Noch nie, noch mehr
03.07.2026 Muri, Musik, Kultur«Musica Transalpina» begeistert
Das Ensemble «histoirefuture» führte im Kreuzgang des Klosters die halbszenische Produktion «Musica Transalpina» auf, die in die Zeit vor dem Millennium passt und barocke Musik und den Maler Caspar Wolf ...
«Musica Transalpina» begeistert
Das Ensemble «histoirefuture» führte im Kreuzgang des Klosters die halbszenische Produktion «Musica Transalpina» auf, die in die Zeit vor dem Millennium passt und barocke Musik und den Maler Caspar Wolf thematisierte. Benno Seiler, Kulturvermittler im Kloster, beschreibt seine Eindrücke.
Überraschungen kommen häufig unerwartet. Aber da war wieder eine. Die als «halbszenische Produktion» angekündigte musikalische und theatralische «Musica Transalapina» gehört in diese Kategorie. Die äusseren Bedingungen bei dieser Aufführung waren: zwecks Restaurierungsarbeiten eingerüstete Kirche und ungewöhnlich warme Sommertemperaturen.
Zwischen Musikeinlagen vorgelesene Texte thematisierten Strapazen im Gebirge, riesige hochalpine Eisgebilde, Entbehrungen der Alpenüberquerer, dazu kamen eine witzige Kostümierung, die die an der Restaurierung der Klosterkirche beteiligten Handwerker in Erinnerung rief. Eine derartige Kombination von visuellen und auditiven Sinneseindrücken war unterhaltsam, inspirierend und – erfrischend.
Musikalisch nachempfinden
Und auch bewegend. Das Musik-Ensemble «histoirefuture» liess die Strapazen einer Alpenquerung durch unerwartete szenische Einfälle und exzellente schauspielerische und musikalische Leistungen nachempfinden. Dabei kam indirekt immer wieder der in diese Örtlichkeit gehörende benediktinische Geist zum Tragen, aber auch der Forschergeist der Aufklärungszeit, in die der Maler Caspar Wolf zu verorten ist. Beide Grundgedanken kamen gleichwertig zum Ausdruck. Etwa durch Imitation der Alpenmalerei mit damaligen technischen Mitteln, die Präzision forderte, aber die auch den überwältigenden Eindruck des Alpengebirges auf die damaligen bergsteigenden Künstler illustrierte.
Wenn nach erschöpfender Anstrengung eine gespielte Pause eingelegt wurde, erfrischten sich die Handelnden mit vorgelesenen Texten aus der damaligen Zeit und mit einem bescheidenen Apfelschnitz, passend zur Forderung nach klösterlicher Askese. Diese benediktinische Grundforderung nach asketischer Anstrengung, Arbeit und Gebet wurde gerade im Kreuzgang indirekt verdoppelt, wenn man weiss, dass auf einem Glasgemäldefenster ganz in der Nähe die vita contemplativa und die vita activa ebenso deutlich thematisiert werden.
Verdient eine Wiederholung
Einen berührenden Schluss erlebten die Anwesenden durch die musikalisch ausgedrückte Idee, dass hohe Kunstfertigkeit in der ausgeschmückten Form barocker Melodien einen Ausklang fand, wo sich die Künstler-Forscher ermattet, aber glücklich summend, singend und pfeifend der Schönheit der unberührten Natur hingaben.
Ein solch spektakuläre Leistung ist zwar keine Seltenheit in der Reihe «Musik in der Klosterkirche Muri». Insofern ist das im Titel genannte «noch nie» nicht unbedingt mit einem Ausrufezeichen zu versehen. Dafür sollte das «noch mehr» mit zwei Ausrufezeichen versehen werden. Dieses den besonderen Gegebenheiten des Klosters Muri ein Jahr vor dem Millennium gewidmete szenische Musiktheater verdient eine Wiederholung. --zg
