltag. Der Abschied ist kein dramatischer Bruch, sondern ein nüchterner Schritt. Ganz vom FC Sarmenstorf wird er sich wohl nicht lösen. Zu viele Freundschaften sind über die Jahre entstanden. Und vielleicht steht er eines Tages wieder mit den alten Kollegen auf dem Platz, dann bei den Senioren.


