Nicht erst unter Zwang
24.07.2026 MuriAgieren und nicht reagieren
In Muri und Umgebung ist es ein Pastoralraum und sechs Pfarreien. So ist es seit Jahren geregelt und so funktioniert es auch, sagt Kirchenpflegepräsident Hans Peter Frey. Die schwindende Zahl der Steuerzahler und der Mitglieder in den ...
Agieren und nicht reagieren
In Muri und Umgebung ist es ein Pastoralraum und sechs Pfarreien. So ist es seit Jahren geregelt und so funktioniert es auch, sagt Kirchenpflegepräsident Hans Peter Frey. Die schwindende Zahl der Steuerzahler und der Mitglieder in den sechs Kirchgemeinden gibt nicht nur ihm zu denken. Sie wollen die Herausforderungen angehen. «Wir wollen agieren, nicht reagieren», sagt der Murianer Kirchenpflegepräsident Hans Peter Frey. --red
Im Pastoralraum Muri und Umgebung laufen Diskussionen zur Fusion der Pfarreien
Ein Pastoralraum, sechs Pfarreien. So ist es seit Jahren geregelt und so funktioniert es auch. Aber personell und finanziell stehen Herausforderungen an. «Wir wollen agieren, nicht reagieren», sagt der Murianer Kirchenpflegepräsident Hans Peter Frey.
Annemarie Keusch
Im November stehen Wahlen an. Die Kirchenpflegen müssen für Legislatur, die die nächsten vier Jahre umfasst, bestellt werden. Menschen zu finden, die sich in ihrer Pfarrei einsetzen, das wird zunehmend schwierig. Das Beispiel Beinwil zeigt es eindrücklich. Ab dem neuen Jahr wird die Pfarrei über die Landeskirche verwaltet. «Ein riesiger Einschnitt», sagt Hans Peter Frey, Kirchenpflegepräsident in Muri. Das kirchliche Leben vor Ort werde weniger Gewicht haben. Frey weiss: «Was in Beinwil passiert, hat viele aufgerüttelt.» Gerade auch die anderen fünf Pfarreien, die miteinander den Pastoralraum Muri und Umgebung bilden. «Ich bin optimistisch, dass alle anderen fünf eine handlungsfähige Kirchenpflege stellen können.»
Heisst, dass in vielen Pfarreien neue Gesichter gefragt sind. Neue Leute, die sich engagieren. Wie es Stefan Richter in Muri zu tun plant. Er ist Mitglied des Kirchenchors, kennt die Gegebenheiten. «Und er brachte sich in Diskussionen immer engagiert ein, darum haben wir ihn angefragt und er hat glücklicherweise zugesagt», erzählt Hans Peter Frey. Überhaupt erst notwendig wurde die Suche nach einem neuen Mitglied, weil Thomas Suter nach vielen Jahren des Engagements nicht mehr kandidieren wird. «Sein Netzwerk und sein Wissen im Bereich der Finanzen waren und sind für uns ein Glücksfall», sagt Frey.
«An Arbeit mangelt es nie»
Ein Rücktritt, eine neue Kandidatur. So weit, so gut. «Das heisst nicht, dass Interessierte sich nicht mehr melden könnten», betont der Präsident. Die Kirchenpflege könne auch aus sechs oder sieben Mitgliedern bestehen. Aber aus der Erfahrung weiss Frey, dass es nicht einfach ist, engagierte Leute zu finden. «Bei politischen Wahlen portieren die Parteien. Hier nicht.» Entsprechend seien viele Gespräche notwendig. «Viele spannende Gespräche.» Aber immer wieder gehören auch Absagen dazu. «Wir lügen die Leute nicht an. Sagen nicht, dass der Aufwand klein ist.» Elf offizielle Sitzungen, dazu unzählige Besprechungen in den Ressorts. «An Arbeit mangelt es in der Kirchenpflege nicht. Nie.» Das weiss Frey aus eigener Erfahrung. Schon 28 Jahre lang engagiert er sich – von 1994 bis 2002 und seit 2006. Und er kandidiert erneut, hängt also bei einer Wahl eine weitere Legislatur an. «Man kann nur etwas bewegen, wenn man mitmacht.» Das sagte Frey schon 1994 und daran hat sich seither nichts geändert. Die Motivation und die Freude seien nach wie vor da. Er wolle in den nächsten vier Jahren einen Nagel beim Thema Infrastruktur einschlagen. Läuft alles nach Plan, kommt der Baukredit für die Sanierung des Sockelgeschosses bei der Pfarrkirche im November vor die «Chilegmeind».
Als Motivation dient natürlich auch das bevorstehende Jubiläumsjahr 1000 Jahre Kloster Muri. Auch hier ist die katholische Kirchgemeinde involviert und engagiert sich.
Vor allem auch aus finanziellen Gründen
Hinzu kommt ein weiteres Thema, das seit geraumer Zeit im Pastoralraum aktuell ist: ein möglicher Zusammenschluss auf Stufe der Gemeinden. Dass aus den bisher sechs Kirchgemeinden eine wird. Die Anstösse dazu sind einerseits personeller Natur. Die Besetzung der Kirchenpflege wird nicht einfacher. Die Besetzung der in kleinen Pfarreien oft auch kleinen Pensen ebenfalls nicht. Finanzverwaltungen, Sekretariate, Sakristane – aktuell wird in Boswil-Kallern, Bünzen, Aristau, Beinwil, Merenschwand und Muri alles separat geregelt. Frey macht aber keinen Hehl daraus, dass der Hauptgrund für eine mögliche Fusion im Finanziellen zu suchen ist. «Es ist eine Tatsache, dass die Steuereinnahmen rückläufig sind. Und es ist zu befürchten, dass sich das in den nächsten Jahren auch nicht ändern wird.» Effizienz ist entsprechend ein Stichwort, das im Gespräch oft fällt. Effizienz, die bei einem noch engeren Miteinander erhöht werden könnte.
Es ist ein langer Weg. Aber die sechs Kirchgemeinden haben miteinander entschieden, ihn zu gehen. «Wir wollen nicht erst unter Zugzwang geraten und erst dann handeln», sagt Frey. Bis 2031 und dem Ende der neuen Legislatur soll ein Entscheid gefällt sein. Frey betont indes, dass sich Muri im Prozess zurückhalte. «Wir wollen nicht, dass das Gefühl aufkommt, dass wir als Zentrumsgemeinde etwas diktieren, aber wir bieten Hand für Lösungen.»
Riesiger Bedarf an Diskussionen
Von möglichen Lösungen ist man aber noch weit entfernt. Der Weg ist lang, bildlich gesprochen sind erst die ersten Schritte getan. Obwohl schon viele Gespräche stattfanden. Hans Peter Frey versucht die Komplexität zu erklären: «Liegenschaften, Bauland, denkmalgeschützte Gebäude – jede Pfarrei bringt andere Voraussetzungen mit.» Er spricht von einer Auslegeordnung, die notwendig werde. «In allen Bereichen.»
Diskussionen wird es fast unzählige geben. Beispielsweise darüber, wie sich eine künftige Kirchenpflege konstituieren soll. Pro bisherige Pfarrei ein Mitglied? Je nach Anzahl der Katholiken in den jeweiligen Pfarreien? Wie würde der Religionsunterricht künftig geregelt? Braucht es in den bisherigen Pfarreien wieder Pfarreiräte, die das kirchliche Leben vor Ort unterstützen, Apéros organisieren oder Ähnliches? Für Frey ist klar: «Auch eine Fusion bedeutet, dass es in den Dörfern nach wie vor engagierte Leute braucht. Sonst droht die Identität der Kirche vor Ort zu verschwinden und das will niemand.»
Erste Abstimmungen 2027
Dass man sich bewegen müsse, das sei allen sechs Pfarreien bewusst. Den Weg des totalen Miteinanders schliesse zum jetzigen Zeitpunkt keine Kirchgemeinde aus. Aber Frey betont: «Es müssen alle separat darüber abstimmen, ob sie nur schon am Prozess teilnehmen – unabhängig vom Resultat.» Was bisher passiert ist, sei nur Arbeit im Hintergrund, um überhaupt eine Basis zu haben. Vorgesehen sei, dass im November 2027 in allen sechs Pfarreien abgestimmt wird, ob konkrete Gespräche angegangen werden können. Die konkrete Vorgehensweise ist von der Landeskirche und dem Bistum vorgegeben.
Vieles ist also heute völlig offen. Ob es das Morgenessen nach dem Rorate-Gottesdienst oder den Apéro am Burkardus-Wochenende nachher noch gibt? «Um solche Fragen zu beantworten, ist es noch viel zu früh.» Klar ist indes, dass eine Fusion auch Vorteile mit sich bringt. Einheitliche Anstellungen, vorteilhaftere Pensen, finanzielle Entlastung. «Wir machen uns langsam auf den Weg, ohne zu wissen, wo uns dieser hinführt», fasst es Hans Peter Frey positiv-optimistisch zusammen.

