Muri verliert den Anschluss
27.05.2026 Sport, Fussball2. Liga: FC Baden II – FC Muri 4:1 (2:0)
Mit einem Sieg wäre der Sprung an die Tabellenspitze möglich gewesen. Doch der FC Muri zieht gegen hochmotivierte Badener deutlich den Kürzeren. Die Freiämter müssen auf vielen Positionen umstellen ...
2. Liga: FC Baden II – FC Muri 4:1 (2:0)
Mit einem Sieg wäre der Sprung an die Tabellenspitze möglich gewesen. Doch der FC Muri zieht gegen hochmotivierte Badener deutlich den Kürzeren. Die Freiämter müssen auf vielen Positionen umstellen und es gibt gar kuriose Spielerrochaden. So scheint ein Mitmischen um den Aufstieg sehr schwierig.
Patrick Fischer
«Natürlich würden wir aufsteigen, wenn wir können», sagte FC-Muri-Präsident Michael Stadelmann zuletzt. Doch nach dem Gastspiel im Stadion Esp sind die Chancen auf dieses Szenario deutlich gesunken. Muri musste in der ersten Halbzeit vor allem eines: viel laufen. Das mit zwei Spielern der 1. Mannschaft verstärkte Heimteam drückt von Anfang an aufs Tempo und überzeugt mit flüssigen Kombinationen, und fast jeder Angriff brachte Torgefahr.
Baden powert, Muri wehrt sich
Die neu formierte Muri-Abwehr um Captain Simone Parente hatte von Beginn weg viel zu tun. Neben Rechtsaussen Leon Alimi spielten diesmal Flügelspieler Nermin Saric und Urgestein Peter Lang im Abwehrverbund, während Belmin Mrkonja ins Mittelfeld vorrückte. Zusammen mit Radovan Radevic versuchte er, die Angriffswellen der Badener zu brechen. Dies gelang aber zu selten, um die Defensive nachhaltig zu entlasten.
Und so dauert es nur bis zur 12. Minute, bis die Badener Angriffswucht zum Torerfolg führt. Im Gewusel vor Muri-Goalie Alejandro Scheifele reagiert Badens linker Flügel Uvejs Ameti am schnellsten und bringt seine Farben früh mit 1:0 in Front. Und da bei den Freiämtern so gut wie die gesamte Kreativabteilung fehlte, sehen die Stürmer vorerst kaum einen Ball. Nur bei Eckbällen oder Freistössen sind mehrere Murianer Spieler im Badener Strafraum anzutreffen, aus dem Spiel heraus können sie zu Beginn keine Gefahr erzeugen. Das Heimteam hingegen powert weiter. Nach einer knappen halben Stunde erhöht Endrit Ukshini das Skore nach starker Einzelaktion auf 2:0. Muri kämpfte, gab Einsatz, aber war unterlegen. «Wir mussten wirklich auf den letzten Knochen zurückgreifen», sagt ein erschöpfter, aber gut gelaunter Peach Lang nach seinem erneuten Comeback im «Eis».
Hoffnung flackert auf
Im November noch am Knie operiert, seit einem Jahr nicht mehr auf dem Fussballplatz gestanden und mit gerade mal einem Training in den Beinen, rackerte der 41-jährige Lang als linker Innenverteidiger 70 Minuten lang, konnte die Niederlage aber auch nicht verhindern. «Wir hatten zu viel Respekt, die Badener haben es aber auch sehr gut gemacht», lautet seine erste Analyse. «In der zweiten Halbzeit sind wir frecher aufgetreten. Vor allem nach dem Anschlusstreffer ist nochmals ein Ruck durch die Mannschaft gegangen.» Tatsächlich flackert nach dem überraschenden Anschlusstreffer durch Leonit Rexhaj nochmals Hoffnung auf. Er profitiert in der 56. Minute von einem groben Abwehrschnitzer und verkürzt auf 2:1. Sollte den Badenern ihre mangelhafte Chancenauswertung etwa noch zum Verhängnis werden? Auf jeden Fall zeigen sie Nerven und die Souveränität ist plötzlich weg. Muri kommt zu Torchancen und ist dem Ausgleich mehrmals nahe.
Fehler wird zur Vorlage
Doch just in dieser Drangphase der Gäste unterläuft Leon Alimi ein folgenschwerer Fehler, als er beim Klärungsversuch den Ball nicht richtig trifft. Der Befreiungsschlag mutiert zur Vorlage für den heranbrausenden Endrit Nasufi, der sein Team mit einer tollen Direktabnahme wieder mit zwei Toren in Führung schiesst. Damit ist das Spiel nach einer guten Stunde entschieden und das 4:1 in der 83. Minute – wiederum durch Uvejs Ameti – nur noch eine Zugabe. «Es war sicher ein verdienter Sieg», zollt auch Rückkehrer Peter Lang dem neuen Tabellenführer Respekt. Wie es nun weitergeht? «Keine Ahnung», sagt der Routinier schmunzelnd. «Erholen, ein Bier trinken und dann schauen wir weiter.» Am Samstag (16 Uhr) geht es zu Hause gegen Schönenwerd-Niedergösgen.
Das sagen die beiden Trainer
Ein ungleicher Spitzenkampf. Denn die Murianer müssen arg dezimiert antreten. Der FC Baden II erspielt sich einen klaren 4:1-Erfolg. An der Seitenlinie der Badener steht mit Sasa Stankovic ein Freiämter, der beim FC Wohlen eine Vergangenheit hat. Co-Trainer ist der Boswiler Beachsoccer-König Dejan Stankovic.
«Wir wollen in jedem Match etwas lernen. Und gegen Muri haben wir gelernt, dass man sich durch einen Gegentreffer nicht zu sehr aus dem Konzept bringen lassen sollte», sagt Sasa Stankovic. «Muri ist besser in die zweite Halbzeit gestartet. Uns fehlte in dieser Phase die Routine. Aber das ist genau das, was wir aus so einem Spiel mitnehmen können.» Stankovic sagt zum Titelrennen: «Wir haben gegen Muri zwei fehlende Stammspieler durch 1.-Liga-Spieler ersetzt, was eine absolute Ausnahme darstellt. Unser Ziel war immer ein Mittelfeldplatz. Jetzt ist es ein Zückerchen für diese Mannschaft, dass wir Ende Saison noch vorne mitspielen dürfen.»
Für Muri ist der Aufstiegszug so gut wie abgefahren. Trainer Alain Schultz hat noch Hoffnungen: «Ich gehe davon aus, dass beim nächsten Spiel einige der Leistungsträger wieder dabei sein werden. Zwar wird Radovan Radevic gesperrt sein, aber mit Tihomir Grabovica, Miguel Ferreira und Gentrim Uka sollten uns wichtige Akteure wieder zur Verfügung stehen. Ich habe schon viel erlebt im Fussball, noch ist vieles möglich.» Schultz wusste, dass es gegen Baden II extrem schwierig wird, und lobt sein Team für einen engagierten Auftritt. «Baden II hat unsere Schwächen gnadenlos ausgenutzt. Mit unserer Leistung und der Einstellung bin ich angesichts des Kaders, mit dem wir angetreten sind, vollkommen zufrieden. Wir haben alles gegeben», so Schultz.
--pf


