Nachhaltigkeit ohne Dogmatik
18.03.2025 MuriDoppelt ausgezeichnet
Zwei Holz-Preise für Linus Staubli aus Muri
Gemeinsam mit Partnerin Célina Schüpfer durfte Linus Staubli in diesen Tagen den Waldpreis von Wald Freiamt-Lenzburg entgegennehmen. Dies für ihr aus einheimischem Holz ...
Doppelt ausgezeichnet
Zwei Holz-Preise für Linus Staubli aus Muri
Gemeinsam mit Partnerin Célina Schüpfer durfte Linus Staubli in diesen Tagen den Waldpreis von Wald Freiamt-Lenzburg entgegennehmen. Dies für ihr aus einheimischem Holz erstelltes Gemeinschaftswohnhaus Mürlefeld in Muri. Morgen Mittwoch gibt es bereits den nächsten Preis für den jungen Förster. Im Rahmen der Generalversammlung von Pro Holz Aargau, die diesmal in Muri stattfindet, wird er mit dem «Aargauer Herz fürs Holz» ausgezeichnet für sein selbst gegründetes Unternehmen Waldfokus. --tst
Gemeinschaftswohnhaus in Muri mit dem Preis von Wald Freiamt-Lenzburg ausgezeichnet
Die Vereinigung der öffentlichen und privaten Waldbesitzer hat mit ihrem Waldpreis das Engagement von Linus Staubli und Célina Schüpfer gewürdigt. Staubli darf morgen Mittwoch gleich nochmals einen Holzpreis entgegennehmen, jenen von Pro Holz Aargau (siehe Text unten).
Thomas Stöckli
Vor elf Jahren ging der begehrte Holzpreis an den Pflanzgarten des Forstbetriebs Region Muri. Seither wurden unter anderem ein Mehrgenerationen-Holzhaus der Ortsbürgergemeinde Dietwil, der Buchenholz-Innenausbau der Turnhalle Islisberg und der Wohler Drechsler Hanspeter Vock ausgezeichnet. Er war massgeblich an der Entstehung der zwanzig Holzstatuen des Zürcher Künstlers Inigo Gheyselinck beteiligt, die im Rahmen der Aktion «Woodvetia» 2017 in der ganzen Schweiz ein riesiges Echo auslösten.
Hohe Kriterien
Nach einem Jahr ohne Vergabe konnten nun wieder würdige Preisträger gefunden werden. Dabei sind die Kriterien hoch für den Preis, der besondere Leistung im Wald, um den Wald oder im Umgang mit Waldprodukten ehren soll. Innovativ und nachahmenswert sollen die Projekte sein, dazu nachhaltig und regional, verständlich und doch aussergewöhnlich.
Das alles haben Célina Schüpfer und Linus Staubli mit ihrem Gemeinschaftswohnhaus in Muri erfüllt, wie Matthias Ott, Förster in Lenzburg und im Vorstand von Wald Freiamt-Lenzburg für den Waldpreis zuständig, in seiner Laudatio festhielt. Zur Vorstellung des Projekts übergab er das Wort an Schüpfer und Staubli, welche die Delegation von Wald Freiamt-Lenzburg im Mürlefeld 27 willkommen hiessen.
Am Anfang stand der Wunsch nach einer gemeinschaftlichen Wohnform. Und zwar von Anfang an zu diesem Zweck konzipiert. «Ein Haus mit fünf Bädern findet man nicht», so Linus Staubli. Ein eigenes Zimmer als Rückzugsort, dazu viele Bereiche, die gemeinsam genutzt werden, unter anderem die Küche. «Wir haben ein riesiges Haus, sind bezüglich Wohnraum pro Kopf aber doch deutlich unter dem kantonalen Durchschnitt», nennt Linus Staubli den grossen Vorteil ihrer Wohnform, die sich sowohl für sechs Einzelpersonen als auch für drei Paare eignet.
Technik als Herzstück
«Es lebt sich gut in einem Holzhaus», betont Célina Schüpfer. Den Holzbauer haben die beiden schon von Anfang an ins Boot geholt. Beim Holzen waren sie selbst dabei. Vom Wald im Oberfreiamt zur Sägerei in Hochdorf und zurück nach Muri hat das verbaute Holz gerade mal 30 Kilometer zurückgelegt. Ein Hingucker ist das Vollholz-Parkett aus Oberfreiämter Esche, das überall, selbst in den Nasszellen, verlegt wurde. Wobei nicht alles auf dem Schweizer Markt erhältlich gewesen sei, schränkt Staubli ein, so ist auch Schwarzwald-Holz verbaut. Daran stört man sich bei Wald Freiamt-Lenzburg aber keinesfalls: «Auf Nachhaltigkeit zu achten, ohne dogmatisch zu sein, das ist ein cooler Ansatz», findet jedenfalls Matthias Ott.
«Das Herzstück, um welches das Haus konzipiert wurde, ist die Technik», verrät Célina Schüpfer. Auch hier haben die jungen Murianer Wert auf Nachhaltigkeit gelegt. Eine Photovoltaikanlage versorgt das Haus mit Sonnenstrom. Die Heizung und winterliche Warmwasseraufbereitung besorgt ein Cheminéeofen, wo mit Stückholz aktiv gefeuert werden kann oder alternativ die Automatik mit Pellets übernimmt. Dazu besteht im Keller ein Lager für 4,2 Tonnen Pellets. Ein Regenwassertank mit Fassungskapazität von 10 000 Litern rundet das Nachhaltigkeits-Paket ab. «Wasser ist eine Ressource, die wir nicht vergeuden wollten», so Linus Staubli. So fliesst aus den Toilettenspülungen und den Aussenhahnen Regenwasser.
Vieles aus zweiter Hand
Die zweijährige Küche habe die Wohngemeinschaft als Occasion aus der Region übernehmen können. «Das war ein Glücksfall», so Staubli. Was die Waschmaschine und den Sanitärbereich betrifft, haben sie alles von der Bauteile-Börse. «Das braucht zwar etwas Zeit und Geduld, aber es lohnt sich mega», sagt Staubli und fügt an: «Bisher hat sich noch niemand beschwert, dass in den Bädern unterschiedliche Lavabos montiert sind.»
Linus Staubli mit «Herz fürs Holz»
Auch die Auszeichnung von Pro Holz Aargau geht an den jungen Förster
Das «Aargauer Herz fürs Holz» geht dieses Jahr an Linus Staubli aus Muri. «Mit der Auszeichnung wird jährlich eine Persönlichkeit für die vorbildliche Förderung und Nutzung des einheimischen Holzes geehrt», so Felix Moor, Geschäftsführer Pro Holz Aargau.
Linus Staubli ist ein junger Förster aus Leidenschaft. Diese wurde ihm offensichtlich schon in die Wiege gelegt: Sein Vater Stefan Staubli ist im Forstrevier Oberfreiamt Förster. Schon bald nach dem erfolgreichen Abschluss der Försterschule wuchs der Wunsch von Linus Staubli, in der Forstbranche mit innovativen Ideen etwas zu bewegen. Mit diesem Ziel wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit und gründete 2019 das Unternehmen WaldFokus (www.waldfokus.ch). Damit bietet er Waldbesitzenden Dienstleistungen an für alle erdenklichen Aspekte der fortschrittlichen Waldbewirtschaftung und -nutzung.
Der Jungunternehmer dokumentiert seinen Einsatz für den Werkstoff Holz auch im privaten Bereich vorbildlich. Zusammen mit seiner Partnerin realisiert er in seiner Heimatgemeinde ein Gemeinschaftswohnhaus (siehe Text oben). Pro-Holz-Aargau-Präsident Toni Möckel freute sich darauf, an der Generalversammlung von morgen Mittwoch die Urkunde einem jungen initiativen Berufsmann überreichen zu dürfen, für den der Nachhaltigkeitsgedanke in allen Lebensbereichen eine Selbstverständlichkeit ist.
--tst/zg
Der Preis «Aargauer Herz fürs Holz» wird morgen Mittwoch im Rahmen der Generalversammlung von Pro Holz Aargau im «Caspar-Wolf-Saal» in Muri überreicht.


